Neuartiges Coronavirus aus China hat Deutschland erreicht

Die Stadt Wuhan in Zentralchina gilt als Ausgangsort der Epidemie, die inzwischen viele Teile Chinas erfasst hat. In China stieg die Zahl der Todesopfer am Dienstag auf 106. [EPA-EFE/STR CHINA OUT]

Das neuartige Coronavirus aus China hat Deutschland erreicht: Der erste hierzulande infizierte Mann wird laut Behörden in einem Münchner Krankenhaus behandelt. Französische Gesundheitsbehörden meldeten am Dienstag einen vierten „schweren“ Fall in Frankreich. Die EU plant, europäische Staatsbürger noch diese Woche aus der betroffenen Region um die
Stadt Wuhan in China auszufliegen. In China stieg die Zahl der Infizierten derweil auf mehr als 4500, mehr als hundert Patienten starben bereits.

Bei dem Erkrankten in Bayern handelt es sich um die erste bekannte Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus 2019-nCoV außerhalb Asiens. Dem Patienten gehe es „sehr gut“, teilte ein behandelnder Arzt mit. Der 33-Jährige infizierte sich laut Behörden in der vergangenen Woche während einer Schulung bei einer Kollegin aus China im bayerischen Landkreis
Starnberg. Die chinesische Kollegin habe während ihres Aufenthalts in Deutschland keinerlei Krankheitssymptome gezeigt. Erst kurz nach ihrer Heimkehr sei 2019-nCoV diagnostiziert worden. Die Frau stammt demnach aus Shanghai, sie habe kurz vor ihrer Deutschlandreise aber Besuch von ihren aus Wuhan stammenden Eltern gehabt.

Die Stadt Wuhan in Zentralchina gilt als Ausgangsort der Epidemie, die inzwischen viele Teile Chinas erfasst hat. In China stieg die Zahl der Todesopfer am Dienstag auf 106. Laut Behörden gibt es mehr als 4500 bestätigte Infektionen, 7000 weitere Verdachtsfälle werden geprüft. In 15 weiteren Ländern gibt es insgesamt rund 50 Infektionen.

Wie der erste deutsche Infizierte sollen auch die drei neuen Patienten nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums in einer Münchener Klinik aufgenommen, medizinisch überwacht und isoliert werden. Bei einigen weiteren Kontaktpersonen laufe bereits ein Test, ob auch bei ihnen eine Infizierung mit dem Coronavirus vorliege. Ein weiterer Verdachtsfall in Berlin bestätigte sich nicht. Der Test sei negativ gewesen, teilte eine Senatssprecherin mit.

In einer ersten europäischen Rückholaktion sollen am Mittwoch 250 französische Staatsangehörige aus China ausgeflogen werden. Das erste Flugzeug der durch die EU kofinanzierten Mission werde am Mittwochmorgen von Paris starten, erklärte die EU-Kommission am Dienstag. In den kommenden Tagen solle ein weiteres Flugzeug hundert EU-Bürger anderer Nationalitäten zurück nach Europa holen. Auch Südkorea erwägt derartige Rückholaktionen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte am Montag gesagt, die Bundesregierung ziehe „eine mögliche Evakuierung aller ausreisewilligen Deutschen“ in Betracht, zunächst müssten aber organisatorische Fragen geklärt werden.

Neben dem Fall in Bayern wurde am Dienstag zudem eine zweite Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerhalb Chinas aus Japan bestätigt. Der erkrankte Mann war nach Behördenangaben zuvor nicht in China, er sei aber mit Touristen aus Wuhan in Kontakt gewesen.

US-Forscher arbeiten derweil an der Entwicklung eines Impfstoffs. Der Direktor des NIH-Instituts für Allergien und Infektionserkrankungen, Anthony Fauci, sagte, der Forschungsprozess werde voraussichtlich langwierig sein, „aber wir gehen vor, als müssten wir einen Impfstoff einsetzen“. Fauci fügte hinzu: „In anderen Worten: Wir gehen vom schlimmsten Szenario aus – dass es zu einem größeren Ausbruch kommt.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beteuerte, Deutschland sei gut auf den Virus vorbereitet, die Gefahr sei hierzulande „weiterhin gering“. Zugleich ordnete er verschärfte Informationspflichten im Flugverkehr an. Unter anderem müssen Piloten von Flügen aus China bei einer Landung in Deutschland den Tower über den Gesundheitszustand ihrer Passagiere informieren.

In China stieg die Zahl der Todesopfer auf 106. Laut Behörden gibt es mehr als 4500 bestätigte Infektionen, 7000 weitere Verdachtsfälle werden geprüft. In 15 weiteren Ländern gibt es insgesamt rund 50 Infektionen.

Die französischen Gesundheitsbehörden meldeten am Dienstag den vierten Fall in Frankreich. Ein älterer chinesischer Tourist schwebe in Lebensgefahr und werde in einem Pariser Krankenhaus behandelt, hieß es.

Das Auswärtige Amt in Berlin erließ eine Reisewarnung für die besonders stark betroffene chinesische Provinz Hubei, in der die Stadt Wuhan liegt, wo das Virus zuerst auf einem Tiermarkt aufgetreten war. Für den Rest der Volksrepublik heißt die neue Empfehlung aus Berlin, nach Möglichkeit nicht unbedingt notwendige Reisen nach China zu verschieben.

Die chinesischen Behörden haben bislang unter anderem mehr als ein Dutzend Städte isoliert, fast 60 Millionen Menschen stehen unter Quarantäne. Als neue Schutzmaßnahme wurden am Dienstag die derzeitigen Schul- und Semesterferien zum chinesischen Neujahr auf unbestimmte Zeit verlängert.

Chinas Staatschef Xi Jinping sagte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Transparenz und eine schnelle Weitergabe von Informationen zu: „Die Epidemie ist ein Dämon, und wir können es nicht zulassen, dass dieser Dämon sich versteckt.“

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