Pandemie rückt Telemedizin und Datenzugriff in den Mittelpunkt

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

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Telemedizin und der Zugang zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsdaten haben während der Pandemie deutlich an Bedeutung gewonnen, meint Mário Romão von Intel. [Shutterstock]

Die bisherigen und zukünftigen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie sollten Anlass sein, das Thema Digital Health verstärkt anzugehen, schreibt Mário Romão.

Mário Romão ist Global Director for Digital Health Policy bei der Intel Corporation.

Was für dramatische Unterschiede sich doch in einigen wenigen Monaten einstellen können: Zu Beginn des Jahres 2020 war es kaum vorstellbar, dass sich eine weltweite Gesundheits- und Wirtschaftskrise so schnell entwickeln und einen dramatischen globalen Schock auslösen würde.

Die lang anhaltenden Auswirkungen der COVID-19-Pandemie haben bereits begonnen, die Gesellschaft zu verändern – und werden dies auch in den kommenden Jahren tun. Die Widerstandsfähigkeit der Gesundheitssysteme wird wie nie zuvor auf die Probe gestellt, und in vielen Ländern sind die Gesundheitssysteme an den Rand des Zusammenbruchs gekommen. Da sich die Pandemie weltweit in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Zyklen ausbreitet, ist das Thema Digital Health entscheidend in den Vordergrund gerückt.

Digital Health Digital Health bezieht sich auf Werkzeuge und Dienste, die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) nutzen, um Prävention, Diagnose, Behandlung, Überwachung und Management von Gesundheit und Lebensstil zu verbessern. Von elektronischen Gesundheitsakten bis zur Telemedizin, von Künstlicher Intelligenz für klinische Diagnose und Forschung bis hin zu tragbaren Sensoren…: dieses digitale Gesundheitsmanagement umfasst eine Vielzahl von Anwendungen und wächst ständig mit immer neuen technologischen und wissenschaftlichen Fortschritten.

Regierungen auf der ganzen Welt, und insbesondere in Europa, betrachten Digital Health jetzt mit einem neuerlichen Gefühl der Dringlichkeit. Telemedizin und der Zugang zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsdaten haben während der Pandemie deutlich an Bedeutung gewonnen und stellen eine wahrlich wichtige Säule für Patientinnen und Patienten sowie für das Gesundheitspersonal dar.

Telemedizin

Anfang 2020 war im Gesundheitswesen im Allgemeinen nicht geplant, den Einsatz von Telemedizin wesentlich zu erhöhen. Die Technologie steht seit Jahren zum Einsatz bereit, aber ihre breite Einführung kam bisher nur langsam voran. Grund dafür sind regulatorische Barrieren und der Widerstand gegen eine Änderung lang etablierter Ansätze in der Gesundheitsversorgung.

Doch dann kam COVID-19. Als die Belastung der Krankenhäuser zunahm, zögerten die Patientinnen und Patienten aus Angst vor einer Ansteckung ihre Arztbesuche hinaus. Mit Hilfe der Telemedizin konnten Gesundheitsdienstleister dennoch virtuell mit den Betroffenen in Kontakt treten, die Überlastung des Personals vor Ort begrenzen und auch das Risiko einer weiteren Verbreitung des Virus verringern.

Während der Krise ist der weltweite Einsatz der Telemedizin sprunghaft angestiegen. In Frankreich nahm die Nutzung telemedizinischer Dienste um 40 Prozent zu, während Belgien damit begann, mehrere telemedizinische klinische Verfahren zu erstatten. In Deutschland veröffentlichte der sogenannte Health Innovation Hub eine Liste vertrauenswürdiger telemedizinischer Dienste, was zu einem erheblichen Anstieg des Interesses von Ärztinnen und Ärzten an der Nutzung der Telemedizin führte.

Derweil ist die Telemedizin in den Vereinigten Staaten am schnellsten expandiert. Eine kürzlich von McKinsey durchgeführte Analyse ergab, dass 46 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher heute die Telemedizin als Ersatz für abgesagte Arztbesuche nutzen (im Vergleich zu elf Prozent im Jahr 2019), während die Gesundheitsdienstleister 50 bis 175 Mal so viele Patientinnen und Patienten über Telemedizin betreuen wie früher.

