Spanien verteilt 640.000 Coronavirus-Schnelltests

Spanien hat bis zum Montag insgesamt 33.089 Corona-Fälle verzeichnet, von denen 2.335 (6,6 Prozent) gestorben und 3.555 (10 Prozent) wieder genesen sind. [EPA-EFE/Andreu Dalmau]

Spanien hat am Montag mit der Verteilung von Corona-Schnelltestsätzen begonnen, um die Diagnose in den am stärksten betroffenen und gefährdeten Bevölkerungsgruppen inmitten der steigenden Zahl der Coronavirus-Fälle im Land zu beschleunigen.

Die ersten Kits werden bei Mitarbeitern des Gesundheitswesens eingesetzt, die 11,8 Prozent aller COVID-19-Fälle in Spanien ausmachen, teilte der Gesundheitsminister Salvador Illa mit.

Auf einer Pressekonferenz sagte er, dass eine Charge von 8.000 Tests – Teil einer Bestellung  von über 640.000 – bereits in der Region Madrid, der am schlimmsten betroffenen Region Spaniens, verteilt worden sei. Weitere 50.000 Tests sollen am Dienstag in ganz Spanien verteilt werden.

Die spanische Regierung hat zusätzlich eine Million Coronavirus-Testkits bestellt, die im Laufe der Woche eintreffen sollten, fügte er hinzu.

Illa versprach, die Behörden würden sich insbesondere auf Pflegeheime für ältere Menschen konzentrieren, die ein früher Hotspot für das Coronavirus in Spanien waren und deren Bewohner besonders anfällig für die COVID-19 Erkrankung sind – fast 90 Prozent der Todesfälle in Spanien machen Menschen über 70 Jahre aus.

Ein Madrider Pflegeheim, das am Montag von Efe kontaktiert wurde, erklärte, dass es noch keine der Schnelltestsätze erhalten habe.

Spanien hat bis zum Montag insgesamt 33.089 Corona-Fälle verzeichnet, von denen 2.335 (6,6 Prozent) gestorben und 3.555 (zehn Prozent) wieder genesen sind – das heißt, es gibt laut Gesundheitsministerium etwa 27.000 aktive Fälle.

Innerhalb der letzten 24 Stunden starben etwa 425 Menschen an der Infektionskrankheit.

Der Prozentsatz der Menschen, die landesweit auf Intensivstationen behandelt werden müssen, ist jedoch von 15 auf 13 Prozent der Gesamtzahl der Fälle zurückgegangen, was in Spanien die vorsichtige Hoffnung geweckt hat, dass sich das Land dem Höhepunkt der Krise nähert.

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Illa sagte: „Wir beginnen eine schwierige Woche, in der wir auf harte Tage vorbereitet sein müssen. Wir werden den Höhepunkt der Pandemie erreichen, in der Hoffnung, dass wir innerhalb weniger Tage die Situation beurteilen und mit der Senkung der Zahlen beginnen können.“

Spanien habe in der Europäischen Union einige der schärfsten Maßnahmen gegen die Pandemie ergriffen, und die Regierung werde keine weiteren Beschränkungen einführen, solange sich die Bevölkerung weiterhin an die bereits geltenden strengen Regeln halte.

Einige Regionalpolitiker haben die spanische Regierung aufgefordert, die Maßnahmen weiter zu verschärfen und – ähnlich wie in Italien – alle bis auf die wesentlichen Versorgungsleistungen zu verbieten.

Doch die Wirtschaftsministerin Nadia Calvino wies dies zurück und sagte, dass unter anderem die Textilindustrie und die Landwirtschaft für das Funktionieren der spanischen Gesellschaft und Wirtschaft notwendig seien.

„Wenn sie über eine vollständige Stilllegung sprechen, müssen wir sie in einen Kontext stellen. Damit ein Krankenhaus weiterhin funktioniert, muss die chemische und pharmazeutische Industrie natürlich weiterarbeiten. Die Transportindustrie muss ihren Betrieb aufrechterhalten, damit die Krankenhausmitarbeiter zur Arbeit gehen können“, betonte sie auf der Pressekonferenz.

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Die Beschränkungen, die in Spanien mindestens bis zum 11. April gelten sollen, haben nach Angaben des Verkehrsministeriums die Zahl der Fahrten innerhalb und zwischen den Städten sowie der Langstreckenfahrten am Wochenende um 85 bis 90 Prozent reduziert.

Calvino erklärte, dass es entscheidend sei, Geschäftsschließungen und Arbeitsplatzverluste während der Ausgangssperre zu begrenzen, um der spanischen Wirtschaft die besten Chancen auf eine Erholung zu bieten, sobald die Gesundheitskrise abklingt.

„Es besteht vollkommene Übereinstimmung zwischen den sozialen Sektoren, dass die Priorität darin besteht, die Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer zu schützen, aber auch die Produktion und Beschäftigung zu sichern“, führte sie fort.

Spaniens stellvertretende Premierministerin Carmen Calvo wurde am Montag mit einer Atemwegsinfektion ins Krankenhaus eingeliefert. Die Regierung muss noch bestätigen, ob es sich um eine Infektion mit COVID-19 handelt oder nicht.

Die Gleichstellungsministerin des Landes, Irene Montero, bleibt angesichts einer positiven Coronavirus-Diagnose seit dem 12. März in Quarantäne. Die Mutter und Schwiegermutter von Premierminister Pedro Sanchez sind ebenfalls positiv auf das Virus getestet worden.

Mitarbeiter des Gesundheitswesens desinfizierten am Montag den Abgeordnetenkongress in Madrid, die untere Kammer des Parlaments – zwei Tage bevor die Abgeordneten einer Verlängerung des landesweiten Notstands zustimmen sollen. Damit würden die rund 47 Millionen EinwohnerInnen Spaniens zwei Wochen länger als bisher angenommen in Quarantäne bleiben müssen. 

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