Deutsche Bundesliga will Nachhaltigkeitskriterien für Vereine einführen

Die Deutsche Fußball Liga will Vereine, die in die Spitzenklasse des deutschen Fußballs aufsteigen wollen, verpflichten, Nachhaltigkeitskriterien zu befolgen, möglicherweise nach dem Vorbild der Nachhaltigkeitsführer Wolfsburg und Bayern München, 17. April 2021. EPA-EFE/MARTIN ROSE / POOL DFL

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will bis 2024 die Nachhaltigkeit in ihren Lizenzierungskriterien verankern. Die 36 Vereine der 1. und 2. Liga werden im Dezember darüber abstimmen, ob die Empfehlungen der Arbeitsgruppe „Zukunft des Profifußballs“ umgesetzt werden sollen.

So wie die deutschen Grünen eine der stärksten europäischen grünen Parteien sind, verfolgt auch der deutsche Fußball seit langem die Ambition, umweltfreundlicher zu werden. Frühere Bemühungen gingen vor allem von einzelnen Vereinen wie Wolfsburg aus, dessen Volkswagen-Arena zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Dieser Vorstoß jedoch markiert eine ligaweite Anstrengung für mehr Nachhaltigkeit.

„Es ist meines Wissens weltweit einzigartig, dass eine Liga so etwas macht“, sagte DFL-Vorstandsmitglied Christian Pfennig, als die Pläne im August bekannt gegeben wurden. Er wies darauf hin, dass die innovativen Maßnahmen zunächst einer Testphase bedürfen, um sie richtig umzusetzen.

Die Umstellung würde mit einer Pilotphase Anfang 2022 beginnen, ohne die Vereinslizenzierung zu beeinträchtigen. In der nächsten Phase würde die DFL bei der Verabschiedung und Umsetzung der notwendigen Änderungen behilflich sein, und schließlich würden die Änderungen Anfang 2023 endgültig in Kraft treten.

Ab 2023 sollen Vereine, die eine Verbandslizenz beantragen, auch nach ihrer Nachhaltigkeit bewertet werden. Damit sollen Anreize für Vereine geschaffen werden, die in die höchste Spielklasse des deutschen Fußballs, die Bundesliga, aufsteigen wollen.

„Das ist ein Marathon, bei dem man von Beginn an ernsthaft dabei sein muss“, sagte Pfennig.

Der Vorstoß der DFL folgte auf einen offenen Brief des Fanarbeitskreises, der beklagte, dass 100 Tage nachdem eine gemeinsamen Arbeitsgruppe sich unter anderem mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt hatte, immer noch keine Reformen umgesetzt worden seien.

„Wir brauchen ein Bewusstsein, was der Fußball für die Gesellschaft in der Zukunft glaubwürdig leisten kann“, sagte Carsten Schmidt, Geschäftsführer des Bundesligisten Hertha BSC, zu den Bemühungen der DFL um mehr Nachhaltigkeit.

Er mahnte, dass die Unterscheidung zwischen Greenwashing der Vereine und wirklich nachhaltigem Handeln kritisch sei, fügte aber hinzu, dass sein Verein „hungrig“ sei, die notwendigen Veränderungen anzugehen.

Deutsche Fußballfans als Vorhut für einen europäischen Vorstoß in puncto Nachhaltigkeit

Europäische Fußballfans wollen sich für die ökologische Nachhaltigkeit ihres Sports engagieren. Jedoch fehlt es ihnen dabei an einem geeigneten Rahmen. Das zeigt der Nachhaltigkeitsbericht des europäischen Fußballfanverbandes SD Europe. Deutschland sind derweil Vorreiter in den Bemühungen, den ökologischen Fußabdruck des Fußballs in den Griff zu bekommen.

Die DFL stellt bereits einen Nachhaltigkeitsmanager ein, der sie bei der Überwachung, Anpassung und Umsetzung ihrer neuen Nachhaltigkeitskriterien unterstützen soll. Das kann möglicherweise darauf hindeuten, dass man davon ausgeht, dass das Votum der Klubs im Dezember durchkommt.

Es sind turbulente Zeiten für die DFL: Ihr Geschäftsmodell ist nach wie vor von der Pandemie betroffen, und der langjährige Geschäftsführer Christian Seifert wird Ende 2021 aus seinem Amt ausscheiden. Er hat die DFL so lange geführt, wie die ewige Bundeskanzlerin Angela Merkel das Kanzleramt geleitet hat: 16 Jahre.

Bei der Ankündigung seines Rücktritts warnte er, dass die meisten Fußballfans nicht nach „gendergerechter Sprache, Choreographie und Nachhaltigkeit“ verlangten, sondern nach „tollem Fußball, Spannung und Unterhaltung“.

Deutscher Umweltmeister 2021

Vorreiter in Deutschland ist der VfL Wolfsburg, der als erster europäischer Erstligist das UN Sports for Climate Action Framework unterzeichnet hat.

Der Verein betreibt seine Stadien mit 100% erneuerbarer Energie, setzt energiesparende LED-Scheinwerfer ein und spart rund 16 Millionen Liter Wasser pro Jahr.

Die in der Volkswagen-Arena verkauften Trinkbecher sind aus wiederverwendbarem Bio-Plastik, und in den Restaurants gibt es eine große Auswahl an veganen Gerichten.

„In Wolfsburg sind nicht nur die Trikots grün, sondern auch die Ambitionen“, lobte die DFL die Bemühungen des Vereins.

Sports Positive hat Wolfsburgs Nachhaltigkeitsbemühungen in seinem Ranking der Bundesligaklubs für 2021 mit der vollen Punktzahl bewertet und den Klub damit noch vor starken Konkurrenten wie Bayern München platziert.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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