Trotz dieser eindeutigen Vorteile sind viele der regulatorischen Änderungen, die die Ausweitung der Telemedizin ausgelöst haben, vorübergehend und vorerst wohl auf die Dauer der Pandemie begrenzt. Ohne dauerhafte Änderungen der regulatorischen Hindernisse könnten viele der heute noch hochgeschätzten telemedizinischen Anwendungen morgen bedeutungslos sein.

Wir können es uns nicht leisten, zu früheren Grenzen der Telemedizin zurückzukehren. Dies wäre ein bedeutender Rückschlag für die Gesundheitsversorgung und würde sowohl bei den Beschäftigten im Gesundheitswesen als auch bei den Patientinnen und Patienten Besorgnis auslösen. Wir müssen diese Einschränkungen der Telemedizin dauerhaft aufheben, um bessere Ergebnisse in der Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

Zugriff auf Gesundheitsdaten

Im Zuge der weltweit grassierenden Coronavirus-Pandemie ist der zunehmende Zugang zu Gesundheitsdaten noch notwendiger und wichtiger geworden.

Der Zugang zu Gesundheitsdaten kann die Wirksamkeit von Technologien, die zur Bekämpfung des Virus eingesetzt werden, erhöhen, indem Anzeichen und Symptome identifiziert, die Ausbreitung verfolgt und die Verfügbarkeit von Krankenhausressourcen überwacht werden. Die Pandemie hat gezeigt, dass wir den Wert von Gesundheitsdaten maximieren müssen – selbstverständlich, ohne die Privatsphäre der Patientinnen und Patienten zu beeinträchtigen.

Als die ersten Coronavirus-Fälle in Europa entdeckt wurden, veröffentlichte die Europäische Kommission eine europäische Datenstrategie, mit der die Realisierung eines Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS) den „Austausch und die breite Nutzung“ verschiedener Arten von Gesundheitsdaten (elektronische Gesundheitsdatensätze, Genomik, Register usw.) in Europa fördern soll. Auf diese Weise würde die Bereitstellung von Primärversorgung sowie die Entwicklung neuer Behandlungen, Medikamente, medizinischer Geräte und Dienstleistungen unterstützt.

Während sich die Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission mit den Interessengruppen über die am besten geeigneten Verwaltungsprinzipien und die technologische und organisatorische Infrastruktur für das EHDS beraten, muss vor allem den Patientinnen und Patienten besser verständlich gemacht werden, wie, wann und warum ihre Daten verwendet werden.

Bei den Diskussionen darüber, wie das beste Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Rechte des Einzelnen und der Förderung des EHDS erreicht werden kann, gibt es drei Maßnahmen, die weiterverfolgt werden sollten:

  • Über die Zustimmung als Grund für die nicht-interventionelle sekundäre Nutzung von Gesundheitsdaten (z. B. öffentliches Interesse, Forschung) hinausgehen.
  • Gesundheitsdaten mit einer Mischung aus De-Identifizierung (Pseudonymisierung, Anonymisierung, Aggregation), Verarbeitungskontrollen (z. B. Vereinbarungen zur Datennutzung, Referenzmethoden) und Sicherungsverfahren, beispielsweise interne Ethikkommissionen, schützen.
  • Technische Lösungen zum Schutz der Patientendaten durch datenschutzfreundliche Technologien (z.B. föderiertes Lernen, vertrauenswürdige Ausführungsumgebungen, homomorphe Verschlüsselung) stärken.

Europa hat die Chance, die richtigen politischen Schritte zu unternehmen, um den Zugang zu Gesundheitsdaten zu verbessern und der Telemedizin und der Künstlichen Intelligenz im Gesundheitswesen zum Durchbruch zu verhelfen. Auch wenn niemand weiß, wie oder wann die Pandemie enden wird, ist es unerlässlich, dass Europa die digitale Gesundheit weiter vorantreibt, um das allgemeine Wohlbefinden und Leben zu verbessern.

In dem Bestreben, Digital Health zu fördern und die Auswirkungen der Pandemie abzuschwächen, hat Intel 50 Millionen US-Dollar im Rahmen einer Technologieinitiative zur Pandemiebekämpfung zur Verfügung gestellt, um den Zugang zu Technologie am Ort der Patientenversorgung zu beschleunigen, die wissenschaftliche Forschung zu forcieren und den Zugang zum Online-Lernen für Studierende sicherzustellen. Diese Bemühungen sind global und bauen in Europa auf dem umfassenden Engagement auf, das Intel im Laufe der Jahre entwickelt hat.

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