Metastasierter Brustkrebs: Ein Ende des Schattendaseins

In einer Studie werden die wirtschaftlichen Kosten für Lungen-, Brust-, Dickdarm - und Prostatakrebs in der EU mit insgesamt 55,3 Milliarden Euro angegeben. [Dizzy Girl/Flickr]

Dieser Bericht ist Teil unserer Artikelserie zum Thema metastasierter Brustkrebs

Metastasierter Brustkrebs wurde lange Zeit von Interessensverbänden, der Wissenschaft sowie der Politik wenig beachtet. Daher ist wenig über das Ausmaß der Krankheit, ihre wirtschaftlichen Effekte und auch über die besten Behandlungsmethoden bekannt. Patientinnen rufen nun die EU dazu auf, mehr Informationen über diese Krankheit bereitzustellen, an der jährlich weltweit eine halbe Million Frauen sterben.

Jedes Jahr sterben eine halbe Million Frauen an metastasiertem Brustkrebs (MBK) – und es ist nicht bekannt, wie viele weitere erkrankt sind.

Eine britische Kampagne mit dem Titel „Secondary – not second rate“ hat herausgefunden, dass MBK jährlich zu 14.000 Todesfällen im Land führt – oder 31 jeden Tag. Die Kampagne weist auch daraufhin, dass nur jedes dritte Krankenhaus Daten über die Krankheit sammelt, obwohl dies eigentlich seit 2013 gesetzlich vorgeschrieben ist.

In Europa haben nur eine handvoll Länder (Großbritannien, Dänemark, Schweden und Deutschland) Krebs-Datenbanken angelegt, um die Verbreitung und Auswirkungen von Brustkrebs besser verstehen zu können. Doch auch in diesen Datenbanken wird nicht immer zwischen Brustkrebs im frühen Stadium und MBK unterschieden, was ihre Nutzung wiederum erschwert.

Ein weiteres statistisches schwarzes Loch sind die Effekte von MBK auf die Wirtschaft. In der EU ist  Krebs die Haupt-Todesursache, gemeinsam mit Kreislauferkrankungen. Dabei wird erwartet, dass sich die Krebszahlen in den kommenden Jahren weiter erhöhen werden.

Metastasierter Brustkrebs: "Den Wahrnehmungs-Graben schließen"

Die rosa Schleife und der Brustkrebsmonat Oktober haben beigetragen, dass das Bewusstsein für die Erkrankung gestiegen ist und mehr Frauen zur Vorsorgeuntersuchung gehen.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie werden die Kosten für Lungen-, Brust-, Dickdarm – und Prostatakrebs mit insgesamt 55,3 Milliarden Euro angegeben. Diese vier Krebsarten stünden für rund 44 Prozent aller krebsbedingten wirtschaftlichen Kosten.

Dabei werden allerdings nicht die Folgekosten beim erneuten Ausbruch der Krankheit berücksichtigt. Sicher ist, dass MBK höhere Kosten verursacht als Brustkrebs im Frühstadium. Das liegt nicht nur daran, dass die direkten Behandlungskosten höher sind, sondern auch an den indirekten Kosten, wenn Patientinnen und pflegende Angehörige nicht arbeiten gehen können.

Eine interdisziplinäre Gruppe aus Patientenvereinigungen, Krankenpflegern und Ärzten sowie Politikern fordert daher eine verbesserte Sammlung von Daten zu MBK und seinen Auswirkungen. Sie argumentieren, ein genauerer Überblick über die Krankheit könne auch das Verständnis sowie die Behandlungsmöglichkeiten verbessern.

In einem Bericht von Oktober hält die Gruppe fest, dass aktuell sehr viele verschiedene MBK-Therapien angeboten werden. Das liege unter anderem an nicht einheitlicher Entscheidungsfindung und ungenügendem Wissen über die Bedürfnisse von EBK-Patientinnen sowie an der fehlerhaften Umsetzung von Leitlinien.

Selbst wenn solche Leitlinien exisitieren, würden sie oft aufgrund falsch gesetzter Anreize ignoriert. So erhalten Krankenhäuser in Frankreich, Deutschland und Spanien beispielsweise zusätzliche Gelder für die stationäre Pflege. Dadurch wird ein nicht zu vernachlässigendes Hindernis für Therapien aufgebaut, bei denen die Patientinnen nicht zwangsläufig im Krankenhaus bleiben müssten.

Im Bericht wird festgehalten, es gebe keine einheitlichen MBK-Richtlinien, die auch die Bedürfnisse der Patientinnen in Betracht ziehen. Außerdem gebe es „nahezu keinerlei Forschung zur Entwicklung von Qualitätskriterien, die zur Bewertung von metastasiertem Brustkrebs notwendig wären.“

Die Europäische Kommission versucht diesem Missstand mit ihrer Brustkrebs-Initiative zu begegnen: So wurde eine Plattform gestartet, über die verlässliche und wissenschaftsbasierte Richtlinien zur Behandlung von Krebs in allen Stadien gesammelt werden sollen. In einer öffentlichen Anhörung wünschten sich die Patientinnen insbesondere einen Fokus auf MBK. Die Kommission will diesen Vorschlag mitaufnehmen und „in einer späteren Phase des Projekts umsetzen“, hieß es gegenüber EURACTIV.

In Reaktion darauf sagte die rumänische MEP Adina-Ioana Vălean, die auch dem Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europaparlaments vorsitzt: „Ich begrüße das Ergebnis dieser öffentlichen Anhörung und den Fakt, dass die Europäische Kommission einen besonderen Fokus auf MBK legen will. Ich rufe die Mitgliedstaaten dazu auf, die Bemühungen der Kommission zu unterstützen.“

Darüber hinaus sollten auch moderne Technologien wie telemedizinische Dienste und E-Health verstärkt eingeführt werden, um Fernpflege und -prävention zu verbessern, die Anwendung fortschrittlicher Therapien zu fördern und weitere Vorteile aus der grenzüberschreitenden Gesundheitsrichtlinie zu erzielen.

Somit scheint es, dass das Thema MBK, welches bisher unter Wissenschaftlern und Gesetzgebern ein Schattendasein fristete, langsam in der politischen Agenda nach oben wandert.

Die österreichische EU-Parlamentsabgeordnete Karin Kadenbach, die bereits seit längerem für das Thema wirbt, sagte dementsprechend gegenüber EURACTIV.com:  „Wir brauchen die Zahlen, aber wir müssen auch wissen, welche spezifischen Bedürfnisse diese Patientinnen haben, um die richtigen politischen Lösungen zu finden. Dabei können die EU-Institutionen eine wichtige Rolle spielen. Sie müssen die richtigen Anreize bieten, um europaweite Wissenschaftskooperationen zu starten, damit zusammenhängendere, komplette, konsistente und relevantere Datensätze zur Epidemiologie, Inzidenz und zu den Belastungen von metastasiertem Brustkrebs gesammelt und verarbeitet werden können.“

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Lilly

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