Noch immer viele Schadstoffe in Spielzeug und Buntstiften

Blei in Kinderspielzeug ist nicht kontrovers, nur hochgefährlich. [Foto: Foto: Rainer Sturm / pixelio.de]

Noch immer stecken in vielen Spielzeugen und Buntstiften allergieauslösendes Nickel und giftige Weichmacher. Auch bei Kennzeichnung und Hygiene von Nahrungsmitteln bestehen laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) „erhebliche Defizite“. Lebensmittelkontrolleure fordern deshalb mehr Prüfer.

Rund ein Viertel aller Metallspielzeuge setzt das Kontaktallergen Nickel frei, jeder fünfte Buntstift enthält giftige Weichmacher. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nach Auswertung der Produkt-Kontrollen im vergangenen Jahr. Heute wurden auf einer Pressekonferenz in Berlin die entsprechenden Zahlen vorgestellt.

168 Proben von verschiedenen Metallspielzeugen analysierten Produkt-Kontrolleure von Bund und Ländern 2012. Dabei wurde bei 24 Prozent der untersuchten Spielzeuge eine Freisetzung von Nickel festgestellt, die über dem zulässigen Grenzwert liegt. Bei Metall- und Modellbaukästen überschritten sogar 87 Prozent der untersuchten Proben den Grenzwert. Nickel ist für etwa zehn Prozent aller Kinder ein Allergen, das bei Körperkontakt allergische und gesundheitsgefährdende Reaktionen hervorruft.

Neben Nickel in Metallspielzeugen sind auch giftige Weichmacher ein Problem. Die Kontrollen zeigen, dass etwa jedes zehnte Holzspielzeug und jeder fünfte Buntstift Konzentrationen an giftigen Weichmachern enthalten, die über dem zulässigen Grenzwert liegen. Gerade weil Kinder oft Spielzeuge und Stifte in den Mund stecken warnt das BVL vor einer Unterschätzung des Risikos.

Nahrungsergänzungen oft verunreinigt

Auch Lebensmittel standen im Fokus der BVL-Untersuchung. Von den etwas mehr als 1,2 Millionen registrierten Nahrungsmittelbetrieben in Deutschland wurden knapp 530.000 kontrolliert, wobei der Schwerpunkt bei bereits im letzten Jahr bemängelten Unternehmen lag. Am häufigsten beanstandeten die Behörden hygienische Mängel, aber auch die Kennzeichnung der Produkte offenbarte "erhebliche Defizite", erklärte Helmut Tschiersky, Präsident des BVL.

Dennoch konnte insgesamt ein leichter Rückgang bei den Beanstandungen von Lebensmitteln gemeldet werden. Lag die sogenannte Beanstandungsquote 2008 noch bei 13,6 Prozent, wiesen 2012 nur noch 12,3 Prozent aller kontrollierten Lebensmittel Mängel auf.

Das größte Risiko, verunreinigte oder falsch deklarierte Lebensmittel zu konsumieren, gehen Sportler ein. Etwa 20 Prozent der analysierten Nahrungsergänzungsmittel wiesen Mängel auf. Das ist der höchste Wert im Vergleich aller Lebensmittelgruppen. Dabei handelt es sich vor allem um übers Internet völlig legal erhältliche Pillen, Pülverchen und Vitaminpräparate mit angeblicher Wunderwirkung. Unbedenklich ist hingegen der Genuss von Obst und Gemüse. In dieser Gruppe wurden nur 6 Prozent der untersuchten Proben beanstandet.

Berufsverband fordert mehr Kontrolleure

Für Wirbel sorgte zuvor Martin Müller, Präsident des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sprach er von einer Unterbesetzung an Lebensmittelkontrolleuren: "Nach unseren Berechnungen fehlen um die 1500 Prüfer."

Viola Neuß vom hessischen Umweltministerium hat kein Verständnis für die Kritik Müllers: "Es kommt auf die Qualität der Kontrollen an, nicht auf die Quantität." Neuß wies zusätzlich darauf hin, dass auch Bürger die Möglichkeit hätten, auf den Internetseiten der Landesämter auf Qualitätsmängel hinzuweisen und sich auf der Seite Lebensmittelwarnung.de über aktuelle Warnungen zu informieren.

Patrick Stief

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