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21/01/2017

Industrie warnt: Klimawandel erhöht Tierseuchenrisiko

Gesundheit und Verbraucherschutz

Industrie warnt: Klimawandel erhöht Tierseuchenrisiko

Der Schmallenberg-Virus erreichte Europa 2011 und befiel vor allem Ziegen und Schafe.

[Rikki's Refuge/Flickr]

Die globale Erderwärmung ist verantwortlich für den Ausbruch neuer und wiederkehrender Tierkrankheiten, warnt die europäische Tiergesundheitsindustrie. EurActiv Brüssel berichtet.

Diese Woche trafen sich Delegierte in Paris zur letzten Klimaverhandlungsrunde. Ziel ist ein Klimaabkommen zur Begrenzung der Erderwärmung. Die Tiergesundheitsindustrie warnte, dass Untätigkeit im Kampf gegen den Klimawandel die Gesundheit von Tieren gefährde. Der weltweite Temperaturanstieg fördere neue und wiederkehrende Krankheiten, so IFAH Europe (International Federation of Animal Health). Letztere vertritt die Hersteller von Tierarzneimitteln, Impfstoffen und anderen Tiergesundheitsprodukten in Europa.

„Das Hauptproblem besteht darin, dass die Krankheiten sich mithilfe von Vektoren wie Zecken, Moskitos oder Fliegen sowie durch andere externe Parasiten, Bakterien und Viren verbreiten“, erklärte Roxane Feller, Generalsekretärin von IFAH Europe. Aufgrund des wärmeren Klimas können Krankheitsüberträger weiter Richtung Norden ziehen. Somit gefährden sie zunehmend die Gesundheit von Tieren in der EU. „Die Bekämpfung solcher Krankheiten erfordert grenzüberschreitende Zusammenarbeit wie beim Ausbruch des Schmallenberg-Viruses.“

Der Schmallenberg-Virus (SBV) stammt womöglich aus Afrika. Diese neue Krankheit erreichte Europa im Jahr 2011, wo sie vor allem Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen) befiel. Der Virus führte zu verminderter Milchproduktion und der Missbildung von Neugeborenen. Im April 2012 waren europaweit laut Europäischem Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) insgesamt 3.444 Tierbestände SBV-infiziert.

Ein ähnliches Beispiel ist die Blauzungenkrankheit, die ebenfalls Wiederkäuer befällt – vor allem Schafe. Überträger sind sehr kleine Mücken. „Die Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 erreichte 2006 die Küsten Nordeuropas. Der Virustyp verbreitete sich sehr schnell und führte dazu, dass nichtbetroffene Länder Handelsbeschränkungen gegen betroffene Staaten einführten,“ erklärte Feller.

Innovation und Technologie

Man müsse IFAH Europe zufolge dringend innovationsbasierte Maßnahmen ergreifen und moderne Technologien einführen, um sich an die neue Herausforderung anzupassen.

„2008 verzeichnete die EU 45.000 gemeldete Fälle von Blauzungenerkrankung. Bis 2009 fiel die Zahl auf 1.118. 2011 waren es nur noch 39 Fälle. Impfungen und andere Präventiv- und Kontrollmaßnahmen hatten zu dieser Entwicklung beigetragen“, betonte Feller. Den Regulierungsrahmen für die Tiergesundheit müsse man jedoch noch weiter harmonisieren. „Hierfür ist ein regulatorischer Prozess notwendig, der die bürokratische Belastung von Unternehmen mindert. Somit können diese mehr in FuE (Forschung und Entwicklung) sowie in Innovationen investieren. Die Regierungen müssen schnell handeln und Impfstoffbanken einrichten. Außerdem müssen sie die Verfügbarkeit moderner Technologien gegen diese Krankheiten beschleunigen“, schlussfolgerte sie.

Kommission unterstützt Impfstrategien

Auf Anfrage von EurActiv erklärte EU-Kommissionssprecher Enrico Brivio, dass durch Vektoren übertragene Tiererkrankungen besonders besorgniserregend seien. Es sei jedoch unklar, ob und inwiefern der Klimawandel tatsächlich die Dynamik von Insektenvektorpopulationen beeinflusst, zum Beispiel bei der Ausbreitung der Blauzungenkrankheit.

„Wenn jedoch Impfstoffe wie im Falle der Blauzungenerkrankung zur Verfügung stehen, setzt sich die Kommission für Impfstrategien ein,“ betonte er. Die Kommission fördere außerdem die Entwicklung sämtlicher modernen Seuchenkontrollinstrumente. Hierzu zähle unter anderem die Impfstoffforschung gegen bestimmte Krankheiten, so Brivio.

„Die Kommission, die Veterinärbehörden der Mitgliedsstaaten, die Tierarzneimittelindustrie und die Viehwirtschaft stehen permanent miteinander in Kontakt, um die Hauptkrankheitserreger zu identifizieren. Impfstoffe (oder auch andere moderne Seuchenbekämpfungsmaßnahmen wie verbesserte Diagnosen) verdienen hier besondere Aufmerksamkeit.“

Weitere Informationen

Industrie

Institutionen

  • Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von KrankheitenSchmallenberg-Virus
  • Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten: Blauzungenkrankheit