Wie nützlich bessere Kennzeichnungen von Lebensmitteln wären, zeigt eine Studie der Universität Regensburg – nützlich für die Senioren, für die Lebensmittelindustrie und für das Gesundheitssystem. Die Forscher sehen noch viel Potenzial.
Konsumenten achten mit zunehmendem Alter verstärkt auf die Kennzeichnung von Lebensmitteln. Vor allem Senioren benötigen mehr Unterstützung bei der Auswahl und Beurteilung der Produkte, wie eine Untersuchung der Universität Regensburg zeigt. Nach Ansicht der Regensburger Forscher wird weiterhin großes ökonomisches Potenzial verschenkt – nicht nur für Unternehmen der Lebensmittelindustrie, sondern auch für das Gesundheitssystem. In ihrer Studie schlagen sie entsprechende Maßnahmen vor.
Der demographische Wandel in Deutschland wird sich in den kommenden Jahren auch in den Marktstrukturen im wirtschaftlichen Bereich niederschlagen. Die Gruppe der "Best Ager" wird für viele Unternehmen zu einer attraktiven Zielgruppe. Ab einem Alter von 50 Jahren gewinnen die Kaufmotive Gesundheit, Wohlbefinden und Ernährungsbewusstsein an Bedeutung. Eine alternde Gesellschaft will deshalb die Fülle an Lebensmittelinformationen – insbesondere auf Produktverpackungen – angemessen beurteilen können.
Prof. Dr. Roland Helm und Dipl.-Kfm. Daniel Conrad vom Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Regensburg haben in ihrer Studie: "Informationspolitische Instrumente zur Unterstützung der Ernährungsbildung der Konsumentengruppe 50plus" untersucht, wie Senioren die bislang gebräuchliche Praxis der Kennzeichnung von Lebensmitteln wahrnehmen und wie sie ihre Wahrnehmung in Kaufentscheidungen umsetzen.
Die Studie, die vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gefördert wurde, zeigt, dass gerade die Älteren bessere Informationen benötigen, um gesunde Produktalternativen zu erkennen.
Einerseits steige mit fortschreitendem Alter das Interesse an Ernährungshinweisen, andererseits könnten Senioren weniger rasch Informationen verarbeiten als jüngere Konsumenten.
Die relativ höhere Effizienz, mit der ältere Konsumenten bisher bei der Informationssuche vorgehen, lässt sich zwar mit ihrer Erfahrung und dem breiteren Produktwissen erklären. Die Lebensmittelindustrie könne allerdings dazu beitragen, durch geeignete Hinweise das Ernährungswissen der Verbraucher zu verbessern, erklären Helm und Conrad.
Um die Zeit der Informationsverarbeitung zu verkürzen, könnten nach Ansicht der beiden Wissenschaftler die entsprechenden Kennzeichnungen auf Lebensmittelverpackungen vergrößert und an geeigneter Stelle (etwa links unten) platziert werden.
Da mit zunehmendem Alter auch der Wunsch nach emotionaler Kontrolle intensiver wird, suchen Best Ager häufiger Informationen über bestimmte Eigenschaften. Hier böten deutlichere Angaben wie "fettreduziert" oder "reich an Kalzium" mehr Hilfe.
Von großer Bedeutung sind zudem allgemein gültige Kennzeichnungssysteme. "Senioren bevorzugen vor allen Dingen farbig gestaltete Gütezeichen – idealerweise in Verbindung mit einfach und verständlichen Textelementen wie ‘hoch’, ‘mittel’ oder ‘niedrig’“, so Helm.
Nach Meinung der beiden Regensburger Forscher werden die Bedürfnisse der Älteren aber immer noch zu wenig berücksichtigt. Folgen habe dies nicht nur für Unternehmen der Lebensmittelindustrie, die damit wertvolles ökonomisches
Potenzial verschenken. Ungenutzt bliebe so auch die Chance, ältere Menschen zu gesünderer Ernährung zu bewegen, was wiederum das Gesundheitssystem entlasten würde.
Red. mit Informationen der Universität Regensburg
Links
EURACTIV.de: ASC-Zertifikate für Zuchtfisch: TÜV-geprüfte Meereskost (16. Mai 2013)
EURACTIV.de: QR-Codes durchleuchten gesamte Wertschöpfungskette: Lügendetektor für Lebensmittel (11. April 2013)
EURACTIV.de: Irreführender Umgang mit Kennzeichnungspflichten: Verbraucher zwischen Zeichen, Siegeln und Skandalen (8. März 2013)
EURACTIV.de: Neue EU-Regeln zu Warenursprung und Marktüberwachung / Sicherere Produkte: "Made in" wird zur Pflicht (15. Februar 2013)
EURACTIV.de: Gesundheitsangaben überprüft / Lebensmittel: Irreführende Werbung verboten (16. Mai 2012)
EURACTIV.de: EU-Parlament fürchtet irreführende Werbung: Wenig Appetit auf neue Lebensmittelkennzeichnung (1. Februar 2012)
