Ungarische Medien wollen Zugang zu COVID-Stationen

Der Mangel an Informationen trage zur weiteren Ausbreitung des Virus bei und verschlimmere die Pandemie. [EPA-EFE/Liam McBurney]

Die ungarische Regierung muss Journalistinnen und Journalisten Zugang zu COVID-19-Stationen in Krankenhäusern sowie zu Impfstellen gewähren, forderten 28 unabhängige Medien am Mittwoch in einem offenen Brief. Ebenso müsse es Angestellten im Gesundheitswesen erlaubt und ermöglicht werden, ihre Meinung über die Bedingungen in Krankenhäusern frei in der Öffentlichkeit zu äußern.

„Während die lebensbedrohlichen Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie am besten innerhalb der Krankenhäusern zu sehen und zu beschreiben sind, steht es Ärzten und Pflegepersonal nach den derzeitigen Regeln nicht frei, darüber in der Öffentlichkeit zu sprechen – während Presseleute keinen Zutritt zu Krankenhäusern haben,“ schreiben die Redaktionen in dem an die politische Führung des Landes gerichteten Brief.

Die Journalistinnen und Journalisten betonen weiter die schwerwiegenden Folgen dieses Informationsmangels und warnen, dieser führe dazu, dass „viele Menschen die Gefahren der Epidemie immer noch herunterspielen und die Schutzmaßnahmen nicht einhalten.“ Dies trage zur weiteren Ausbreitung des Virus bei und verschlimmere die Pandemie.

In Reaktion auf den Brief und die geteilte Kritik des deutschen MEP Daniel Freund erklärte Zolltán Kovács, Ungarns Staatssekretär für internationale Kommunikation: „Krankenhäuser sind dazu da, das Leben von Menschen zu retten, und nicht, damit Kamerateams die hart arbeitenden Fachleute im ungarischen Gesundheitswesen stören.“

Kovács ging ansonsten nicht weiter auf die vorgebrachte Kritik ein, verwies stattdessen auf das seiner Ansicht nach gut laufende Impfprogramm und kritisierte per Facebook vermeintlich linke Medien, die angeblich „Fake News“ verbreiten und das ungarische Gesundheitssystem diskreditieren wollten. 

[Bearbeitet von Tim Steins]

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