Adipositas droht ohne Gesundheitserziehung zu ernsten Problem zu werden

Ein Anfang des Monats veröffentlichter Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat gezeigt, dass Adipositas jedes Jahr 1,2 Millionen Todesfälle in Europa verursacht. Kein einziges EU-Land ist auf dem Weg, die Adipositasrate bis 2025 zu senken. [SHUTTERSTOCK/AFRICASTUDIO]

Die Adipositasrate in der EU könnte nach Ansicht des rumänischen Europaabgeordneten Tudor Ciuhodaru zu einem ernsten Problem werden, wenn jetzt keine Maßnahmen zur Förderung der Gesundheitserziehung ergriffen werden.

Der sozialdemokratische EU-Abgeordnete und Arzt forderte die EU-Kommission kürzlich auf, eine Gesetzesinitiative zur Einführung von Gesundheitserziehung als Pflichtfach an europäischen Schulen zu entwickeln und einen Entwurf für ein künftiges EU-Gesetz zu diesem Thema zu erstellen.

Ein Anfang des Monats veröffentlichter Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat gezeigt, dass Adipositas jedes Jahr 1,2 Millionen Todesfälle in Europa verursacht. Kein einziges EU-Land ist auf dem Weg, die Adipositasrate bis 2025 zu senken.

Gesundheitsexperten sind der Ansicht, dass Armut und mangelnde Erziehung zu den Ursachen eines unangemessenen Essverhaltens gehören, das zu einem erhöhten Risiko für Stoffwechsel- und Herzkrankheiten führt.

„Nur wenige stellen infrage, dass dies oft darauf zurückzuführen ist, dass sie sich die Kosten für eine hochwertige Ernährung auf der Grundlage einer Beratung durch einen Ernährungsberater nicht leisten können“, so der EU-Abgeordnete Ciuhodaru gegenüber EURACTIV.

Seiner Meinung nach hat das Fehlen von Konzepten für einen gesunden Lebensstil und richtige Essgewohnheiten zu einem alarmierenden Anstieg der Zahl der übergewichtigen und adipösen Menschen geführt.

Andere Politiker:innen halten angesichts des alarmierenden Anstiegs der Zahl adipöser Menschen in Europa dringende Maßnahmen für wichtiger denn je, insbesondere nachdem die Pandemie die Gesundheitsversorgung lahmgelegt hat.

Auf Nachfrage von EURACTIV bestätigte ein Kommissionssprecher jedoch, dass die EU-Exekutive nicht plane, das Weißbuch „Ernährung, Übergewicht, Adipositas: Eine Strategie für Europa“ aus dem Jahr 2007 zu aktualisieren. Das Weißbuch ist ein wichtiger Beitrag zur Adipositas-Politik der EU.

Die Kommission verfolgt den Ansatz, Adipositas nicht mit einer einzigen spezifischen Plattform zu bekämpfen, sondern mittels verschiedener Maßnahmen. Dazu gehören die „Farm to Fork“-Strategie, die die Umstellung auf gesunde Ernährung erleichtern soll, und der „Europe Beating Cancer“-Plan, der auch Maßnahmen zur Förderung eines gesünderen Lebensstils umfasst.

Für die Quelle der Kommission ist die Förderung eines ‚Gesundheit-in-allen-Politiken‘-Ansatzes für einen nachhaltigen Erfolg in diesem übergreifenden Feld sehr wichtig.

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Gesundheitliche Aufklärung in der Schule

Durch die Corona-Pandemie ist das Problem Fettleibigkeit noch akuter geworden, da Patient:innen mit Adipositas stärker von den Komplikationen der Krankheit betroffen sind. Viele Betroffene stoßen auch auf Schwierigkeiten beim Zugang zu Behandlungen für Fettleibigkeit.

Nach Ansicht von Expert:innen tragen Armut und mangelnde Bildung – neben genetischen, biologischen, kulturellen und verhaltensbedingten Ursachen – zur Fettleibigkeit und all ihren metabolischen, kardiovaskulären, neuropsychologischen und osteoartikulären Komplikationen bei.

„Das Problem ist im Grunde der begrenzte Zugang zu hochwertigen Lebensmitteln, die durch ungeeignete Lebensmittel ersetzt werden, die allgemein als ‚weiße Produkte‘ bezeichnet werden: Brot, Reis, Zucker, Nudeln oder der beliebte rumänische Snack: Speck mit Zwiebeln, Margarine oder saure Sahne auf Brot“, so Ciuhodaru.

Nach Angaben der WHO leiden 60 Prozent der Erwachsenen in Europa an Fettleibigkeit, und ein Drittel der Kinder ist ebenfalls fettleibig. In manchen Ländern Europas ist sogar damit zu rechnen, dass die Fettleibigkeit in den nächsten Jahrzehnten den Tabakkonsum als führenden Risikofaktor für vermeidbare Krebserkrankungen ablösen wird.

Wenn die Fettleibigkeit erst einmal eingesetzt hat, schließt sich der Teufelskreis eines ungesunden Lebensstils mit dem Auftreten psychologischer und sozialer Veränderungen bis hin zu schweren Depressionen.

„Deshalb glauben wir, dass die gesundheitliche Aufklärung in den Schulen dieses Phänomen eindämmen kann, indem sie lehrt, wie man sich richtig ernährt und einen gesunden Lebensstil pflegt“, schloss Ciuhodaru.

1,2 Millionen Todesfälle in Europa jährlich wegen Fettleibigkeit

Aus einem neuen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht hervor, dass Übergewicht jährlich zu 1,2 Millionen Todesfällen in Europa führt. Keines der EU-Länder ist auf einem guten Weg, den Anstieg der Adipositas bis 2025 zu stoppen.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna und Alice Taylor]

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