70 Prozent Erstgeimpfte: EU erreicht Ziel; Warnungen bleiben aber

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen: "Die Delta-Variante ist sehr gefährlich. Ich appelliere deshalb an alle, die die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen." [EPA-EFE/STEPHANIE LECOCQ]

Die EU-Kommission hat am gestrigen Dienstag (27. Juli) mitgeteilt, sie habe ihr erstes Impfziel erreicht: 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung haben zumindest eine Impfstoffdosis erhalten. Angesichts der lediglich 57 Prozent, die vollständig geimpft sind, ist Europa laut der Weltgesundheitsorganisation jedoch noch „weit davon entfernt, in Sachen Pandemie über den Berg zu sein“.

Die EU gehöre mit ihren Fortschritten in Sachen Impfung „zur weltweiten Spitzengruppe“, zeigte sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Erklärung zufrieden. Der Block habe inzwischen das selbstgesteckte Ziel erreicht, dass „bis zum Sommer“ 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zumindest eine erste Dosis ihrer Impfungen erhalten haben sollten.  

Nach einem holprigen Start mit Liefer-, Produktions- und Verteilungsproblemen hat die EU-Impfkampagne in den vergangenen Wochen tatsächlich deutlich an Fahrt aufgenommen. Anfang Juli hatten die Mitgliedsstaaten genug Impfstoffdosen erhalten, um 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung vollständig zu impfen.

Eine EU-Sprecherin erklärte gegenüber EURACTIV.com, die Kommission nehme nun das nächste Ziel ins Visier: 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sollen schnellstmöglich beide Impfungen erhalten.

Beide Dosen zu haben, ist allerdings auch wichtiger denn je, da die hochansteckende Delta-Variante nun die Mehrheit der Fälle in der EU ausmacht, warnte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) in einer Erklärung vom 14. Juli bereits.

Corona-Impfungen kommen langsam in Gang

Mehr Impfstoff und die Einbeziehung der Hausärzte machen Hoffnung. Nach schleppendem Start wird in Deutschland mehr geimpft.

Es ist zu erwarten, dass sich die Delta-Variante in den kommenden Wochen und Monaten zum weltweit dominanten Coronavirus-Stamm entwickelt. Sie ist bereits jetzt in praktisch allen europäischen Ländern nachgewiesen worden. Zwischen dem 28. Juni und dem 11. Juli war die Variante in 19 europäischen Ländern dominant und machte im Durchschnitt 68,3 Prozent der Fälle aus.

Von der Leyen kommentierte dazu: „Die Delta-Variante ist sehr gefährlich. Ich appelliere deshalb an alle, die die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen; für die eigene Gesundheit und zum Schutz anderer.“

In den vergangenen vier Wochen sind die Fallzahlen in der EU wieder deutlich gestiegen, was den WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Henri P. Kluge, zu der Aussage veranlasste: „In Bezug auf das Ende der Pandemie sind wir noch lange nicht über den Berg“. Kluge sagte weiter, die „enormen Anstrengungen“ der Staaten in Bezug  auf die Impfungen hätten nicht verhindern können, dass zahlreiche ungeimpfte Menschen weiterhin in Krankenhäusern landen. Zeitgleich steige die Zahl der Delta-Fälle immer weiter.

„Die gute Nachricht ist, dass die Daten eindeutig zeigen, dass der Erhalt einer vollständigen Impfserie das Risiko einer schweren Erkrankung oder gar des Todes deutlich reduziert. Wenn sie an der Reihe sind, sollten sich die Menschen daher dringend impfen lassen,“ fügte er hinzu.

Andrea Ammon, Direktorin des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), sagte ebenfalls, der beste Weg, die Verbreitung des Virus zu unterbinden, bestehe darin, „eine vollständige Impfung zu erhalten, sobald sich die Gelegenheit ergibt“. Ebenso solle man weiterhin „körperlichen Abstand halten, sich die Hände waschen, überfüllte Räume meiden und eine Maske tragen, wenn dies nötig ist.“

The Capitals: Niedrige Impfrate und Massentourismus als Risikofaktoren in Bulgarien

Heute u.a. mit dabei: Niedrige Impfraten plus Delta-Variante plus Tourismus in Bulgarien. Außerdem: Regierungsneubildung in Schweden, „realistische Ziele“ in Mali und neue Anklagen in der Slowakei.

Inzwischen dürften derweil Impfskepsis und gesundheitliche Bedenken die vormaligen Lieferprobleme als wichtigste Hemmnisse für die Impfaktionen in der EU überholt haben.

In Belgien haben beispielsweise fast 50 Prozent der ungeimpften Bürger:innen nicht vor, sich jemals impfen zu lassen, so eine am Montag (26. Juli) veröffentlichte Studie der Forscherorganisation iCense. Die Teilnehmenden begründeten ihre Entscheidung mit der Angst vor Nebenwirkungen und dem Misstrauen gegenüber Politik und Medien.

Ein Kommissionssprecher erklärte dazu, die EU setze nun auf eine Stärkung des Vertrauens in die Impfstoffe und unterstütze entsprechend die Mitgliedsstaaten mit Informations- und Kommunikationskampagnen.

Aus diesem Grund bereise EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides aktuell auch diverse Staaten und biete vor Ort politische Unterstützung an. So solle sichergestellt werden, dass auch die nächsten EU-Impfziele erreicht werden können.

[Bearbeitet von Josie Le Blond]

EU übertrifft USA bei Erstimpfungen gegen Corona

In der Europäischen Union sind jetzt prozentual mehr Menschen mindestens einfach gegen das Coronavirus geimpft, als in den USA. EU-Industriekommissar Thierry Breton und Frankreichs Europastaatssekretär Clément Beaune teilten am Samstag entsprechende Statistiken des Daten-Portals im Online-Dienst Twitter.

Was tun gegen die zu geringe Impfbereitschaft?

Eine Dosis Unsicherheit: Impfen ist der Weg aus der Pandemie – aber viele zögern. Die Zurückhaltung von Ärzten und Pflegern verwundert. Wie können die Zweifel beseitigt werden?

Slowakische Journalistin nach Kritik an falscher Impf-Berichterstattung gefeuert

Journalist:innen haben intern Kritik an einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Senders RTVS geäußert, der den Tod einer Frau fälschlicherweise mit einer COVID-Impfung in Verbindung gebracht hatte. Laut Reporter ohne Grenzen kam es danach zu „Bestrafungen“; eine Journalistin verlor ihre Anstellung.

Subscribe to our newsletters

Subscribe