Die neue EU-Alkoholstrategie wird auf strengere Vorschriften bei Werbung und Warnhinweisen setzen. Das kündigte Despina Spanou, Hauptberaterin in der Generaldirektion Gesundheit, gegenüber EURACTIV an. Die Industrie solle aber noch eine Chance bekommen, per Selbstverpflichtung verstärkt zu agieren.
Die EU-Kommission will bis 2013 die bisherige EU-Alkoholstrategie überarbeiten. Auf die Industrie könnten dann schärfere Vorschriften zu Warnhinweisen und Kennzeichnungspflichten bei alkoholischen Getränken kommen.
Entscheidend für diese Erwägung sei, ob die Alkoholindustrie sich bei den Themen Werbung und Warnhinweisen selbst regulieren kann, sagte Despina Spanou, Hauptberaterin in der Generaldirektion Gesundheit der EU-Kommission, im Gespräch mit EURACTIV. Selbstregulierung könnte ein Mittel sein, doch das müsse richtig umgesetzt werden, so Spanou.
Im September solle ein Bericht vorliegen, der die seit 2006 geltende EU-Strategie zur Verringerung alkoholbedingter Schäden evaluiert. Ebenfalls für September ist zudem unter der Ratspräsidentschaft Zyperns eine Konferenz geplant, bei der die EU-Alkoholstrategie diskutiert werden soll.
Selbstverpflichtung der Industrie
Die Alkoholindustrie ist bei der Umsetzung der derzeitigen Strategie bereits eingebunden. Bei Stakeholder-Foren formuliert die Industrie Selbstverpflichtungen, die von der Kommission abgesegnet werden müssen. Spanou sagte, dass dieses System zu guten Ergebnisse geführt habe, dass gesellschaftliche Akteure aber vor allem bei den Themen Werbung und Kennzeichnung striktere Reglen einforderten.
"Die Alkoholindustrie soll die Möglichkeit haben zu zeigen, dass Selbstregulierung Ergebnisse hervorbringen kann. Wir müssen aber auch nachweisen, dass das funktionieren kann", sagte Spanou. Kommissionspräsident José Manuel Barroso habe persönlich bereits deutlich gemacht, dass er für striktere Regeln bei der Kennzeichnung von Gesundheitsrisiken sei.
Keine "Trinken tötet"-Hinweise
"Wir wollen keine ‚Trinken tötet‘-Hinweise, aber wir setzen auf mehr Warnungen vor gesundheitlichen Risiken. Das kann bei besonders gefährdeten Gruppen (u.a. bei Schwangeren oder Jugendlichen) schnell wirken. Deshalb haben wir die Industrie gebeten, Schritte in diese Richtung zu unternehmen", sagte Spanou.
Nationale Ebene stärker einbinden
Derzeit trifft sich mehrmals jährlich ein Kommitee nationaler Experten der Mitgliedsstaaten, um die gemeinsamen Probleme zu diskutieren. Künftig solle die Einbindung der nationalen Ebene gestärkt werden. "Wir wollen das auf eine höhere politische Ebene bringen. Da wir sehen, dass es nationale Aktionsprogramme gibt, wollen wir Wege identifizieren, wie wir die Mitgliedsstaaten dabei unterstützen können, mehr zu tun und auch die Zahl der aktiven Mitgliedsstaaten zu erhöhen", so Spanou.
Maßnahmen gegen Komasaufen
Zu den nationalen Maßnahmen gehören auch die umstrittenen Vorhaben in Schottland und Großbritannien, einen Mindestpreis auf alkoholische Getränke festzulegen, um das Komasaufen einzudämmen.
Die Festlegung von Preisen und Steuern ist Sache der Mitgliedsstaaten, doch "unsere Sorge ist, dass diese Maßnahmen allein nicht ausreichen, um die alkoholbedingten Probleme zu lösen. Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz", so Spanou.
EURACTIV/mka
Links
EURACTIV.com: Health chief: We have never wanted ‚drinking kills‘ labels (18. April 2012)
Kommission: Website zur EU-Strategie zur Verringerung alkoholbedingter Schäden
Kommission: Website der Generaldirektion Gesundheit zum Thema Alkohol
Kommission: An EU strategy to support Member States in reducing alcohol related harm (24. Oktober 2006)
