Die Ausbreitung von H5NI, auch bekannt als Vogelgrippe, bei Rindern und Säugetieren in den Vereinigten Staaten hat bei denjenigen, die in der Seuchenbekämpfung tätig sind, Besorgnis ausgelöst. Die EU sei jedoch gut auf einen möglichen Ausbruch vorbereitet.
Zwar ist das Virus laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) bei Vögeln hochgradig ansteckend, auf den Menschen würde es sich allerdings nur selten übertragen.
Außerdem gibt es ein von der Kommission verwaltetes Frühwarnsystem, das die Mitgliedstaaten verpflichtet, jeden Fall zu melden.
Der Sprecher der EU-Kommission für Gesundheit, Stefan de Keersmaecker, sagte, dass Impfstoffe zur Verfügung stünden. Zudem seien gemeinsame Beschaffungsverträge geschlossen worden, damit die EU im Falle einer Pandemie gerüstet sei.
„All dies zeigt, dass die Europäische Gesundheitsunion seit der Corona-Pandemie gestärkt wurde und dass wir gut vorbereitet sind. Natürlich beobachten wir die Situation gemeinsam mit den Mitgliedstaaten und natürlich beobachten wir auch sehr genau, was in den USA mit den Kollegen des CDC passiert.“
Ein Sprecher der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) teilte Euractiv mit, dass man sich der Situation in den USA bewusst sei und „die Lage und ihre mögliche Entwicklung genau beobachtet.“
Enorme Sorge
Bis letzte Woche waren 34 bestätigte Ausbrüche der Vogelgrippe H5NI bei Milchkühen in neun US-Bundesstaaten festgestellt worden. Die US-Bundesregierung hat vor kurzem Beschränkungen für die Verbringung von Rindern über die Grenzen der Bundesstaaten eingeführt. Außerdem hat sie empfohlen, dass Personen, die mit Milchkühen arbeiten, Schutzausrüstungen verwenden.
Am Montag (29. April) gab das US-Landwirtschaftsministerium bekannt, dass es nun auch Rinderhackfleisch auf das Virus untersucht. Zwar wurden Spuren des Virus in Milch gefunden, doch gilt diese als ungefährlich, wenn sie pasteurisiert ist.
Auf die Frage nach der Ausbreitung von H5N1 in Rindern sagte der leitende Wissenschaftler der WHO, Jeremy Farrar, letzte Woche im Einklang mit anderen Interessengruppen, dass dies „eine enorme Sorge“ sei.
„Ich denke, wir müssen mehr aufpassen; wir müssen sicherstellen, dass wir im Falle einer Übertragung von H5N1 auf den Menschen und von Mensch zu Mensch in der Lage wären, sofort mit einem gleichberechtigten Zugang zu Impfstoffen, Therapeutika und Diagnostika zu reagieren“, erklärte er.
Die von der Kommission im Jahr 2021 eingerichtete Behörde für Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen (HERA) hat die Vogelgrippe als vorrangige Bedrohung eingestuft. Euractiv wurde von der Kommission mitgeteilt, dass die Behörde die Entwicklung geeigneter medizinischer Gegenmaßnahmen, einschließlich Impfstoffen, Therapeutika und Diagnostika für den menschlichen Gebrauch, unterstützt.
In seinem jüngsten Bericht über die Zukunft des Binnenmarktes warnte Enrico Letta, dass die Bereitschaft zur Pandemievorsorge nicht verhandelbar sei.
Er forderte die EU auf, rasche, einfache und unbürokratische Protokolle einzuführen, die von einer effizienten Befehlskette verwaltet werden.
„Europa läuft Gefahr, die hart erkämpften Lehren aus der Pandemie zu verlieren, wenn es nicht einen einheitlicheren Ansatz für die Gesundheitspolitik verfolgt. Infektionskrankheiten kennen keine Grenzen, denn Entscheidungen, die in einem Mitgliedstaat getroffen (oder vernachlässigt) werden, wirken sich auf die gesamte Union aus“, schrieb er.
„Die Weltgesundheitsorganisation warnt, dass die „Krankheit X“ unvermeidlich ist. Wir wissen nicht, wie sie aussehen oder wann sie ausbrechen wird, wir wissen nur, dass sie ausbrechen wird, und sie könnte weitaus verheerender sein als COVID-19.“
[Bearbeitet von Alice Taylor]

