Todesfälle durch resistente Bakterien

Animation resistenter Bakterien. [shutterstock/Katheryna Kon]

Mehr als 33.000 Menschen starben laut einer aktuellen Studie 2015 EU-weit an den Folgen von Infektionen mit antibiotika-resistenten Bakterien. Auch in Deutschland führen solche Resistenzen zu zahlreichen Todesfällen. Wissenschaftler warnen vor wachsenden Gefahren durch und mahnen Gegenmaßnahmen an. Die Fakten:

Welche Wirkung haben Antibiotika?

Antibiotika sollen Bakterien abtöten oder deren Wachstum hemmen und so Infektionen kurieren. Es gibt mehr als 15 verschiedene Klassen von Antibiotika, die sich in ihrer chemischen Struktur und in ihrer Wirksamkeit gegen verschiedene Bakterien unterscheiden. Behandelt werden damit bakterielle Infektionen, zum Beispiel eine durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung. Gegen Viren können Antibiotika nichts ausrichten.

Wie entsteht eine Antibiotikaresistenz?

Bakterien sind sehr anpassungsfähig und wahre Überlebenskünstler. Sie vermehren sich sehr schnell. Dabei können spontan Veränderungen im Erbgut auftreten, so dass die Erreger unempfindlich gegenüber bestimmten Antibiotika werden. Einige Bakterien tauschen außerdem ab und zu kleine Stücke ihres Erbgutes untereinander aus. Auch dies kann die Erreger widerstandsfähig gegen Antibiotika machen.

Koalitionsfrieden wichtiger als Rauchverbot

Fast 900.000 Österreicher unterschrieben das Don‘t-Smoke-Volksbegehren. Trotzdem bleibt Österreich eine Raucherinsel in Europa. Die FPÖ will es so.

Der übermäßige Einsatz von Antibiotika beim Menschen und in der Tiermast sowie eine unsachgemäße Einnahme der Medikamente, etwa durch falsche Dosierung oder einen vorzeitigen Abbruch der Therapie, fördern solche Resistenzbildungen. Zum Teil sind Bakterien auch von Natur aus immun gegen bestimmte Antibiotika.

Um welche Erreger geht es?

Laut Bundesgesundheitsministerium erkranken jährlich 400.000 bis 600.000 Patienten in Deutschland an Krankenhausinfektionen. Nur ein Teil davon geht auf antibiotikaresistente Erreger zurück. In den meisten Fällen handelt es sich um den Methillicin-resistenten Staphylococcus aureus – kurz MRSA. Dieser Bakterienstamm kann schwere bis tödliche Infektionen verursachen. Sogenannte Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) können gefährliche Darmkrankheiten auslösen.

In anderen Fällen geht es um resistente Enterobakterien, die zur normalen menschlichen Darmflora gehören, für Kranke und Schwache aber eine Gefahr sind. Schätzungen zufolge kommt es in Deutschland jährlich zu 30.000 bis 35.000 Krankenhausinfektionen mit multiresistenten Erregern (MRE). Fälle außerhalb von Kliniken, in Pflegeheimen oder auf Reisen erworbene Infektionen sind nicht eingerechnet.

Wie viele Todesfälle in Deutschland gibt es durch Antibiotika-Resistenzen?

Dazu gibt es keine genauen Daten. Grobe Schätzungen gehen für Deutschland allein von 1000 bis 4000 Todesfällen infolge von Infektionen mit multiresistenten Erregern aus, die im Krankenhaus erworben wurden.

Was macht die Keime so gefährlich?

Für gesunde Menschen ist etwa MRSA in der Regel ungefährlich. Für immungeschwächte Patienten auf Intensivstationen, Krebskranke, Chirurgie-Patienten, frühgeborene Babys oder Menschen mit chronischen Wunden hingegen können multiresistente Erreger lebensgefährlich werden und unter anderem Lungenentzündungen, Wund- und Harnwegsinfektionen oder Blutvergiftungen auslösen. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge haben Antibiotika-Resistenzen ein „gefährlich hohes Niveau in allen Teilen der Welt“ erreicht.

Pandemien: Europa ist gut vorbereitet, aber die Koordinierung hakt

Europa ist auf Pandemien besser vorbereitet als je zuvor. Doch es gibt weiterhin Raum für Verbesserungen.

Gibt es Behandlungsalternativen?

Versagen die üblichen Antibiotika, gibt es noch sogenannte Reserveantibiotika als letztes Mittel. Aber auch sie helfen nicht in allen Fällen. So sind beispielsweise Bakterien, die das Gen Mcr-1 in sich tragen, unempfindlich selbst gegen das wichtige Reserveantibiotikum Colistin, das auch in der Nutztierhaltung häufig verwendet wird.

Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigten, dass das mcr-1-Gen seit einigen Jahren auch in Keimen von Nutztieren und aus Lebensmitteln in Deutschland vorkommt.

Was wird in Deutschland gegen den Antibiotika-Missbrauch getan?

Bereits 2008 hat die Bundesregierung die sogenannte Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) auf den Weg gebracht. Ziel ist es, den Verbrauch von Antibiotika und die Resistenzen gegen die Medikamente sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin und Landwirtschaft stärker zu kontrollieren.

Weitere Informationen

EU-Debatte über Digitalisierung des Gesundheitssystems

In Wien geben sich dieser Tage die verschiedenen Ratsformationen die Klinke in die Hand.  Derzeit tagen Vertreter der Gesundheitsministerien. Es geht um eine umfassende Modernisierung des Systems.

Kommission billigt Gentherapie zur Leukämiebehandlung

Kymriah ist eine Gentherapie zur Behandlung von Leukämie. In den USA ist sie bereits seit einem Jahr im Einsatz, nun kommt sie auch auf den europäischen Markt.

Masernausbruch in Europa

Im ersten Halbjahr 2018 sind in Europa deutlich mehr Fälle von Masern gemeldet worden. Es habe mindestens 37 Todesfälle gegeben.

Subscribe to our newsletters

Subscribe