Unternehmen, die mit Fischen oder Meeresfrüchten aus besonders nachhaltiger Zucht handeln, können sich nun auch beim TÜV Nord für das ASC-Logo bewerben. Mit dem Zertifikat des Aquaculture Stewardship Council sollen handfeste Wettbewerbsvorteile auf dem immer weiter wachsenden Aquakulturmarkt einhergehen.
Betriebe, die mit Fischen und Meeresfrüchten aus besonders nachhaltigen Aquakulturen handeln, können ihre Produkte in Zukunft auch bei der TÜV-NORD CERT GmbH mit dem begehrten ASC-Siegel auszeichnen lassen. Mit dem Zertifikat des Aquaculture Stewardship Council (ASC) sollen Produkte gekennzeichnet werden, die nicht nur aus ökologisch nachhaltiger Zucht stammen, sondern bei denen auch auf Tierschutz und faire Arbeitsbedingungen geachtet wird.
Die unabhängige internationale Non-Profit-Organisation ASC wurde 2010 vom WWF und der niederländischen IDH (The Sustainable Trade Initiative) gegründet und hat internationale Zuchtstandards für die Vergabe ihres Zertifikats erarbeitet.
Die Zertifizierung wird nicht vom ASC selber, sondern von akkreditierten unabhängigen Drittparteien vorgenommen. Neben der TÜV-NORD CERT GmbH sind in Deutschland folgende Unternehmen befugt, ASC-Zertifizierungen durchzuführen: AGRIZIERT Zertifizierungsgesellschaft GmbH, die ARS Probata GmbH und die q.inspecta GmbH. Eine Liste von weiteren akkreditierten Partnern ist hier einzusehen.
Zertifizieren lassen können sich Unternehmen aus allen Zweigen der Fischbranche wie Importeure, Verarbeiter, Zulieferer, Groß- und Einzelhändler, Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung, Restaurants sowie Fischfarmverbände.
Das ASC-Logo ist das Schwestersiegel des etwas älteren MSC-Logos, mit dem ökologisch nachhaltige Fischprodukte aus Wildfang gekennzeichnet werden können. Der Marine Stewardship Council (MSC) wurde bereits 1997 vom WWF und dem Unilever-Konzern ins Leben gerufen und sein Logo gilt als eines der bekanntesten Ökosiegel für Seefische.
Das ASC-Siegel ist erst seit Februar 2013 in Deutschland auf dem Markt. Für die tropischen Süßwasserfische Pangasius und Tilapia wurden zuerst verbindliche Standards festgelegt. Beide Fischsorten hatten sich in den letzten Jahren steigender Beliebtheit erfreut, deren massive Züchtung in Ostasien führte aber auch zu beträchtlichen ökologischen Schäden. Für Forellen, Lachse, diverse Muscheln und Seeohr liegen mittlerweile ebenfalls ASC-Standards vor. Weitere sind in Planung.
Die jeweiligen Kriterien für jede einzelne Fischart werden in einem aufwendigen Konsultationsverfahren unter Einbeziehung verschiedener Interessenvertreter und unabhängiger Experten erstellt. "Mit der Erarbeitung der Kriterien für eine verantwortungsbewusste Zucht von Pangasius waren rund 600 Menschen mit unterschiedlichem beruflichem Hintergrund über drei Jahre befasst", sagte Chris Ninnes, CEO des Aquaculture Stewardship Council im Februar 2013 auf dem Fischwirtschaftsgipfel in Hamburg.
Wettbewerbsvorteile durch das ASC-Logo
Das ASC-Logo soll neben verlässlichen Informationen für Kunden auch handfeste Wettbewerbsvorteile mit sich bringen, da es den Zugang zu einer stetig ansteigenden Zahl umweltbewusster Konsumenten eröffne. Aquakulturen gelten als der am schnellsten wachsende Lebensmittelsektor mit jährlichen Wachstumsquoten von circa neun Prozent seit 1970.
Laut der Food and Agriculture Organisation of the United Nations (FAO) stammte 2011 bereits über ein Drittel der Speisefische und Meeresfrüchte aus Aquakulturen. Die Fischfarmen stellen eine Möglichkeit dar, der Überfischung der Weltmeere und Binnengewässer entgegenzuwirken und neue Nahrungsmittelquellen zu erschließen.
Neben ökologischen Vorteilen ist der Ertrag aus den Fischfarmen auch weniger Schwankungen unterworfen als beim Wildfang und daher besser zu prognostizieren. Supermärkte können Fisch und Meeresfrüchte aus Aquakulturen so besser in ihr Angebot integrieren.
Kosten
Die Höhe der Kosten für das Tragen des ASC-Logos richtet sich nach Art des Unternehmens und dem erwarteten Umsatz. Die jährliche Festgebühr beträgt entweder 250, 1.000 oder 2.000 Dollar und muss von allen Betrieben der Lieferkette aufgebracht werden, die mit ASC-zertifizierten Produkten handeln. Das Unternehmen der Lieferkette, bei dem das Logo seinen Ursprung hat, muss zusätzlich eine Gebühr in Höhe von 0,5 Prozent des Umsatzes entrichten. Hier eine genauere Aufstellung der Kosten. Der Aquaculture Stewarship Council nutzt die Einnahmen hauptsächlich zur Deckung seiner Verwaltungskosten.
