FIFA will Klimaneutralität bis 2040, wird aber wegen Kompensationsmaßnahmen kritisiert

Die Klimaneutralitätsziele der FIFA sind in die Kritik geraten, weil sie auf Kohlenstoffkompensationen angewiesen sind. EPA-EFE/Miguel Gutierrez

Während sich die Staats- und Regierungschefs auf der COP26 in Glasgow zur Einhaltung unterschiedlich strenger Klimaziele verpflichteten, gab der Weltfußballverband FIFA das ehrgeiziges Versprechen ab, bis 2040 klimaneutral zu werden.

„Die FIFA hat eine umfassende Klimastrategie entwickelt … mit dem Ziel, die Emissionen bis 2030 um 50 % zu reduzieren und bis 2040 Netto-Null-Emissionen zu erreichen“, sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino am 3. November auf der COP26 in Glasgow.

Tomasz Frankowski, führender EU-Gesetzgeber der mitte-rechts orientierten EVP-Fraktion, erklärte, dass der Fußball wie andere Sportarten auch Treibhausgasemissionen verursacht, die reduziert werden müssen, um einen Beitrag zu den internationalen Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels zu leisten.

Die FIFA-Klimastrategie gliedert sich daher in vier Säulen: Bildung, Anpassung, Reduzierung und Investitionen.

Die FIFA plant, „die Mitarbeiter:innen des Weltfußballs über die Auswirkungen des Klimawandels und klimafreundliche Lösungen aufzuklären“, erklärte Infantino. Konkret will die FIFA ein Programm zur Klimakompetenz für die FIFA-Belegschaft entwickeln und umsetzen.

Das würde bedeuten, dass die 720 FIFA-Mitarbeiter:innen im Rahmen von Unternehmensschulungen für das Klima sensibilisiert werden.

Der Fußballverband will außerdem „die Fußballregeln und -aktivitäten anpassen, um besser auf die aktuellen und erwarteten Auswirkungen des Klimawandels reagieren zu können“, so Infantino weiter.

Um sich anzupassen, wird die FIFA „einen Reduktionsplan entwickeln und wissenschaftlich fundierte Jahresziele … für die drei Emissionsschwerpunkte der FIFA, nämlich Geschäftsreisen, Logistik und Unterkünfte, festlegen“.

Während diese Maßnahmen die internen Emissionen der FIFA senken sollen, gibt es Zweifel, ob die Emissionsbilanzierung der FIFA weit genug geht. Wir müssen anerkennen, dass es extrem schwierig ist, die Treibhausgasemissionen des Fußballs insgesamt zu messen“, so der Abgeordnete Frankowski.

Auf der anderen Seite argumentieren Kritiker, dass es heuchlerisch sei, wenn die FIFA so ehrgeizige Klimaziele verkünde und gleichzeitig vorschlage, die Weltmeisterschaft alle zwei Jahre statt wie bisher alle vier Jahre auszutragen.

Die FIFA hat zwar „Mindeststandards“ für die ausrichtenden Länder festgelegt, wie Infantino erläuterte – „eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die Nachhaltigkeit der Stadien in Bezug auf ihre Planung, ihren Bau und ihren Betrieb sowie die Verringerung und Wiederverwertung von Abfällen“ -, doch scheinen sie die wichtigsten Emissionsquellen im Zusammenhang mit FIFA-Weltmeisterschaften nicht zu berücksichtigen.

Allein der Flugverkehr im Zusammenhang mit der WM 2022 in Katar wird 1,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente oder die Hälfte der Gesamtemissionen verursachen, während für den Bau der Stadien 0,65 Millionen Tonnen Emissionen veranschlagt werden, insgesamt also 3,6 Millionen Tonnen.

Das Problem der Kompensation

Und da viele dieser Emissionen in so genannten „schwer zu verringernden“ Sektoren liegen, will die FIFA gemäß ihrer Klimastrategie ein Kompensationsportfolio erstellen und zertifizierte Emissionsgutschriften kaufen, um die verbleibenden Emissionen des Fußballverbandes ab 2021 jährlich auszugleichen.

Kompensationen sind ein besonders umstrittenes Thema.

„Die FIFA kauft sich mit Bilanzierungstricks aus dem Klimaschutz heraus. Dem Klimaschutz ist damit wenig gedient“, kritisierte Michael Bloss, grüner Abgeordneter im Europäischen Parlament.

„Sie geht damit den gleichen Weg wie bei den Menschenrechten, indem sie die Verantwortung für tatsächliche Maßnahmen gegen diese Art der modernen Sklaverei oder Ausbeutung den jeweiligen Gastgeberländern überlässt“, fügte er hinzu.

Die Wirksamkeit der Anpflanzung von Wäldern zum Ausgleich von Kohlendioxidemissionen wurde nach den Waldbränden in den USA im letzten Sommer in Frage gestellt, als große Teile der Ausgleichswälder in Flammen aufgingen, wie die NYT berichtete.

„Die FIFA sollte sich nicht an Kompensationsmaßnahmen halten, sondern direkt in Solar- oder Windenergie investieren und die Bedingungen für die Austragungsorte der Weltmeisterschaft an die Klimaleistung der Mitgliedsländer knüpfen“, so Bloss.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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LIFE TACKLE wird vom LIFE-Programm für Umwelt- und Klimapolitik der Europäischen Union kofinanziert - Projektnummer LIFE17 GIE/IT/000611



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