Nestlé lässt Deutschland bei Lebensmittelampel aus

Der Lebensmittelkonzern Nestlé möchte eine Lebensmittelampel auf seinen Produkte einführen, in Deutschland entwickelt man derzeit noch ein eigenes Modell. [Jean-Christophe Bott/ epa]

Der Lebensmittelkonzern Nestlé möchte eine Lebensmittelampel auf seinen Produkte einführen. In Deutschland fehlt dazu aber noch der rechtliche Rahmen – Verbraucherschützer sind entrüstet.

Verbraucherschützer werfen Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vor, die Einführung des sogenannten „Nutri-Scores“ für Lebensmittel zu blockieren. Am Mittwoch, 26. Juni, hatte der weltweit größte Lebensmittelhersteller Nestlé bekannt gegeben, die Lebensmittelampel auf seinen Produkten in Europa einführen zu wollen. Da in Deutschland allerdings bisher keine gesetzliche Vorgabe für eine solche Kennzeichnung existiert, werde der Konzern mit der Einführung in Deutschland noch warten, hieß es in einer Pressemitteilung.

Klöckner hat sich wiederholt gegen den in Frankreich entwickelten Nutri-Score ausgesprochen und arbeitet an der Einführung eines deutschen Modells. Die Bundesregierung hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf geeinigt, bis zum Sommer 2019 eine für Verbraucher einfach verständliche Nährwertkennzeichnung entwickeln zu wollen. Das Landwirtschaftsministerium hatte dazu ein eigenes Modell entwickelt, möchte die Verbraucher aber „entscheidend“ an der Entscheidung über ein Kennzeichnungsmodell beteiligen, da jedes Kennzeichnungssystem Vor- und Nachteile habe. Dazu hatte Klöckner am Dienstag Vertreter der Lebensmittelwirtschaft und der Bundesländer zu einem runden Tisch gebeten, am Donnerstag sollen nach Angaben der FAZ entsprechende Modelle festgelegt werden.

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Foodwatch hat Ministerin Klöckner dazu aufgerufen, ihren Widerstand gegen neue Lebensmittel-Etikettierungen aufzugeben.

Dass das Angebot Nestlés aufgrund fehlender politische Bestimmungen in Deutschland ausgeschlagen wird, kommt für die Verbraucherschutzorganisation foodwatch einer „Verhinderungspolitik“ gleich. „Es ist einfach unfassbar, dass Frau Klöckner Unternehmen Steine in den Weg legt, wenn diese verbraucherfreundlich handeln wollen“, so Luise Molling von foodwatch.

Der in Frankreich entwickelte Nutri Score ist ein farbliches Ampelsystem. Es kategorisiert Lebensmittel über eine Gesamtbilanz die abwägt, wie viele gesunde Nährstoffen sie im Vergleich zu ungesunden enthalten. Da die EU-Mitgliedstaaten sich bisher nicht auf ein gängiges Modell haben einigen können, haben in den vergangenen Jahren mehrere Länder eigene Modelle eingeführt. Der Nutri-Score wird derzeit in Frankreich und Belgien verwendet, Spanien hat seine Einführung angekündigt, in Portugal, Luxemburg und der Schweiz wird über die Einführung diskutiert.

Im Mai hatten sich eine Mehrheit der Verbraucherschutzminister der Bundesländer noch dafür ausgesprochen, das Ampelsystem auch in Deutschland einzuführen, da es bereits wissenschaftlich bewährte und praxisgetestet sei. Das von Klöckner vorgestellte Waben-Modell biete dagegen keine farbliche Orientierung und entspreche nicht den „Anforderungen an eine vereinfachte und verbraucherverständliche Nährwertkennzeichnung“.

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Klöckner kritisiert den Nutri-Score, da damit ein frisch gepresster Orangensaft ein rotes Etikett erhält, während eine Cola light eine grüne Note hat. Das liegt an ihrem Zuckergehalt, der im Orangensaft überwiegt. Sie halte es für falsch, „einzelne Rohstoffe herauszupicken“ und sie dann zum Sündenbock für schlechte oder ungesunde Ernährung zu machen. „Was wir brauchen, ist eine Gesamtstrategie zur Kalorienreduzierung,“ so Klöckner.

In Deutschland haben Danone und Iglo bereits begonnen, ihre Produkte mit dem Nutri-Score zu kennzeichnen, Iglo wurde allerdings die Verwendung gerichtlich untersagt. In der Zwischenzeit plant die Lebensmittellobby, europaweit eine eigene Ampel einzuführen. Verbraucherschützer warnen allerdings vor unrealistischen Angaben und beschönigten Ampelwerten.

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