Roaming-Gebühren ab dem 1. Juli deutlich billiger?

Ab 1. Juli werden die Kosten für die Nutzung von Mobiltelefonen, Smartphones und Tablet-PCs im europäischen Ausland deutlich sinken. Foto: Claudia Hautumm / pixelio.de

Das EU-Parlament hat den neuen EU-Roaming-Regeln zugestimmt. Pünktlich vor den Sommerferien werden damit nicht nur die Roaming-Gebühren für Anrufe und SMS billiger – auch die Kosten für Daten-Roaming sinken erheblich.

Ab 1. Juli werden die Kosten für die Nutzung von Mobiltelefonen, Smartphones und Tablet-PCs im europäischen Ausland deutlich sinken. Ein entsprechendes Abkommen mit den nationalen Regierungen wurde am Donnerstag vom EU-Parlament verabschiedet. Die neuen Regeln erlauben es Verbrauchern auch, Roaming-Dienste von anderen Anbietern als dem Anbieter im Heimatland zu nutzen. Gleichzeitig soll der Mobilfunkmarkt für neue Firmen geöffnet werden, um mehr Wettbewerb und weiter sinkende Preise zu erzielen.

"Indem wir die Preise für Daten-Roaming begrenzt haben, haben wir einen Markt für die Smartphone-Generation geschaffen. Wir haben der Abzocke ein Ende bereitet, die jeder kennengelernt hat, der bei Auslandsreisen sein Mobiltelefon benutzt hat. Ich freue mich, dass die Europäische Union Jahr für Jahr Geld zurück in die Taschen der Bürger geben kann", erklärte die für die Digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes.

Übersicht der neuen Tarife

Ab 1. Juli kostet das Herunterladen von einem Megabyte Daten nur noch höchstens 70 Cent. Anrufe innerhalb Europas werden nicht mehr als 29 Cent pro Minute kosten (heute: 35 Cent), 2013 dann noch 24 Cent und 2014 nur noch 19 Cent.

Der im Ausland angerufene Gesprächspartner wird in Zukunft auch weniger zur Kasse gebeten: Der Preis fällt ab Juli 2012 von heute 11 Cent auf 8 Cent, 2013 auf 7 Cent und 2014 auf 5 Cent. Für SMS dürfen ab Juli 2012 fürs Verschicken aus einem anderen EU-Land nur noch maximal 9 Cent, ab 2014 höchstens 6 Cent berechnet werden (alle Preise ohne Mehrwertsteuer).

Obergrenze für Endverbraucherpreise ohne MwSt

Derzeit

 1. Juli 2012 

1. Juli 2013

 1. Juli 2014

Daten (pro Megabyte) 

70 Cent

45 Cent

20 Cent

Eigene Anrufe (pro Minute) 

35 Cent

29 Cent

24 Cent

19 Cent

Angenommene Anrufe (pro Minute)

11 Cent

8 Cent

7 Cent

5 Cent

SMS (per SMS) 

11 Cent

9 Cent

8 Cent

6 Cent


Obergrenze für Preise zwischen Mobilfunkanbietern ohne MwSt

Derzeit

 1. Juli 2012 

1. Juli 2013

 1. Juli 2014

Daten (pro Megabyte) 

50 Cent 25 Cent 15 Cent 5 Cent

Eigene Anrufe (pro Minute) 

18 Cent

14 Cent 10 Cent

5 Cent

SMS (per SMS) 

4 Cent 3 Cent 2 Cent

2 Cent

Reaktionen


Bengt Beier
, der Koordinator einer Kampagne der Bürgerinitiative "Europeans for Fair Roaming" zeigte sich über das Ergebnis der Abstimmung erfreut: "Auch wenn die EU die Preise noch weiter hätte senken können, kann ich doch sagen dass wir 80 Prozent unserer Ziele erreicht haben. Die Preise für Roaming werden um mehr als die Hälfte sinken. Die Nutzer werden die Möglichkeit haben einen anderen Anbieter zu wählen wenn sie ins Ausland reisen. Der Verbraucherschutz wird verbessert. Aber wir rufen die EU auch auf, ihre Arbeit fortzusetzen und nun auch die Preise für alle Auslandsgespräche und für weltweites Roaming zu senken."

Der SPD-Europaabgeordnete Norbert Glante erklärte: "Im Zeitalter des europäischen Binnenmarktes ist Roaming genauso überholt wie Zölle oder Überweisungsgebühren im Zahlungsverkehr. Leider konnten wir uns mit der umgehenden Abschaffung dieser überkommenen Gebühren nicht durchsetzen. Nun haben wir die Europäische Kommission verpflichtet, spätestens 2016 für eine Abschaffung des Roamings zu sorgen, sofern sich die Roamingpreise den nationalen Gebühren bis dahin nicht angeglichen haben."
 
"Wir bringen jetzt mehr Wettbewerb in den Markt, um die bisherige Abzocke beim Roaming zu beenden. Besonders beim mobilen Datendownload sind die Tarife teilweise noch astronomisch hoch und sachlich überhaupt nicht gerechtfertigt", sagte die Berichterstatterin des Europaparlaments zur neuen Roaming-Verordnung, Angelika Niebler (CSU).
 
Auch kleinere Anbieter sollen künftig Zugang zu den Netzen haben (Open Access). Daneben soll es die Möglichkeit geben, vor Ort auf die Angebote lokaler Anbieter zurückgreifen zu können (Local Break-Out). "Für Sprachtelefonie oder Datenroaming soll es verschiedene Anbieter geben können. Mit diesen strukturellen Maßnahmen soll endlich mehr Wettbewerb in die Märkte kommen. Wir sorgen für mehr Transparenz und Konkurrenz und im Ergebnis für günstigere Preise im Mobilfunkmarkt", sagte die CSU-Europaabgeordnete.

dto

Links

Dokumente

EU-Parlament: Günstigere Roaming-Gebühren und Datentransfers für Mobilfunknutzer (10. Mai 2012)

EU-Parlament: Roaming – Questions and Answers (8. Mai 2012)

EU-Kommission: Digital Agenda: New price caps for mobile data roaming expected to save families over €200 each year and business travellers over €1000 (10. Mai 2012)

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Neue Roaming-Preise: Billiger Surfen und Telefonieren (29. März 2012)

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