Ablauf des Audits zur Zertifizierung
Akkreditierte Mitarbeiter einer vom ASC zugelassenen Prüfstelle suchen das Unternehmen auf und prüfen die gesamte Dokumentation vom Wareneingang bis zum Warenausgang. Die Prüfer führen zudem Gespräche mit Mitarbeitern, um sich ein Bild darüber zu machen, wie mit dem Fisch umgegangen wird. Jedes Unternehmen, das sich für das ASC-Zertifikat bewirbt bestimmt einen ASC-Beauftragten, der für die Einhaltung der Standards zuständig ist. Nach erfolgreichem Audit händigt die Prüfstelle das Zertifikat aus, dass für drei Jahre gültig ist. Mit dem Zertifikat kann anschließend die Nutzung des Logos auf Produkten direkt beim ASC beantragt werden. Um die Chancen für ein erfolgreiches Audit zu erhöhen, kann auch ein Voraudit vereinbart werden, um Schwachstellen auszuloten.
Bisherige Probleme von Aquakulturen
Aquakulturen konnten ihre ökologischen Versprechungen in der Vergangenheit nur bedingt einhalten. Zur Züchtung eines Kilos fleischfressender Fische wie Lachse oder Forellen können bis zu vier Kilo Futter benötigt werden. Ein beträchtlicher Anteil dieser Futtermenge wird in Form von Fischmehl und Fischöl wiederum von wildlebenden Fischen gewonnen. Eine wirkliche Verbesserung der ökologischen Gesamtbilanz bringen daher nur pflanzenfressende Fische wie der Karpfen. Insbesondere die Fütterung mit genveränderter Soja stand jedoch häufig in der Kritik.
Bei marinen Aquakulturen kann es durch nicht verwertete Nahrung und Ausscheidung der gezüchteten Fische zu einer Überdüngung der natürlichen Gewässer kommen, außerdem sinkt die Lebensqualität der oft massenhaft gehaltenen Tiere drastisch und die Krankheitsanfälligkeit steigt. Der daraus resultierende verstärkte Einsatz von Antibiotika stellt das ökologische Gleichgewicht von Gewässern auf eine zusätzliche Probe. Problematisch erwiesen sich auch Massenausbrüche von Zuchtfischen und eine Vermischung mit der indigenen Meerespopulation.
Allgemeine ASC-Kriterien
Die ASC-Standards für nachhaltige Aquakulturen umfassen neben den ökologischen- und Tierschutzkriterien auch soziale Aspekte. Die Kriterien für die einzelnen Sorten von Zuchtfisch sind individuell angepasst.
– Erhaltung der natürlichen Umgebung und Biodiversität
– Aufrechterhaltung der Artenvielfalt von Wildfischen. Es soll zum Beispiel darauf geachtet werden, dass Zuchtfische nicht ausbrechen und wildlebende Spezies gefährden.
– Die Wasserqualität in den Gebieten, wo sich aquamarine Fischfarmen befinden, muss sichergestellt sein.
– Fischfutter darf nicht aus überfischten Wildbeständen gewonnen werden.
– Genverändertes Futter muss deklariert werden.
– Nachweis einer geringen Sterberate der Zuchtfische
– Der Einsatz von Antibiotika darf nur unter medizinischer Überwachung und nur bei erkrankten Tieren durchgeführt werden.
– Bei der Vergabe des ASC-Logos wird darauf geachtet, dass keine Kinderarbeit, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sichergestellt sind und grundlegende arbeitsrechtliche Voraussetzungen wie z.B. Versammlungsfreiheit existieren.
ASC-Logo als Kompromisslösung
Der WWF Deutschland beschreibt das ASC Logo als eine Kompromisslösung, die aus Verhandlungen mit vielen verschiedenen Interessengruppen gefunden wurde. Das ASC-Label werde deshalb kein "Premium"-Label wie beispielsweise die Naturland für Zuchtfische werden. Die Tierschutzorganisation setzt sich insbesondere für die Entwicklung alternativer Futtermittel und einen kompletten Verzicht von GVOs (genetisch veränderten Organismen) bei der Fischfütterung ein.
Kritisiert wurde zudem, dass der ASC den Einsatz von gentechnisch verändertem Soja sowie Fischmehl und –öl als Futtermittel nicht grundsätzlich verbietet. Der WWF Deutschland weist jedoch darauf hin, dass es kaum möglich wäre, alle Zuchtfische von heute auf morgen auf vegetarische Kost umzustellen. Auch die Zertifizierung von Fischfarmen in Ländern mit laschen Umwelt- und fehlenden globalen Nachhaltigkeitsstandards wurde von Umweltschützern moniert.
ak
Links
TÜV NORD CERT GmbH: Ein Plus für verantwortungsvolle Aquakultur
FAO: World Review of Fisheries and Aguaculture 2012
ASC: Costs for using the ASC Logo
Accreditation Services International: Akkreditierte Partner für ASC-Zertifizierungen
Hochschule Osnabrück: Übersicht zu ASC und MSC
