Metastasierender Brustkrebs: Frankreich führt bei der Versorgung, aber nicht bei Früherkennung

"Frankreich ist das europäische Land, das am längsten und am besten organisiert an einem nationalen Krebsplan gearbeitet hat. Es kann als führend in der Organisation der Versorgung angesehen werden", sagte die französische Renew-Abgeordnete, Véronique Trillet-Lenoir, Mitglied des Sonderausschusses zur Krebsbekämpfung (BECA). [Serhii Bobyk/Shutterstock]

Dieser Artikel ist Teil des special reports Metastasierender Brustkrebs: Noch einiges zu tun

Frankreich gilt als „führend“ in der Versorgung von Personen mit metastasiertem Brustkrebs, deren Lebensqualität zu einem wesentlichen Aspekt der Patientenversorgung in Frankreich geworden ist. Jedoch muss das Screening – das die Sterblichkeitsrate um 20 % senken kann – verstärkt werden, wie EURACTIV Frankreich berichtet.

„Innerhalb der EU gibt es große Unterschiede bei der Brustkrebsvorsorge“, so die französische EU-Abgeordnete Véronique Trillet-Lenoir (Renew), die im Sonderausschuss des Europäischen Parlaments zur Krebsbekämpfung (BECA) sitzt, gegenüber EURACTIV Frankreich.

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen in Europa, mit 400.000 Fällen pro Jahr und 100.000 Todesfällen. In Frankreich sind 10-15% der Brustkrebsfälle metastasiert.

Trillet-Lenoir, die auch als Onkologin in einem Lyoner Krankenhaus tätig ist, erklärte, dass eine bilaterale Mammographie die Sterblichkeitsrate bei Brustkrebs um 20% senken kann, was erklärt, warum die Früherkennung so wichtig ist.

„Die Länder des Nordens sind am weitesten fortgeschritten, während die Länder des Südens und Ostens sehr spät dran sind. Das Risiko, Brustkrebs in einem späten Stadium zu entdecken, ist größer“, sagte Trillet-Lenoir und fügte hinzu, dass „Frankreich im Mittelfeld liegt“.

Brustkrebs kann in drei Unterkategorien eingeteilt werden. Die aggressivste Form ist der dreifach-negative Brustkrebs mit einer durchschnittlichen Überlebenszeit von weniger als zwei Jahren, der 15-20% aller metastasierenden Brustkrebsfälle ausmacht. Die anderen beiden weniger aggressiven Formen haben eine Lebenserwartung von fünf Jahren.

Zur Vermeidung von metastasierendem Brustkrebs ist es daher notwendig, „die Erstbehandlung und das Screening zu beschleunigen“, so Trillet-Lenoir weiter. Verzögerungen bei der Diagnose können zu schweren und aggressiven Formen der Krankheit führen, „auch wenn in den letzten Jahren Fortschritte gemacht wurden“.

Diese Fortschritte spiegeln sich darin wider, dass die Lebenserwartung von Brustkrebspatient:innen dank der neuen Behandlungsmethoden gestiegen ist.

Verbesserung der Lebensqualität von Patient:innen

Da die Lebenserwartung der Patient:innen gestiegen ist, basiert die Zulassung neuer Medikamente heute auf einer doppelten Bewertung: dem therapeutischen Fortschritt und der nicht abnehmenden Lebensqualität von Personen mit Brustkrebs.

„Frankreich ist das europäische Land, das am längsten und am besten organisiert an einem nationalen Krebsplan gearbeitet hat. Es kann als führend in der Organisation der Versorgung angesehen werden“, sagte Trillet-Lenoir.

François-Clément Bidard, Professor für medizinische Onkologie am Institut Curie in Paris, bestätigte, dass „in den letzten vier bis fünf Jahren eine sehr starke Tendenz zur systematischen Einbeziehung der Lebensqualität der Patient:innen besteht, wenn eine neue Behandlung Gegenstand einer klinischen Studie wird“.

Bei Personen mit metastasiertem Brustkrebs ist die Situation jedoch etwas anders. „Da es sich um eine tödliche Krankheit handelt, ist die Wirksamkeit der Behandlung nach wie vor das wichtigste Ziel. Dies ist die beste Garantie für einen zufriedenstellenden Allgemeinzustand und eine gute Lebensqualität“, so Bidard gegenüber EURACTIV Frankreich.

Die Lebensqualität von Patient:innen wird durch zwei Bewertungsebenen gemessen, sowohl in der Forschungs- als auch in der Beratungsphase.

Was die Forschung betrifft, so müssen künftige Medikamente Lebensqualitätskriterien aufweisen, die anhand von Fragebögen bewertet werden, bevor sie auf den Markt gebracht werden.

Was die Beratung, die zweite Ebene der Bewertung, betrifft, so sagte Bidard: „Wir versuchen immer, die Nebenwirkungen zu minimieren. Wir schlagen Lösungen vor, um mit ihnen umgehen zu können“.

In der Praxis bedeutet dies eine so genannte unterstützende Behandlung. Ziel ist es, alle Symptome der Patient:innen zu lindern, deren Lebensqualität durch die Krankheit am stärksten beeinträchtigt ist. Diese Betreuung, die nicht obligatorisch ist, ist von „großem Nutzen“ für die Behandlung der Patient:innen.

Schluss mit Diskriminierung

Die Suche nach einem Arbeitsplatz, die Aufnahme eines Kredits oder die Eingliederung in die Gesellschaft ist für Personen mit Brustkrebs oft ein schwieriger Prozess.

„Vor zwanzig Jahren haben sich nur wenige Frauen getraut zu sagen, dass sie an metastasierendem Brustkrebs erkrankt sind“, so Bidard, aber „heute wird diese Krankheit nicht mehr als beschämend angesehen“.

In Frankreich haben Initiativen wie der Rosa Oktober das Leben von Krebspatient:innen verbessert. „Die Gesellschaft darüber zu informieren, dass die Lebenserwartung hoch ist und die Behandlungen besser und verträglicher sind, fördert den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Nichtdiskriminierung“, so Bidard.

Trillet-Lenoir wünscht sich außerdem, dass das Recht auf Vergessenwerden, das in Frankreich für Krebspatient:innen gilt, die nach fünf Jahren keine Symptome mehr zeigen, „in allen europäischen Ländern entwickelt wird“.

In Bezug auf die Patientenversorgung forderte sie außerdem „ein europaweites Ausbildungsprogramm, um zu Qualitätskriterien zu gelangen, die für alle gleich sind. Dies würde eine Abwanderung von Pflegekräften wie in Rumänien verhindern“.

Die Europäische Kommission kündigte im Februar 2021 einen europäischen Plan zur Krebsbekämpfung an, der unter anderem darauf abzielt, den Zugang, die Qualität und die Diagnostik zu verbessern. EU-Länder sollen außerdem Unterstützung erhalten, damit 90% der EU-Bevölkerung, die Vorsorgeuntersuchungen für Brust-, Gebärmutterhals- und Darmkrebs benötigen, diese bis 2025 angeboten bekommen.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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