Serbiens Präsident: EU-Impfpass mit Vorteil für westliche Stoffe wäre „skandalös“

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić während einer Pressekonferenz nach der Spende von 8.000 Dosen des Impfstoffs von Pfizer-Biontech von Serbien nach Nordmazedonien, am nordmazedonisch-serbischen Grenzübergang Tabanovce, 14. Februar 2021. [EPA-EFE/GEORGI LICOVSKI]

Eine denkbare Entscheidung der EU, Reisenden aus Drittstaaten nur dann die Einreise in die Union zu gestatten, wenn diese westliche Impfstoffe erhalten haben, wäre „skandalös“ und „unvernünftig“, warnte Serbiens Präsident Aleksandar Vučić.

Für sein Land und den heimischen Tourismussektor könnte dies hingegen vorteilhaft sein, da eine solche Regelung ein weiterer Anreiz für „chinesische, russische, türkische, afrikanische und lateinamerikanische Touristen“ wäre, Serbien zu besuchen, so Vučić trotzig.

Der Präsident echauffierte sich weiter: „Wie wollen sie denn die Einreise des ungarischen Ministerpräsidenten Orbán verbieten, der den Impfstoff aus China bekommen hat?“

Vučić warnte unter anderem, wenn er den chinesischen Impfstoff erhalten sollte „und sie mich nicht nach Brüssel [reisen] lassen, dann kann es dort auch keinen Dialog mit Pristina geben“.

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Er behauptete weiter, wenn Serbien keine Impfstoffe aus der EU erhalte, würde serbischen Bürgerinnen und Bürgern somit faktisch verboten, in die EU einzureisen. „Ich bin überzeugt, dass niemand in der EU wirklich die Absicht hat, eine solche Entscheidung zu treffen. Aber wenn es doch passieren sollte, werden wir sagen – danke, wir haben verstanden, welche Art von Politik Sie gegenüber Serbien fahren.“

Tatsächlich hat Serbien Dosen des amerikanisch-deutschen Impfstoffs von Pfizer/Biontech erhalten – wenngleich in recht geringen Mengen.

Serbiens Präsident kündigte derweil auch den Bau einer neuen Impfstofffabrik des chinesischen Herstellers Sinopharm im Land an, in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und China. Der russischen Impfstoff Sputnik V soll ebenfalls bald in Serbien hergestellt werden. Man habe das Ziel, „zwei oder drei Millionen“ Dosen pro Monat zu produzieren, so Vučić

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