Ticketverkauf: Der Bahn droht Ungemach aus Brüssel

Die Konkurrenten der Deutschen Bahn haben es schwer, ihre Fahrkarten in den Bahnhöfen zu verkaufen. © Hans Baulig / PIXELIO

Nach dem Bundeskartellamt wird sich auch das EU-Parlament mit dem Gebaren der Deutschen Bahn gegenüber Wettbewerbern beim Ticketverkauf beschäftigen. „Die Deutsche Bahn benimmt sich, als gehörten ihr die Bahnhöfe“, schallt es aus Brüssel.

Die Abgeordneten wollen im Februar eine Richtlinie auf den Weg bringen, die Mitgliedsstaaten zum Aufbau eines gemeinsamen Ticketsystems für alle Bahnunternehmen verpflichten soll. Bisherige Marktführer – wie die Bahn in Deutschland – sollen damit die Oberhoheit über den Fahrkartenverkauf verlieren.

Das EU-Parlament will im Rahmen des vierten Eisenbahnpakets die bisherige Regelung verschärfen. Darin ist lediglich davon die Rede, dass andere Bahnanbietern "geeignete Örtlichkeiten" für den Fahrscheinverkauf zur Verfügung gestellt werden müssen. "Die Deutsche Bahn benimmt sich, als gehörten ihr die Bahnhöfe, Schalter und Ticketsysteme – dabei haben die Steuerzahler und die Fahrgäste all das bezahlt", sagte der EU-Abgeordnete Michael Cramer von den Grünen. "Es muss Schluss sein mit der Benachteiligung der anderen Unternehmen."

Das Bundeskartellamt leitete am Donnerstag ein Verfahren gegen die Bahn ein wegen des Vorwurfs, dass das Staatsunternehmen Wettbewerber beim Verkauf von Fahrkarten behindert. Konkurrenten hatten sich beim Bundeskartellamt beschwert, dass sie ihre Fahrkarten nicht in Bahnhöfen verkaufen könnten. "Seit Jahren müssen die privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen feststellen, dass ihnen der Vertrieb ihrer Fahrkarten unnötig erschwert wird", sagt Wolfgang Meyer, Präsident von mofair, dem Verband der wettbewerblichen Verkehrsunternehmen auf Schiene und Straße. "Es beginnt damit, dass auf den Bahnhöfen Fahrkarten anderer Verkehrsunternehmen nicht verkauft werden dürfen, obwohl es Reisezentren gibt. Diese sind allein der Deutschen Bahn vorbehalten", so Meyer. Die Verkaufsstellen anderer Anbieter seien schlechter zugänglich. Dadurch sei das Angebot für die Kunden unübersichtlich. "Die Fahrgäste wollen eine bestimmte Strecke fahren und interessieren sich nicht dafür, welches Eisenbahnunternehmen gerade welche Teilstrecke befährt", kritisiert der mofair-Präsident.

Auch in anderen EU-Ländern beklagen kleinere Unternehmen die Marktmacht ehemaliger Staatskonzerne im Eisenbahnverkehr. Der neuen EU-Richtlinie müssen nach dem EU-Parlament auch die Mitgliedsstaaten zustimmen.

EURACTIV/rtr/pat

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