Mehr Übergewichtige in Europa wegen Wirtschaftskrise

Weil sich immer mehr Europäer in finanziellen Notlagen befinden, nimmt die EU-weite Fettleibigkeit laut OECD zu. Foto: dpa

Der Anteil der Übergewichtigen und Fettleibigen hat in fast allen EU-Ländern zugenommen. Laut einer aktuellen Studie der OECD ist mehr als die Hälfte übergewichtig, am stärksten betroffen sind Ungarn und Großbritannien.

Übergewicht und Fettleibigkeit breitet sich in Europa aus: In fast allen EU-Staaten ist der Anteil der betroffenen Personen gestiegen. Inzwischen gilt mehr als die Hälfte der Erwachsenen in EU-Ländern als übergewichtig, jeder Sechste ist sogar fettleibig (adipös), resümiert eine am Mittwoch veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Auch in Deutschland deuten Daten von 2013 darauf hin, dass sich der Anteil der fettleibigen Menschen erhöht hat: Waren 2003 noch 13 Prozent der Erwachsenen adipös, so sind es nach jüngsten Angaben 16 Prozent. Am stärksten angestiegen ist die Fettleibigkeit in Frankreich, Luxemburg, Dänemark, Finnland, Island und in Tschechien.

Fettleibigkeit erhöht das Risiko, an Bluthochdruck, Diabetes und einer Reihe von Krebsarten zu erkranken. Auch Herz-Kreislauferkrankungen stehen mit starkem Übergewicht in Verbindung. Die OECD geht davon aus, dass Fettleibigkeit insgesamt zu einem Anstieg der chronischen Erkrankungen führt und dass dadurch längerfristig auch die Kosten der Gesundheitsversorgung steigen werden. 

Ein Hauptgrund für den Anstieg der Fettleibigkeit ist laut der Organisation die Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa: „Untersuchungen in Deutschland, Finnland und Großbritannien zeigen, dass es eine direkte Verbindung zwischen finanzieller Notlage und Fettleibigkeit gibt“, heißt es in der Studie.

Viele Länder reagierten auf den konjunkturellen Einbruch, indem sie Gesundheitspersonal abbauten, Gehälter im Sektor kürzten oder Arzneimittelpreise reduzierten, schreiben die OECD-Autoren. In einigen Staaten wurde der medizinische Leistungskatalog eingeschränkt. Damit sank die finanzielle Absicherung spürbar, so dass Patienten dort nun mehr aus eigener Tasche zahlen müssen.

 

Der Report hat aber auch Positives zu berichten: Die Sterblichkeitsrate nach Herzinfarkten fiel nach Einweisung in die Kliniken von 2000 bis 2011 um 40 Prozent, die bei Schlaganfällen um mehr als 20 Prozent

Fortschritte gab es in Deutschland und fast allen anderen EU-Staaten auch beim Alkoholkonsum: Durchschnittlich trinkt jeder Deutsche über 15 Jahre elf Liter reinen Alkohol jährlich. Das sind zwar fünf Liter weniger als 1980, aber immer noch mehr als der aktuelle EU-Durchschnitt von zehn Litern. Zum Vergleich: Die Schweden kommen nur auf sieben Liter pro Kopf. Eine andere Entwicklung macht den Autoren des Berichts indes Sorgen: Zwar wird europaweit durchschnittlich weniger Alkohol getrunken, dafür ist der sogenannte gefährliche Alkoholkonsum in einigen Bevölkerungsgruppen gestiegen.

Der Anteil der regelmäßigen Raucher sank zwischen 2003 und 2009 von 24 auf 22 Prozent, erste Zahlen für 2013 suggerieren gar einen Rückgang auf 21 Prozent. Dies ist zwar weniger als der EU-Durchschnitt (23%), aber erheblich mehr als in einigen Nordischen Staaten: In Island und Schweden beispielsweise rauchen nur 13 bis 14 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal am Tag.

Fettleibigkeit (auch bekannt als Fettsucht oder Adipositas ) beschreibt einen Zustand, bei dem eine abnormale oder übermäßige Fettanhäufung im Gewebe (Fettgewebe) vorliegt, die zu Gesundheitsrisiken führt. Die Ursache, die einer Gewichtszunahme zugrunde liegt, ist eine positive Energiebilanz, also wenn mehr Kalorien verzehrt als durch körperliche Aktivität verbrannt werden.

Übergewicht ist durch einen BMI im Bereich 25-29.9 definiert, bei Werten von 30 und mehr spricht man von Fettleibigkeit. Üblicherweise wird ein BMI von 18.5-24.9 als "gesund" bezeichnet, während ein BMI von 25-29.9 mit einem "leicht erhöhten Risiko" für Begleiterkrankungen gleichgesetzt wird und ein BMI von 30 oder mehr ein "mittleres bis hohes Risiko" signalisiert.

OECD-Studie: Health at a Glance: Europe 2014 (3. Dezember 2014)

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