Spanien wegen Corona-Krise fast vollständig unter Quarantäne

Die Regierung in Madrid erklärte einen 14-tägigen Notstand und stellte das Land fast vollständig unter Quarantäne. Bürger dürfen das Haus nur noch verlassen, um zur Arbeit zu gehen oder um lebensnotwendige Besorgungen zu machen. [EPA-EFE/Julian Perez]

Cafés und Geschäfte geschlossen, Grenzen abgeriegelt, Reisen verboten: Die Corona-Pandemie hat Europa mit voller Wucht erreicht. Nach Italien kommt nun auch in Frankreich und Spanien das öffentliche Leben in weiten Teilen zum Erliegen. Die Regierung in Madrid verfügte am Samstag Ausgangssperren, in Frankreich müssen die meisten Geschäfte, Restaurants und Cafés schließen. Auch in Berlin wurden Clubs, Kinos oder Theater geschlossen, Besuche in Kliniken und Pflegeheimen sind fast vollständig untersagt.

Bis Samstagabend wurden nach Angaben der Johns Hopkins Universität in den USA weltweit über 150.000 Infektionsfälle gezählt. In Deutschland stieg die Zahl auf über 4000, hierzulande wurden bisher acht Todesfälle registriert.

Einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP zufolge gab es weltweit insgesamt mehr als 5700 Todesfälle in 137 Ländern. Während in China die Zahlen weiter rückläufig waren, stiegen die Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus in Italien auf über 21.000 mit mehr als 1400 Todesfällen. Nach Italien sind Spanien, Frankreich und Deutschland in Europa am stärksten betroffen.

Angesichts der rasanten Ausbreitung und nicht zuletzt wegen der mangelnden Reaktion der Bevölkerung auf die Aufrufe ihrer Regierungen, soziale Kontakte zu meiden und zu Hause zu bleiben, ergriffen mehr und mehr Regierungen rigorose Maßnahmen.

Spanien ging nach Italien am weitesten: Die Regierung in Madrid erklärte einen 14-tägigen Notstand und stellte das Land fast vollständig unter Quarantäne. Bürger dürfen das Haus nur noch verlassen, um zur Arbeit zu gehen oder um lebensnotwendige Besorgungen zu machen, wie Regierungschef Pedro Sánchez bekanntgab. Alle nicht notwendigen Geschäfte sowie Vergnügungsstätten werden geschlossen. Die Schließung der Schulen war bereits beschlossen.

Auch Frankreich schließt ab Sonntag alle Restaurants, Bars, Cafés, Diskotheken und Kinos. Auch die meisten Geschäfte werden dicht gemacht, Ausnahmen gibt es für Lebensmittelläden, Apotheken, Banken, Tankstellen und Kioske – wie zuvor schon in Österreich. Premierminister Edouard Philippe rief die Franzosen zu „mehr Disziplin“ angesichts der Ansteckungsgefahr auf. Die Kommunalwahl am Sonntag soll aber stattfinden.

Drastische Maßnahmen ergriff auch Berlin, nachdem dem Senat vorgeworfen worden war, zu wenig gegen das Virus zu tun. Mit sofortiger Wirkung verbot die Stadt am Samstag alle Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern. Clubs, Kneipen, Sport- und Kulturstätten wurden geschlossen. Ausnahmen gibt es für Restaurants, wenn ein Abstand von 1,50 Metern zwischen den Tischen eingehalten wird. Besuche bei Angehörigen in Kliniken und Pflegeheimen wurden drastisch eingeschränkt. Schulen und Kitas werden ohnehin – wie auch in anderen Bundesländern – ab nächster Woche geschlossen.

Mehr und mehr Länder in Europa schlossen zudem ihre Grenzen oder stellten den Flugverkehr ein. Tschechien verhängte einen ab Montag geltenden kompletten Reisebann. Dänemark schloss seine Grenzen am Samstagmittag, Polen will dies ab Sonntag tun. Österreich stellte den Bahnverkehr nach Italien ein und schloss seine Grenzen zum Nachbarland fast vollständig.

Norwegen kündigte die Schließung seiner Häfen und Flughäfen für Auslandsverbindungen ab Montag an. Litauen will Ausländer ab Sonntag nicht mehr einreisen lassen, auch die baltischen Nachbarstaaten Lettland und Estland schränkten die Bewegungsfreiheit ein. Russland kündigte an, seine Landgrenze mit Polen und Norwegen für Ausländer zu schließen. Marokko strich alle Flug- und Schiffsverbindungen mit rund 20 Ländern, darunter auch Deutschland.

Deutschland verschärfte die Kontrollen an der französischen Grenze. In Österreich wurde am Samstag ein dritter Ort unter Quarantäne gestellt. Bis zum 29. März darf Heiligenblut in Kärnten nahe der Grenze zu Italien nicht mehr betreten oder verlassen werden – Touristen dürfen aber abreisen. In der Schweiz kündigte derweil die Armee an, Krankenhäuser im ganzen Land mit einem Sanitätsbataillon zu unterstützen.

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