Transfette – die unnötige, gefährliche Lebensmittelzutat

Lebensmittel wie Pommes frites enthalten oft zu hohe Werte an Acrylamid. [Evan Lorne/Shutterstock]

Kekse, Chips, Fertiggerichte: Obwohl Transfette in industriellen Lebensmitteln das Risiko für Herzkrankheiten, Unfruchtbarkeit und Diabetes erhöhen, enthalten viele Produkte in Deutschland hohe Anteile. Verbraucherschützer fordern eine EU-weite Obergrenze.

Süß, fettig, gesundheitsgefährdend: Vor allem Backwaren und Snacks wie Kekse, Chips, Pommes, Donuts und Popcorn sind nicht nur für die Figur bedenklich. Die darin enthaltenen industriell hergestellten Fette, Transfettsäuren genannt, erhöhen auch das Krankheitsrisiko. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhöht kein anderer Nährstoff je Kalorie das Risiko für Herzkrankheiten so sehr wie Transfette. Zudem würden durch diese Fette Unfruchtbarkeit, Alzheimer und Diabetes gefördert.

Diabetes: Experten fordern nationale Strategie gegen Wohlstands-Epidemie

Acht Millionen Kranke und mehr als eine Viertel Million neue Patienten jedes Jahr: Diabetes wächst sich in Deutschland zu einem immer bedrohlicheren Leiden aus. Experten bemängeln den nachlässigen Umgang des Landes mit der Wohstandskrankheit und fordern die Schaffung eines nationalen Diabetesplans, um eine weitere Ausbreitung der „Epidemie“ zu verhindern. 

Schon seit Jahren fordern darum Verbraucherschützer und Gesundheitsexperten, eine EU-Obergrenze für industrielle Transfette einzuführen, die vor allem durch das Härten pflanzlicher Öle entstehen. Doch noch immer sind Produkte mit Transfetten belastet, zeigt eine Abfrage der Verbraucherorganisation foodwatch von Prüfergebnissen deutscher Behörden.

Demnach ist Deutschland weiterhin Nation der gefährlichen Fette. Fettgebäcke aus Hefe enthalten hier im Durchschnitt mehr als zehn Prozent Transfettsäuren im Fettanteil.  Während jedoch Dänemark, Österreich, Lettland und Ungarn bereits Obergrenzen beschlossen haben, gelten in anderen EU-Staaten, darunter Deutschland, nur Höchstgrenzen auf freiwilliger Basis. Dabei zeigen die Maßnahmen klar positive Ergebnisse. In Dänemark, wo der Grenzwert für industrielle Transfette bei nur zwei Prozent liegt, sind Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweislich zurückgegangen.

Industrielle Transfette in Backwaren ließen sich problemlos minimieren

Dieser Grenzwert müsse auch für die Bundesrepublik gelten, fordert foodwatch. Die Verbraucherschützer kritisieren, dass sich industrielle Transfette in Backwaren problemlos minimieren ließen, die gefährlichen Fette aber offenbar noch immer von vielen Lebensmittelherstellern verwendet werden. „Solange es keine verbindlichen Grenzwerte gibt, haben die Behörden in diesen Fällen keine Handhabe“, moniert Oliver Huizinga von Foodwatch.

Dänemark: 70 Prozent weniger Tote durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Zwischen 1985 und 2009 ist die Zahl der durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachten Todesfälle in Dänemark um 70 Prozent zurückgegangen. Das ist ein stärkerer Rückgang als in jedem anderen EU-Mitgliedsstaat. Ursache könnte ein seit 2003 bestehendes Verbot von Transfettsäuren sein. EURACTIV Brüssel berichtet.

Die EU-Kommission, das Europaparlament, und auch große Lebensmittelkonzerne wie Mars und Nestlé, haben sich für EU-weite Höchstwerte für industrielle Transfettsäuren ausgesprochen. Deutschland aber weigere sich, mitzuziehen, warnt Huizinga. „Bundesernährungsminister Christian Schmidt darf dem Gesundheitsschutz in Europa nicht länger im Weg stehen.“

Das Europaparlament hatte vergangenen Oktober EU-weite Obergrenzen für Transfettsäuren gefordert. Weil nur ein Drittel der Verbraucher um die gesundheitlichen Risiken wisse, genüge die bloße Kennzeichnungspflicht nicht, begründeten die Abgeordneten den Schritt in ihrer Entschließung damals.

Acht Millionen Menschen in Deutschland nehmen zu viele Transfettsäure auf

Foodwatch hatte beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Messdaten aus den Jahren 2014-2017 abgefragt. „Fettgebäcke aus Hefe“ enthielten im Durchschnitt mehr als zehn Prozent Transfettsäuren im Fettanteil, in manchen Fällen sogar mehr als 30 Prozent. Die getesteten Produkte zeigen zwar immerhin, dass zumindest die großen Bäckerei- und Fastfoodketten inzwischen reagieren. Backwaren von Großbäckereien und von Fastketten enthaltrn häufig unter zwei Prozent Transfette.

Fettleibigkeit: Weltweit mehr übergewichtige als unterernährte Menschen

Immer mehr Menschen weltweit sind übergewichtig, zeigt eine Studie. Nehme die Weltbevölkerung weiterhin alle zehn Jahre um 1,5 Kilogramm an Gewicht zu, drohe Adipositas ein enormes globales Gesundheitsrisiko zu werden.

Dennoch sehen Kritiker keinen Grund für Entwarnung. Obgleich auch nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) die Höhe der derzeitigen Aufnahme von Transfetten unbedenklich sei, nehmen rund acht Millionen Menschen in Deutschland über Lebensmittel mehr Transfettsäuren auf als von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen.

Transfette ersetzen

Auch das EU-Parlament will sich nicht mit Beruhigungen abspeisen lassen. Da auch viele Fertiggerichte und billige Lebensmittel Transfette enthalten, würden den Parlamentariern zufolge vor allem Verbraucher mit geringem Einkommen dem Risiko besonders ausgesetzt. Es gehe hier nicht darum, den Menschen den Genuss von Pommes oder Popcorn zu verbieten, kommentierte die SPD-Abgeordnete Susanne Melior ihre Forderung nach strengen Grenzwerten. „Vielmehr sollten Transfette ersetzt werden.“

Das Europäische Parlament, die Europäische Verbraucherschutzorganisation BEUC, das European Heart Network und die Lebensmittelkonzerne Mondelez, Kellogg’s, Mars und Nestlé haben sich für EU-weit verbindliche gesetzliche Grenzwerte in Lebensmitteln nach dem Vorbild Dänemarks ausgesprochen. Auch die EU-Kommission hat in einem Bericht deutlich gemacht, dass gesetzliche Grenzwerte der beste Weg sind, um die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen.

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EU-Kommission empfiehlt Regulierung von Transfetten

Manche EU-Länder haben schon Höchstwerte definiert, doch ein EU-weiter Beschluss fehlt. Un will die EU-Kommission den Anteil industrieller Transfette in Nahrungsmitteln rechtlich begrenzen, heißt es in einem Bericht der Institution. EURACTIV Brüssel berichtet.

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