Pharmaindustrie: Unmöglich, Zeitpunkt für COVID-Impfstoff vorherzusagen

Nathalie Moll, Generaldirektorin des Europäischen Dachverbands der pharmazeutischen Industrie und deren Verbände (EFPIA). [Sarantis Michalopoulos]

Es sei unmöglich, den genauen Zeitrahmen vorherzusagen, bis tatsächlich ein Impfstoff gegen COVID-19 zur Verfügung stehen wird, so Nathalie Moll, Generaldirektorin des Europäischen Dachverbands der pharmazeutischen Industrie und deren Verbände (EFPIA).

„Wir verstehen und teilen die Hoffnung und den Wunsch aller nach einem schnellen Impfstoff, aber dies darf niemals auf Kosten der Sicherheit gehen,“ warnte Moll in einem Interview mit dem griechischen Fernsehsender Mega TV.

Die Diskussionen darüber, wann ein Impfstoff gegen COVID-19 verfügbar sein könnte, laufen derweil in ganz Europa heiß. Ein EU-Beamter äußerte erst in der vergangenen Woche die Hoffnung, dass ein erster Impfstoff bereits im November die Marktzulassung erhalten könnte.

Kommission hofft auf Zulassung für COVID-19-Impfstoff im November

Die Europäische Kommission hofft, dass der erste Impfstoff gegen COVID-19 im November die Marktzulassung erhält, sagte ein EU-Beamter. Ein Zeitplan für seine Verteilung ist jedoch noch unbekannt.

Die Pharmaindustrie dämpft diese Hoffnung nun aber. „Vieles ist von vielen Leuten gesagt worden. Ich weiß beispielsweise auch von Gerüchten, laut denen die Europäische Arzneimittelagentur erst im August kommenden Jahres über eine Marktzulassung sprechen wird,“ sagte Moll.

„Ich denke, wir müssen in dieser Hinsicht sichergehen, dass wir uns lediglich an tatsächliche Ankündigungen halten und nicht an Gerüchte. Und wir müssen sicherstellen, dass wir alle Sicherheits- und Wirksamkeitstests durchführen, die wir brauchen, um absolutes Vertrauen in den Impfstoff herzustellen.“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte in der vergangenen Woche ihrerseits mitgeteilt, man rechne nicht vor Mitte 2021 mit einer flächendeckenden Impfmöglichkeit gegen COVID-19.

Russland prescht vor

Weltweit befinden sich aktuell rund 140 potenzielle Impfstoffe in der Entwicklung, von denen 30 in die klinische Erprobungsphase eingetreten sind.

Russland war das erste Land weltweit, das einen COVID-19-Impfstoff für den lokalen Gebrauch angemeldet hat. Letzte Woche veröffentlichten russische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen neuen Bericht über den Impfstoff und erklärten, dass erste Tests Anzeichen einer Immunreaktion gezeigt hätten.

Auf den russischen Impfstoff angesprochen, antwortete Moll lediglich: „Ganz sicher würden unsere Unternehmen nur dann etwas auf den Markt bringen, wenn es von der Europäischen Arzneimittelagentur zugelassen wird, aber auch eine allgemeine und globale Akzeptanz hätte. Dies ist der Weg, den die Pharmaindustrie der EU gehen will.“

Deutscher Impfstoffkandidat zeigt erste vielversprechende Ergebnisse

Biontech-Forscher haben vorläufige Ergebnisse ihrer Impf-Studie veröffentlicht. Demnach bilden geimpfte Testpersonen Antikörper gegen Sars-Cov-2. 

Lehren ziehen

Moll sprach auch auf die Gesundheitssysteme der EU-Staaten für die Zeit nach der Pandemie an und betonte, die politischen Entscheidungsträger müssten die Lehren aus der Krise ziehen.

„COVID-19 hat die Verbindung zwischen Gesundheit und Wirtschaft aufgezeigt […] Ich glaube nicht, dass wir es uns jetzt leisten können, zu wenig in die Gesundheitssysteme zu investieren.“

Daher forderte sie abschließend: „Wir haben durch COVID einige Lektionen gelernt; wir haben etwas über Solidarität, Digitalisierung, Optimierung und Verschwendung gelernt. Können wir uns jetzt bitte um den Wiederaufbau von Gesundheitssystemen in Europa bemühen, die widerstandsfähig sind und den Patienten dienen?“

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

Coronavirus: Das Neueste aus Europa, den USA und dem Rest der Welt

Ein Überblick über unsere bisherige Coronavirus-Berichterstattung und aktuelle Nachrichten zum neuartigen COVID-19. Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

EU-Agentur unbesorgt über COVID-19-Mutationen

SARS-CoV-2 mutiert, aber diese Mutationen ändern die Hauptmerkmale des Virus nicht wesentlich, beschwichtigt die EU-Agentur für die Kontrolle von Infektionskrankheiten.

Studie zu potenziellem Coronavirus-Impfstoff aus Oxford: sicher und effektiv

Eine vorläufige Studie zur Untersuchung der Sicherheit und Wirksamkeit eines Impfstoffs gegen COVID-19 hat ergeben, dass dieser Stoff „sicher“ sei und bei Testpersonen eine „signifikante“ Immunreaktion auslöse.

Melden Sie sich für "The Capitals" an

Vielen Dank für das Abonnieren des The Capitals Newsletters!
  • Mit EURACTIV immer auf dem Laufenden!

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN