Zweite Corona-Welle hat Europa erreicht: 12 Länder mit sehr hohem Risiko

Der neue Bericht hebt hervor, dass diese Woche die Zahl der europäischen Länder mit einem hohen Pandemie-Risiko (EPG-Index über 100) mit Daten vom 22. September auf zwölf angestiegen ist. [EPA-EFE/MARISCAL]

Wissenschaftler sehen die zunehmende Verbreitung des Coronavirus in Europa als „besorgniserregend“ an. Zwölf Länder verzeichnen mit einem Wert von über 100 auf dem spanischen EPG-Index bereits ein sehr hohes Corona-Risiko. Dies bestätigt, dass sich die zweite Welle der COVID-19 Pandemie wieder rasant über den Kontinent ausbreitet.

Davor warnen die Wissenschaftler in einem Bericht, der von spanischen Forschungszentren* erstellt und diese Woche an die Europäische Kommission übermittelt wurde.

Der Bericht bekräftigt erneut, dass die zweite Corona-Welle ihre volle Wirkung in Europa entfaltet hat, mit einem „besorgniserregenden Anstieg der Fälle: 35.000 Neuinfektionen pro Tag“.

In einem früheren Bericht, der Anfang September veröffentlicht wurde, sagten dieselben Forscher voraus, dass die gegenwärtige Situation der Epidemie eintreten werde. Dass Spanien wieder trauriger Vorreiter der Pandemie in Europa sein werde, prognostizierten die Forscher damals auch.

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Der neue Bericht hebt hervor, dass diese Woche die Zahl der europäischen Länder mit einem hohen Pandemie-Risiko (EPG-Index über 100) mit Daten vom 22. September auf zwölf angestiegen ist: Tschechische Republik (296); Luxemburg (278); Zypern (240); Frankreich (234); Spanien (227); Niederlande (156); Ungarn (153); Malta (138); Österreich (121); Belgien (121); Dänemark (114) und Rumänien (102).

Der sogenannte EPG ist der Index, der die möglichen neuen diagnostizierbaren Fälle in den nächsten 14 Tagen vorhersagt. Er wird berechnet, indem die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus (Rt) mit der kumulativen Inzidenz der positiven Fälle der letzten 14 Tagen multipliziert wird.

Der Index reicht von 0 bis 100. Dabei gilt, dass weniger als 30 ein geringes Risiko eines Wiederauflebens von Infektionsherden bedeutet; zwischen 30 und 70 gleicht einem mäßigen Risiko und zwischen 70 und 100 mäßig-hoch. Ein Wert von mehr als 100 wird als ein sehr hohes Pandemie-Risiko angesehen.

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Den Wissenschaftlern zufolge kann die Situation jedoch nicht mit der vom März und April verglichen werden, „als die meisten diagnostizierten Fälle schwerwiegend und sehr schwerwiegend verlaufen sind“. Wenn „die Inzidenz [jedoch weiter in so einem Tempo] zunimmt, werden wir einen erneuten Zusammenbruch der Krankenhauskapazitäten erleben, [ein Szenario,] dem sich der Großraum Madrid nähert“, heißt es in dem Bericht weiter.

Der Bericht weist ferner darauf hin, dass diese zweite Welle „mit geeigneten Maßnahmen gestoppt oder unterbunden werden kann“, wie Italien oder der Großraum Barcelona zeigen.

Die Ausbreitung des Virus „ist schnell, und seine Eindämmung ist langsam und kostspielig“, räumten die Wissenschaftler ein.

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Die kumulative Inzidenz pro 100.000 Einwohner in den letzten 14 Tagen ist in den europäischen Ländern um etwa 75 Prozent angestiegen. Sie beträgt nun 197 in Frankreich, 196 in der Tschechischen Republik, 108 in Ungarn, 110 in den Niederlanden, 92 in Rumänien und 113 in Belgien. In Spanien liegt dieser Wert bei 243 liegt, eine Zahl, die sich alleine in der Gemeinschaft Madrid verdreifacht hat (633,4).

In ihrem Bericht warnen die Spezialisten auch davor, dass es unglücklicherweise auch eine Zunahme von „Diskursen gibt, die die Existenz der Pandemie und des Virus selbst leugnen“, ein Thema, das die Wissenschaftler sehr beunruhigt.

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[Bearbeitet von Miriam Burgués und Britta Weppner]

 

*Spanische Forschungszentren: Instituto de Investigación Germans Trias i Pujol (IGTP) de Badalona und Grupo de Biología Computacional y Sistemas Complejos (BIOCOMSC) der Universität Politécnica de Cataluña (UPC).

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