EU verspricht mehr Geld für Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten

Während der Vorstellung der "Healthier together"-Initiative sagte Jakub Dvořáček, stellvertretender Gesundheitsminister der Tschechischen Republik, dass sie während der kommenden tschechischen Ratspräsidentschaft Priorität haben werde. [EPA-EFE/JULIEN WARNAND]

Um der weiten Verbreitung nichtübertragbarer Krankheiten in der EU entgegenzutreten, startet die Europäische Kommission eine Initiative zur Unterstützung der EU-Mitgliedstaaten in diesem Bereich.

Die Initiative mit dem Titel „Healthier together“ (gesünder zusammen) soll 156 Millionen Euro aus dem Arbeitsprogramm EU4Health 2022 erhalten und Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und Diabetes abdecken.

Nach Angaben der Kommission sind nichtübertragbare Krankheiten für 80 Prozent der gesamten Gesundheitsbelastung in der EU verantwortlich und stellen die Hauptursache für vermeidbare vorzeitige Todesfälle dar.

„Unser Ziel ist es, einige der Erkenntnisse, die wir in den letzten Jahren gemeinsam erarbeitet haben, in konkrete Maßnahmen zugunsten unserer Bürger:innen umzusetzen und einige der inakzeptablen gesundheitlichen Ungleichheiten in unserer Union zu verringern“, sagte die für Gesundheit zuständige Kommissarin Stella Kyriakides am Mittwoch (22. Juni) bei der Vorstellung der Initiative.

„Eines der Leitprinzipien des Plans ist es, dass Vorbeugen immer besser ist als Heilen“, fügte sie hinzu.

Das Leitdokument beschreibt fünf Hauptbereiche, innerhalb derer die Initiative wirksame Maßnahmen sowie die verfügbaren rechtlichen und finanziellen Förderinstrumente zusammenträgt: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen, psychische Gesundheit und neurologische Störungen sowie die wichtigsten Faktoren, die dazu beitragen.

In ihrer Rede wies die Kommissarin erneut darauf hin, dass nichtübertragbare Krankheiten nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigen, sondern auch eine erhebliche Last für die Sozialsysteme und die Wirtschaft darstellen, die voraussichtlich noch zunehmen dürfte.

Mit Europas Plan gegen den Krebs, der 2021 vorgestellt wurde, hatte die Kommission bereits Maßnahmen zur Bekämpfung von Krebs ergriffen.

„Das ist das erste Mal, dass wir nicht übertragbare Krankheiten so systematisch und umfassend angehen wie mit dem Krebsplan“, sagte Kyriakides. Sie lobte die Initiative dafür, dass sie sowohl nationale als auch europäische Prioritäten für die Krankheitsvorbeugung festlegt und gleichzeitig die finanziellen Mittel darlegt, die den Ländern für die Umsetzung der Maßnahmen zur Verfügung stehen.

Auch im Nachgang der Corona-Pandemie könnte sich die Verbreitung nichtübertragbarer Krankheiten verschlimmern.

„Wir werden die Auswirkungen des Coronavirus erst in den kommenden Jahren zu spüren bekommen“, sagte die Gesundheitskommissarin und fügte hinzu, dass viele Diagnosen und Vorsorgeuntersuchungen verschoben, Behandlungen aufgeschoben und Aktivitäten zur Prävention und Förderung von Krankheiten auf Eis gelegt wurden.

„Und natürlich haben die Herausforderungen für die psychische Gesundheit zugenommen“, fuhr sie fort.

1,2 Millionen Todesfälle in Europa jährlich wegen Fettleibigkeit

Aus einem neuen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht hervor, dass Übergewicht jährlich zu 1,2 Millionen Todesfällen in Europa führt. Keines der EU-Länder ist auf einem guten Weg, den Anstieg der Adipositas bis 2025 zu stoppen.

Tschechische Präsidentschaft rückt näher

Während der Vorstellung der „Healthier together“-Initiative sagte Jakub Dvořáček, stellvertretender Gesundheitsminister der Tschechischen Republik, diese werde während der kommenden tschechischen Ratspräsidentschaft Priorität haben.

Dvořáček wies darauf hin, dass dies kleineren Ländern wie der Tschechischen Republik zugutekommen könnte, die „manchmal Schwierigkeiten haben, einen gleichberechtigten Zugang zur Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, im Vergleich zu Ländern, die sich in größerem Umfang mit dieser Art von Krankheit befassen und über bessere finanzielle Mittel verfügen.“

Die stellvertretende Ministerin bekräftigte die von Kyriakides geäußerte Sorge, dass sich die Corona-Pandemie negativ auf die Krankheitslast ausgewirkt habe.

„Das ist definitiv eine große Priorität für uns“, sagte Dvořáček. So sei es notwendig, viel mehr als geplant zu investieren, um sicherzustellen, dass alle Menschen die Behandlung bekommen, die sie brauchen.

„Wir sehen in vielen Bereichen, wie zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und in der Onkologie, dass die Menschen während der Pandemie nicht mehr so wie früher zu den Spezialisten und Behandlungen gegangen sind“, fügte er hinzu.

Der stellvertretende Minister sagte, er hoffe, dass ihre Präsidentschaft dazu beitragen werde, Ungleichheiten beim Zugang zu modernen Behandlungsmethoden und Arzneimitteln abzumildern.

Er betonte, dass die tschechische Ratspräsidentschaft wissenschaftliche Konferenzen zum Thema nichtübertragbare Krankheiten veranstalten werde, insbesondere zum Thema Onkologie und zur Umsetzung des EU-Plans zur Krebsbekämpfung. Die tschechische Ratspräsidentschaft hat außerdem zugesagt, sich intensiv mit der psychischen Gesundheit befassen zu wollen.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna und Nathalie Weatherald]

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