Kritiker: Nachhaltiges Station für Katar 2022 ist nur „PR“

Trotz all der intelligenten Lösungen, um die Emissionen zu senken und die Weltmeisterschaft so klimaneutral wie möglich zu gestalten, sind Kritiker:innen besorgt über die Abhängigkeit von Klimakompensationen. [dezeen/Qatar's Supreme Committee for Delivery & Legacy]

Die Qatar Football Association und die Regierung des Landes stehen unter Druck, klimaneutral zu werden. Denn die Fußballstadien, die für jede Weltmeisterschaft gebaut werden müssen, sind eine Hauptquelle für CO₂-Emissionen.

Kritiker:innen sind jedoch nicht davon überzeugt, dass vermeintlich nachhaltige Stadien ausreichen, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Ein großer Teil der 3,6 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen, die die FIFA für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar gezählt hat, stammt aus dem, was der Bericht als „permanenten Bau von Spielstätten“ bezeichnet.

Etwa 639.482 Tonnen Kohlenstoffemissionen würden während der Vorbereitungsphase der Weltmeisterschaft beim Bau der Spielstätten ausgestoßen werden, stellt die FIFA fest.

Daher präsentierte Katar der Welt am 26. November stolz das Stadion 974. Das aus recycelten Schiffscontainern gebaute Stadion wurde nach der Anzahl der verwendeten Container und der katarischen Ortsvorwahl benannt.

Das Design basiert auf vorgefertigten modularen Elementen. So werden die Abfallstoffe reduziert, die bei der Herstellung und beim anschließenden Aufbau vor Ort anfallen, so die Eigentümer.

Durch die Verwendung modularer Elemente konnte auch die Bauzeit des Stadions verkürzt werden, fügten sie hinzu.

Insgesamt wurden 6.500 Todesfälle von Wanderarbeiter:innen in Katar gemeldet seit das Land  2010 den Zuschlag für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft erhielt, wie der Guardian im Februar 2021 berichtete. Eine Beschleunigung der Bauarbeiten könnte dazu beitragen, dass weitere Todesfälle verhindert werden können.

Nach Angaben des Supreme Committee for Delivery & Legacy (SC) – die für die Veranstaltung zuständige Behörde – starben in dem genannten Zeitraum 34 Wanderarbeiter:innen auf den WM-Baustellen.

Das SC gibt jedoch an, bei diesen Zahlen transparent zu sein und bezweifelt andere „irreführende“ Berichte über die Zahl der Todesfälle.

FIFA will Klimaneutralität bis 2040, wird aber wegen Kompensationsmaßnahmen kritisiert

Während sich die Staats- und Regierungschefs auf der COP26 in Glasgow zur Einhaltung unterschiedlich strenger Klimaziele verpflichteten, gab der Weltfußballverband FIFA ein ehrgeiziges Versprechen ab, bis 2040 klimaneutral zu werden.

Das „Greenwashing“-Problem

Abgesehen von den Menschenrechtsbedenken und den Todesfällen der überwiegend pakistanischen Wanderarbeiter:innen sind Umweltaktivist:innen auch besorgt, dass das neue Stadion ein großes Greenwashing-Projekt ist.

Das Stadion wurde aus recycelten Materialien gebaut und ist modular konstruiert. So kann es nach der Weltmeisterschaft wieder abgebaut, problemlos in mehrere kleinere Stadien zerlegt oder verschrottet werden.

„Wenn man sich die Kritik an all den großen Stadien ansieht, die auf der ganzen Welt gebaut wurden – und niemand nutzt sie später -, dann ist das, nun ja, nützlich“, sagte Zeina Khalil Hajj von 350, einer globalen Klimaschutz-NGO, der Deutschen Welle.

Dennoch ist das innovative Stadion am Meer, das aufgrund seiner Konstruktion und Lage auf Kühlung verzichten kann, nur eines von acht riesigen Stadien, die Katar für die WM 2022 gebaut hat.

„Das bedeutet nicht, dass sie der größte Übeltäter der Welt sind. Es bedeutet nur, dass sie eine Pflicht haben“, sagte Hajj der DW. „Sie haben eine Verantwortung als reiche Nation. Sie müssen ihren Beitrag leisten. Und das bedeutet, dass sie ihr eigenes Konsumverhalten ändern müssen.“

Die Einwohner:innen Katars haben einen der größten Pro-Kopf-Kohlenstoff-CO2-Bilanz. Das ist auf die ölbasierte Wirtschaft in einer relativ unwirtlichen Umgebung zurückzuführen, die eine künstliche Kühlung erfordert.

Anstatt die systemischen Herausforderungen für ihre Gesellschaft anzugehen, „machen sie stattdessen diese ‚PR-Maschine'“, so Haji weiter.

Trotz all der intelligenten Lösungen, die der katarische SC hervorbringt, um die Emissionen zu senken und die Weltmeisterschaft so klimaneutral wie möglich zu gestalten, sind Kritiker:innen besorgt über die übermäßige Abhängigkeit von Klimakompensationen.

Um das Versprechen des SC zu erfüllen, „alle Treibhausgasemissionen der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2022 zu messen, zu reduzieren und auszugleichen“, wird letztendlich eine große Menge an sogenannten CO₂-Kompensationen erforderlich sein. Dies ist besonders problematisch, da ein Großteil der Emissionen aus Flugreisen und dem Bau der Spielstätten stammen, die sich nur schwer reduzieren lassen.

Katar plant diese „unvermeidbaren Emissionen“ durch das Pflanzen von einer Million Bäumen auszugleichen, anstatt Solarenergie oder Windenergie zur Kühlung der Stadien zu nutzen. Phillip Sommer von der Umweltaktion Deutschland bestreitet gegenüber der DW, dass diese Praxisbeispiele als “nachhaltig” bezeichnen werden sollten.

Weder Organisatoren wie der SC noch „die FIFA sollten sich daher nicht auf Kompensationen verlassen, sondern direkt in Solar- oder Windenergie investieren und die Bedingungen für die Austragungsorte an die Klimabilanz der Mitgliedsländer knüpfen“, sagte Michael Bloss, EU-Abgeordneter der Grünen, gegenüber EURACTIV.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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