Italienische Landwirte: TTIP als Chance begreifen

Italien möchte zum Schutz eigener Erzeugnisse gegen Produkte mit italienisch klingenden Namen kämpfen. [taccuinistorici.it]

Vertreter der italienischen Landwirtschaft zweifeln an der Transparenz des TTIP-Abkommens, drängen jedoch auf dessen „Entdämonisiereng“. EURACTIV Italien berichtet.

„Extreme, negative Einstellungen sollte man nicht unterstützen“, sagte Vincenzo Lenucci, Vertreter der italienischen Landwirtschaftsorganisation Confagricoltura, bei einem Treffen mit der italienischen Regierung. Einerseits stimme es, dass „die Beseitigung tarifärer Handelshemmnisse eher den amerikanischen Exporteuren in die Hände spielt als den europäischen.“ Auf der anderen Seite würde jedoch die italienische Landwirtschaft überaus stark von der Abschaffung nichttarifärer Handelsschranken für beispielsweise Äpfel und Birnen profitieren.

Enrico Fravili von Copagri wies vorgefasste Ideen zum geplanten Freihandelsabkommen zurück. Gleichzeitig bleiben Bedenken zu Gesundheit und Umweltschutz bestehen – ebenso wie die anhaltenden Sorgen zum Thema Gentechnik. Fravili erklärte außerdem, dass TTIPs größtes Problem der Mangel an Transparenz sei. Dieser hindere die betroffenen Parteien daran, die Auswirkungen des Vorschlags zu bewerten. Der Landwirtschaftsvertreter bevorzugt offene Verhandlungen. Aus ihnen gehe klarer hervor, ob sich der ganze Enthusiasmus letzten Endes doch nur um Gewinnmaximierung drehe. Stefano Masini von Coldiretti bestätigte diese Befürchtungen. Er verwies auf eines der Hauptprobleme italienischer Landwirte: Markenschutz und geografische Angaben. Das Abkommen mit Kanada umfasst 173 italienische Produkte von 274 anerkannten typischen Herkunftsorten. Nun hofft man, dass sich dies bei TTIP nicht wiederholen wird, da mehr als 100 Marken entfielen.

Auch der Präsident der Slow-Food-Bewegung Gaetano Pascale war bei dem Treffen anwesend. Er sorgte sich darüber, dass nur jene Unternehmen profitieren würden, die auf höchster Stufe zu konkurrieren in der Lage sind. Diese würden kleine, qualitätsstarke Erzeuger vom Markt drängen.

Die jüngste Verhandlungsrunde

Vom 14. bis 23. Oktober fand in Miami die letzte Verhandlungsrunde statt. Ein Tagesordnungspunkt widmete sich laut EU-Kommissionsbericht speziell dem Thema Landwirtschaft. In dem Text äußert Brüssels Bedenken an den jüngsten Steigerungen der Ausfuhrzölle in den USA für Butter und Sahne aus der EU. Der Bericht stellt die Logik hinter diesem Schritt infrage. Gleichzeitig betonten EU-Vertreter, wie wichtig es sei, nichttarifäre Handelshemmnisse für EU-Produkte auf dem amerikanischen Markt anzugehen. Hierzu zählen beispielsweise das Verbot des Direktversandes von Wein oder diskriminierende Muster, die kleine europäische Wein- und Bierproduzenten benachteiligen. Beide Parteien diskutierten ebenfalls über die Möglichkeit, besondere Etikettierungsbestimmungen für Spirituosen zu entwickeln.

Nachgeahmtes Dolce Vita

Die Hauptthemen des italienischen Treffens standen auch bei der Entsendung einer EU-Parlamentsdelegation nach Washington im Fokus. Diese befasste sich mit der Untersuchung bestimmter TTIP-Aspekte. Die amerikanischen Vertreter zeigten reges Interesse an den Themen Ernährungssicherheit, Gesundheit von Mensch und Tier sowie korrekte Information von Verbrauchern, so Paolo De Castro von der Landwirtschaftskommission des Parlaments. Ein EU-Ziel ist für Italien von besonderer Bedeutung: das Verbot, italienisch klingende Namen als Marketingstrategie zu verwenden. Obwohl die betroffenen Produkte nichts mit dem Land zu tun haben, erwecken sie Assoziationen mit Italien und lassen sich so besser vermarkten.

„Bei einem Abkommen solchen Ausmaßes man muss sich auf ein Etikettierungssystem einigen, das Verbrauchern keine falschen Informationen vorgaukelt. Wir brauchen eine Lösung, von der beide Seiten profitieren. Nur so kann TTIP zu einer wirklichen Chance für Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum in der europäischen Landwirtschaft werden – vor allem auch in Italien“, meint De Castro.