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19/01/2017

Industrie: EU-Bürger sollten mehr Insekten essen

Gesundheit und Verbraucherschutz

Industrie: EU-Bürger sollten mehr Insekten essen

Proteine von Insekten könnten in Zukunft in der EU zum Verzehr verkauft werden. (Christine Majul/Flickr)

(Christine Majul/Flickr)

Mehlwürmer, Seidenraupen und die Stubenfliegen sind unter den Insekten, die die Europäer in Zukunft in ihre Ernährung aufnehmen sollten, sagt die Insektenindustrie. Denn sie sollen eine gute Proteinquelle sein. EurActiv Brüssel berichtet. 

Die Internationale Plattform für Insekten als Nahrung und für die Fütterung (IPIFF) wollen Insekten als Quelle für tierische Proteine sowohl für den menschlichen Verzehr als auch für die Fütterung von Tieren anpreisen.

Bis 2050 soll die globale Bevölkerung auf neun Milliarden anwachsen. Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation schätzt, dass die Welt ihre Nahrungsmittelproduktion um 70 Prozent steigern müsste, um die Bevölkerung ernähren zu können. Die weltweite Nachfrage für tierische Proteinquellen würde sich demnach zwischen 2000 und 2050 verdoppeln. Die tierische Nahrungsmittelproduktion konkurriert bereits um Ressourcen wie Wasser, Land und Dünger. Der IPIFF zufolge sollten also Insekten eine entscheidende Rolle spielen.

Momentan sind Fischmehl und Soja einige der Hauptzutaten in der Fütterungsformel für die Fische und die Viehbestände in der EU. Doch der Organisation zufolge sollten Insekten, die ein natürlicher Bestandteil der Ernährung vieler Tiere und reich an Proteinen sind, ein Zusatz oder eine Alternative sein.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) prüft derzeit den Nutzen von Insekten für die Ernährung. Es geht dabei um Fragen der Mikrobiologie. Man will klären, ob die Industrie aufgrund von Salmonellen oder hohem Pestizidniveau Probleme bekommen könnte, sagte Antoine Hubert, IPIFF-Präsident bei einer Pressekonferenz am Montag. Keine dieser Fragen sei relevant, denn die Industrie nutze eine Hitzebehandlung und keine Pestizide, so Hubert.

„Der Hauptpunkt für die Nahrung sind Allergien. Es gibt Menschen, die gegen Proteine allergisch sind. Wir müssen das angehen, aber es würde auf den Verpackungen gekennzeichnet werden“, sagte der IPIFF-Präsident.

Die Industrie plane nicht, Insekten in Tüten in Supermarktregalen in ganz Europa zu verkaufen. Man wolle vielmehr herausfinden, wie Fette und Proteine von Insekten als Rohmaterialien genutzt und beispielsweise mit Soja und Fischmehl vermischt werden können.

Insekten sind für 2,5 Milliarden Menschen weltweit Teil der Ernährung. Das gilt für Länder von Thailand bis Mexiko, von Indien bis Kamerun.

Die IPIFF untersucht momentan nach Möglichkeiten in den bestehenden und zukünftigen EU-Regeln zu neuartigen Lebensmitteln, die die Nutzung von Insekten und Insekten-Produkten für den Lebensmittelkonsum erlauben.

Neuartige Lebensmittel sind als Lebensmittel definiert, die Nanomaterialien, Tierklonung für die Lebensmittelproduktion sowie traditionelle Nahrungsmittel aus Drittländern nutzen. Die EU-Verordnung datiert aus dem Jahr 1997 und soll wieder überprüft werden – nachdem eine Einigung 2011 an der Nutzung des Nachwuchses geklonter Tiere für die Lebensmittelproduktion scheiterte.