Gefährliche Kindersachen, Textilien, Spielzeug oder Elektrogeräte – mehr als 2.000 Mal haben die Mitgliedsstaaten im vorigen Jahr wegen chemischer, Erdrosselungs- und Verletzungsrisiken Alarm geschlagen. Über die Hälfte der Warnungen bezogen sich auf Produkte aus China.
Kinderbekleidung, Feuerzeuge mit Unterhaltungseffekt, Lebensmittel-Imitationen und Kinderwagen zählen zu den Produkten, bei denen im vorigen Jahr wiederholt Sicherheitsmängel festgestellt wurden. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichte RAPEX-Jahresbericht 2012 hervor. RAPEX ist ein Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte, ausgenommen sind Lebensmittel.
Dem Bericht zufolge haben die Mitgliedsstaaten im vorigen Jahr insgesamt 2.278 Maßnahmen gegen gefährliche Produkte gemeldet. Das ist ein deutlicher Anstieg der Warnungen um mehr als ein Viertel im Vergelich zu 2011. 167 Warnungen kamen aus Deutschland, die mit Abstand meisten Warnungen (294 Meldungen) aus Ungarn.
Bekleidung und Spielzeug
Knapp 2.000 Meldungen entfielen auf die höchste Riskiostufe für Produkte, die ein "ernstes Gesundheits- und Sicherheitsrisiko für Verbraucher" darstellen. Nationale Behörden haben in diesen Fällen präventive oder restriktive Maßnahmen ergriffen, zum Beispiel durch ein Verkaufsverbot, Rücknahme von Produkten aus dem Markt oder durch Rückrufaktionen bei den Verbrauchern.
Gut ein Drittel aller RAPEX-Warnungen betraf Bekleidung, Textilien oder Modeartikel, fast ein Fünftel Spielzeug. Das häufigste Ursprungsland gefährlicher Produkte in der EU bleibt China mit 1.123 Meldungen. Damit stammen fast sechs von zehn gefährlichen Produkten von dort.
Doch auch vor deutschen Produkte wurde gewarnt: insgesamt 60 Mal.
Gründe für die drastische Zunahme
Mit dem RAPEX-Schnellwarnsystem hat sich die Kommission ein Instrument zugelegt, mit dem nationale Behörden vor gefährlichen Non-Food-Erzeugnissen warnen können. Seit der Einführung von RAPEX hat die Zahl der Einträge drastisch zugenommen – von 139 im Jahr 2003 auf 2.278 im Jahr 2012.
"Diese starke Zunahme ist nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass wirklich mehr gefährliche Produkte in den Regalen landen", meint Jens Butenandt, Geschäftsführer der TÜV SÜD Product Service GmbH. "Wir gehen vielmehr davon aus, dass die Aufsichts- und Marktüberwachungsbehörden in einzelnen EU-Staaten ihre Aktivitäten kontinuierlich ausgeweitet haben und RAPEX verstärkt zur Information der Verbraucher einsetzen."
"Chinesische Produkte nicht pauschal schlechtreden"
Butenandt warnt davor, chinesische Produkte pauschal schlechtzureden. "Aus unserer täglichen Prüfpraxis wissen wir, dass chinesische Hersteller auf einem sehr hohen Qualitätsniveau fertigen können", so der Produktprüfungsexperte. Zudem spiegle die Zahl aus dem RAPEX-Bericht auch wider, dass sich China innerhalb kürzester Zeit zum führenden Exporteur für Non-Food-Produkte entwickelt habe und dass in vielen Bereichen inzwischen chinesische Produkte in europäischen Regalen dominieren.
"Ein besonderes Problem bei chinesischen Produkten und bei Erzeugnissen aus anderen so genannten Billiglohnländern sind allerdings Veränderungen im laufenden Produktionsprozess", betont der TÜV SÜD-Geschäftsführer. "Dabei werden beispielsweise im Vergleich zum geprüften Baumuster hochwertige durch minderwertige Materialien ersetzt – mit entsprechenden Folgen für die Sicherheit." Dieses Problem könne nur durch eine unabhängige Drittprüfung und die kontinuierliche Kontrolle der gesamten Produktionskette gelöst werden. Es sei nicht nur sicherer, sondern auch kostengünstiger, wenn solche Produkte überhaupt nicht auf den Markt gelangten.
EURACTIV.de
Links
Dokumente
RAPEX: Jahresbericht 2012 über das Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte ausgenommen Lebensmittel (16. Mai 2013)
Kommission: Engere Zusammenarbeit auf EU-Ebene führt zu mehr Verbrauchersicherheit (16. Mai 2013)

