Nitrat: Gesundheitsrisiko in Deutschlands Grundwasser

Offenes Güllesilo: Gerade in landwirtschaftlich stark bewirtschafteten Regionen ist der Nitratwert sehr hoch.

Die Nitratwerte im Grundwasser sind in Deutschland vielerorts zu hoch. Umweltministerin Barbara Hendricks fordert darum „verschärfte Düngeregeln“.

Deutschlands Grundwasser ist an vielen Stellen weiterhin stark mit Nitrat belastet. Zuletzt sei an 28 Prozent der Messstellen eine Konzentration über dem Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter festgestellt worden, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Nitratbericht von Bundesumwelt- und Bundeslandwirtschaftsministerium. Damit habe sich der Grundwasserzustand „nicht wesentlich verbessert“, erklärte das Umweltministerium. Ressortchefin Barbara Hendricks (SPD) verlangte schärfere Düngevorschriften.

Nitrat hilft Pflanzen beim Wachsen und wird häufig zur Düngung benutzt Überhöhte Mengen führen allerdings zu starken Wasserverunreinigungen und beeinträchtigen die biologische Vielfalt in Gewässern. Eine Nitratkonzentration über 50 Milligramm pro Liter kann laut EU-Kommission erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen haben, insbesondere bei Schwangeren und Kleinkindern.

Insgesamt gebe es „keine Entwarnung“ bei der Gewässerbelastung, resümierte das Umweltministerium die aktuelle Ausgabe des Nitratberichts, der alle vier Jahre erstellt und der EU-Kommission übermittelt wird. Im jüngsten Messzeitraum von 2012 bis 2014 gab es neben den Problemen beim Grundwasser demnach auch an der Nord- und der Ostseeküste „kaum Anzeichen für eine Verbesserung“. Dort führe die Belastung mit Nitrat und dem ebenfalls zur Düngung benutzten Phosphor zu übermäßigem Algenwachstum.

Nitrat-Belastung: Wasserversorger fordern Nachbesserung bei Düngeverordnung

Die kommunalen Versorger sehen „deutlichen“ Nachholbedarf bei der Novelle der Düngeverordnung. Der aktuelle Entwurf der Bundesregierung reiche nicht aus, um die Trinkwasserqualität zu bewahren. Am Ende müssten vor allem die Verbraucher teuer bezahlen.

Positives verzeichnet der Bericht allerdings bei Flüssen und Seen. Hier wurde der Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter demnach flächendeckend unterschritten. Die Nitrateinträge seien leicht zurückgegangen.

Insgesamt bleibe die Gewässerqualität beeinträchtigt, resümierte das Umweltministerium. „Die intensivierte Landwirtschaft kommt uns immer wieder teuer zu stehen“, erklärte Hendricks. „Im Sinne des Gemeinwohls müssen wir hier stärker als bisher gegensteuern.“

Der Deutsche Bauernverband erklärte, der Bericht zeige keinen generellen Trend zur Verschlechterung. An einem Drittel der Messstellen habe die Nitratbelastung abgenommen, die Anzahl der Messstellen mit zunehmendem Trend falle deutlich geringer aus. Dies zeige die Anstrengungen der Landwirte, sparsam und effizient mit den eingesetzten Düngemitteln umzugehen. In Regionen mit Überschreitungen setze sich die Landwirtschaft gemeinsam mit der Wasserwirtschaft für Verbesserungen ein.

Hendricks verwies auf die neue Düngeverordnung, die das Kabinett im Oktober verabschiedet hatte. Die parlamentarische Beratung darüber müsse „zügig finalisiert“ werden. Die neuen Regeln sollten möglichst noch im ersten Quartal 2017 verabschiedet werden, forderte sie.

Die Nitratbelastung im Wasser hat Deutschland bereits Ärger mit der EU-Kommission eingebracht. Anfang November verklagte sie die Bundesrepublik vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Mit der sogenannten Feststellungsklage verlangt sie, den Verstoß Deutschlands gegen die EU-Nitratrichtlinie von 1991 zu bestätigen.

Der Nitratbericht im Internet

EU verklagt Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte

Wegen zu hohen Nitratgehalts in deutschen Gewässern hat die EU-Kommission Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt.

 

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