Wirtschafts- und Sozialausschuss: EU-Datensystem für mehr Sicherheit?

In Deutschland bereits Routine: Notaufnahmen sammeln Informationen über Unfallopfer. Ein EU-weites Datensystem soll Leben sicherer machen. Foto: dpa

In Brüssel debattieren Vertreter von EU, Wirtschaft und Verbraucherschutz über strengere Sicherheitsrichtlinien für Produkte. Ein neues Datensystem soll dabei europaweit Erkenntnisse über die Ursachen von Verletzungen liefern. Profitieren sollen Produzenten und Konsumenten – und gleichzeitig sollen Kosten eingespart werden.

In Europas Krankenhäusern werden jährlich sechs Millionen Menschen verletzungsbedingt behandelt. Weitere 34 Millionen lassen ihre Verletzungen ambulant versorgen, wie EU-Statistiken belegen.

Die Verletzungsursachen sind nicht mehr die gleichen wie früher. Im vergangenen Jahrhundert nahm die Sicherheit am Arbeitsplatz und im Verkehr stetig zu, Unfälle wurden seltener. Anders jedoch zu Hause oder während der Freizeit: Die Zahl der erlittenen Verletzungen stagniert hier seit einem Jahrzehnt, ältere Menschen verletzten sich tendenziell sogar häufiger als früher. Heute ereignen sich 73 Prozent der Unfälle mit Verletzungsfolge in der Freizeit.

Die EU schätzt, dass die verletzungsbedingten Behandlungskosten in den Notaufnahmen in der gesamten Union mit 150 Euro pro Bürger zu Buche schlagen. Insgesamt werden damit jedes Jahr nicht weniger als 78 Milliarden Euro für Behandlung und Rehabilitation von Patienten mit Verletzungen ausgegeben. Erfahrungen aus Ländern wie Großbritannien, Schweden, den Niederlanden und Österreich belegen außerdem, dass gezielte Präventionsmaßnahmen die Zahl der Unfälle um 20 bis 30 Prozent verringern können – die dadurch eingesparten Gesundheitskosten entsprechen einer "Kapitalrendite" von 300 bis 1.000 Prozent.

Ein System für die ganze EU

Nun geht es darum, die Sicherheit europaweit zu erhöhen. Repräsentanten der EU – darunter auch der neue Gesundheitskommissar Tonio Borg – treffen sich heute am diesjährigen European Consumer Day mit Vertretern aus Wirtschaft und Verbraucherschutz. Ein wichtiger Agendapunkt der vom Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (WSA) organisierten Konferenz ist die Präsentation des "Joint Call for a pan-European accident and injury data system".

Zwar kennt die EU längst einheitliche Richtlinien bei der Produktesicherheit, die einzelnen Mitgliedsstaaten setzen diese jedoch nicht auf gleiche Weise um. Ziel des neuen Systems ist es, EU-weit Daten auf genau festgelegte Art und Weise zu erheben, um neue Erkenntnisse über für die Verbesserungsmöglichkeiten bei der Produktsicherheit zu gewinnen.

Erhoben werden die Daten idealerweise direkt vor Ort, in den Notaufnahmen der Krankenhäuser, wie dies bereits heute in zwölf EU-Staaten geschieht. Die EU geht davon aus, dass die Kosten einer flächendeckenden Erhebung von fünf Cent pro Bürger vergleichsweise vernachlässigbar sind.

Von der breiten Verfügbarkeit der Daten sollen am Ende die Bürger selbst profitieren. Ihr Risikobewusstsein soll gestärkt und die Lebensumwelt durch bessere Sicherheitsvorkehrungen weniger gefährlich werden. Auch für Produzenten entstehen Vorteile: Einheitliche Zulassungsbestimmungen für Produkte sollen für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen.

Patrick Timmann

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de:

Verbraucher zwischen Zeichen, Siegeln und Skandalen (8. März 2013)

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren