Lügendetektor für Lebensmittel

Bestehen Pferde aus Rindfleisch? QR-Codes könnten mehr Transparenz bringen. © Hans-Christian Hein / PIXELIO

Grenzüberschreitende Lebensmittelskandale verunsichern immer wieder Verbraucher in ganz Europa. Falsche Etikettierungen und irreführende Kennzeichnungen lassen Konsumenten nach mehr Transparenz rufen. Diverse Prüfsiegel sollen dabei helfen. Jüngste Entwicklung ist eines mit individuellen QR-Codes, die die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohprodukt bis ins Supermarktregal durchleuchten.

Der TÜV Rheinland ist eher als technische Prüfiorganisation bekannt. Neuerdings widmet er sich aber auch der Prüfung von Lebensmitteln. "Die Endverbraucher wollen wissen, ob das Lebensmittel ihren Anforderungen auch wirklich entspricht“, erläuterte Ralf Wilde, Bereichsvorstand Produkte bei TÜV Rheinland, das neue Geschäftsfeld.

Das neue Prüfzeichen ist mit einem individuellen QR-Code versehen, jener briefmarkenähnlichen quadratischen Matrix in Schwarzweiß, die sich beispielsweise mit einem Mobiltelefon lesen lässt. QR steht für Quick Response, also Schnelle Antwort.

Schnelle Antwort erhalten Konsumenten direkt im Supermarkt, wenn sie mit ihrem Handy den Code scannen. So erhalten sie sofort Informationen über die Eigenschaften des Lebensmittels und können überprüfen, ob das Lebensmittel ihren Ansprüchen entspricht.

Stimmen die Angaben der Hersteller?

Lebensmittel, die von TÜV Rheinland analysiert und zertifiziert werden, müssen strenge und umfassende Überprüfungen über sich ergehen lassen. Kontrolliert werden sowohl die Rohstoffe der Zulieferer als auch die Verkehrsfähigkeit und die Qualitätsaussagen des Endproduktes. Außerdem wird  der Hersteller mit einer Managementzertifizierung unter die Lupe genommen.

Das Lebensmittel wird dabei auf Inhaltsstoffe und mögliche chemische Rückstände wie zum Beispiel Pestizide untersucht sowie einer sensorischen und mikrobiologischen Analyse unterzogen. Dabei überprüfen die Experten genau, ob die Prüfergebnisse mit den Qualitätsaussagen des Herstellers übereinstimmen. 

Besonders Allergikern oder Endverbrauchern mit speziellen Diäten ist es wichtig, dass sie sich auf die Herstellerangaben verlassen können. "Nur wenn das Produkt alle Prüfungen besteht und auch tatsächlich nur das im Lebensmittel ist, was auf der Verpackung versprochen wird, erhält es am Ende das TÜV Rheinland-Prüfzeichen", betonte Wilde in einer Pressemitteilung.

Für die Überprüfung von Lebensmitteln arbeitet TÜV Rheinland mit Laboren in ganz Deutschland zusammen. Sie gründeten die FoodCert Alliance (FCA). Dieses Netzwerk – das erste seiner Art in Europa – besteht aus vorerst neun Laboren. Jedes dieser Competence-Center ist Spezialist für eine bestimmte Produktkategorie und die damit verbundenen Prüfverfahren. 

Die Kooperation im Netzwerk ermöglicht es, Hersteller und Händler von Lebensmitteln über die gesamte Wertschöpfungskette zu checken und so für mehr Transparenz und Sicherheit zu sorgen.

"Unser Anspruch ist es, die weltweit führenden Kompetenzen in der Lebensmittelanalytik unter dem Dach der FCA zu bündeln", so Wilde. "Durch die weltweite Präsenz und Kompetenz von TÜV Rheinland mit Gesellschaften und Experten in über 65 Ländern der Erde können wir die Hersteller und Händler während der gesamten Lebensmittel-Wertschöpfungskette – also von der Beschaffung der Rohzutaten und der Herstellung des Produktes über den Transport bis in die Regale der Supermärkte und letztendlich dem Recycling – stets begleiten."

Demnach können Hersteller und Händler das komplette Prüfspektrum aus einer Hand nutzen, egal wo auf der Welt die einzelnen Prozessschritte stattfinden.

Max Malik

Links


EURACTIV.de:
Irreführender Umgang mit Kennzeichnungspflichten / Verbraucher zwischen Zeichen, Siegeln und Skandalen (8. März 2013)

EURACTIV.de: Falsch deklariertes Pferdefleisch / EU-Minister beraten über Pferdefleisch-Skandal (12. Februar 2013) 

EURACTIV.de: EU-Parlament fürchtet irreführende Werbung / Wenig Appetit auf neue Lebensmittelkennzeichnung (1. Februar 2012)


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