Lebensmittel: Pestizid-Rückstände in zahlreichen Proben entdeckt

In Erdbeeren und anderen Lebensmitteln hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Pestizide entdeckt. [© Global 2000 (CC BY-NC-ND 2.0)]

Obst, Gemüse, Fleisch: Ein großangelegter europäischer Lebensmitteltest hat in knapp der Hälfte der Proben Rückstände von Pestiziden gefunden. Greenpeace warnt angesichts der Vielzahl von betroffenen Nahrungsmitteln vor „Pestizid-Cocktails“ und fordert dafür ebenfalls Höchstgrenzen.

Äpfel, Kopfsalat, Erdbeeren, Schweinefleisch: Zehntausende Proben von diesen und weiteren Lebensmitteln hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zusammen mit nationalen Behörden gesammelt und auf Rückstände von Pestiziden geprüft. Rund 45 Prozent der Proben enthielten Rückstände, wobei insgesamt nur 1,5 Prozent die zulässigen Grenzwerte überschritten, wie die in Parma ansässige Behörde am Donnerstag mitteilte.

Greenpeace warnte allerdings vor „Pestizid-Cocktails“. Die EFSA hatte gemeinsam mit 27 EU-Staaten – Kroatien nahm noch nicht teil – sowie Norwegen und Island im Jahr 2013 rund 81.000 Proben unter die Lupe genommen. Bei 97,4 Prozent wurden die gesetzlichen Höchstwerte demnach eingehalten – entweder weil gar keine Rückstände feststellbar waren oder weil sie unter dem gesetzlichen Limit lagen.

„1,5 Prozent der Proben überschritten klar die gesetzlichen Grenzwerte“, hieß es. Bei einem guten weiteren Prozent war das Überschreiten weder auszuschließen noch ganz sicher. Generell waren Lebensmittel, die in der EU hergestellt wurden, der Erhebung zufolge etwas weniger belastet als solche aus Nicht-EU-Staaten. Speziell 1597 Proben wurden von Babynahrungsmitteln genommen. Hier wurden laut EFSA in 92,7 Prozent gar keine Rückstände gefunden.

Greenpeace fordert Höchstwerte für „Pestizid-Cocktails“

Pestizide sind Chemikalien für den Pflanzenschutz und zur Schädlingsbekämpfung. Es gibt Hunderte, die Untersuchung betraf 685 Sorten. Für einen Teil der Proben – nämlich für die, die EU-weit von den gleichen Lebensmitteln entnommen wurden – analysierte die EFSA das Gesundheitsrisiko. Demnach ist das kurzfristige Risiko, über die Nahrung einen schädlichen Pegel von Pestizidrückständen zu erreichen, „gering“. Langfristige Folgen für die Gesundheit der Verbraucher seien „unwahrscheinlich“, urteilte die Lebensmittelbehörde.

Dem widerspricht indirekt die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Sie weist auf die hohe Zahl an Proben hin, nämlich etwa ein Viertel, die bei der EFSA-Studie Rückstände von gleich mehreren Pestiziden aufwiesen. Es sei ungeklärt, wie solche Kombinationen im menschlichen Organismus zusammen wirkten, ob beispielsweise ein Rückstand als „Türöffner“ für einen anderen agiere oder ob ihre Wirkungen sich addierten, sagte Agrar-Expertin Christiane Huxdorff zu AFP. Die Mehrfachbelastung sei zum Beispiel bei Äpfeln „erschreckend“, urteilte Huxdorff. Greenpeace fordert daher, neben den jetzt bestehenden Grenzwerten für einzelne Pestizide „Höchstwerte auch für Pestizid-Cocktails“ einzuführen. Darüber hinaus müssten sie langfristig ganz aus der Landwirtschaft verschwinden, sagte die Agrar-Expertin.

Eine diese Woche in Frankreich veröffentlichte Studie hat Pestizid-Rückstände in Haaren von Frauen untersucht und vor Gefahren für mögliche Schwangerschaften gewarnt. Die Studie des Verbands Générations Futures (zu Deutsch: Künftige Generationen) stellte bei einer Stichprobe von 28 Frauen aus dem Großraum Paris im Schnitt rund 21 verschiedene Stoffe im Haar fest, die auf den Hormonhaushalt wirken könnten – der Großteil davon seien Rückstände von Pestiziden, die auf Nahrung oder Umwelteinflüsse zurückgeführt wurden. „Diese Ergebnisse zeigen eine verallgemeinerte Kontamination von Frauen im gebärfähigen Alter“, erklärte Générations Futures. Dies sei angesichts von möglichen Auswirkungen auf das Leben der Kinder dieser Frauen „enorm beunruhigend“, urteilte die Organisation.

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