Gesundheitskontrollzentrum: COVID-19-Scheitelpunkt in der EU erreicht

Dr. Andrea Ammon ist die leitende Direktorin des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten. [EU2016 SK/Flickr]

Die meisten EU-Länder verzeichnen einen „erheblichen Rückgang“ der COVID-19-Fälle, erklärte die Direktorin der EU-Seuchenkontrollbehörde am Montag.

Bei einer Anhörung des Ausschusses für Umwelt und öffentliche Gesundheit des EU-Parlaments fügte Dr. Andrea Ammon, leitende Direktorin des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), hinzu, dass neben unklaren Zahlen aus Bulgarien lediglich das Vereinigte Königreich, Polen, Rumänien und Schweden „keine wesentlichen Veränderungen in den letzten 14 Tagen“ zeigten.

Tatsächlich scheinen die Daten aus Bulgarien veraltet. Bis Dienstag hatte das Land insgesamt „nur“ 1.652 bestätigte Coronavirus-Fälle sowie 78 Todesfälle gemeldet, die zweitniedrigste Gesamtzahl in der EU nach der Slowakei. Das Land könnte den Höchststand demnach schon zwischen dem 20. und 26. April überschritten haben. Aktuell hat sich die Zahl der neu gemeldeten Fälle im Bereich von 50 pro Tag eingependelt.

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Nachdem die britische Regierung ihrerseits nun die Statistiken über Todesfälle in Pflegeheimen mit denen in Krankenhäusern kombiniert hat, weist das Vereinigte Königreich inzwischen die zweithöchste Zahl an Todesfällen durch COVID-19 in Europa auf.

„Wir haben den Höhepunkt überschritten, und wir sehen jetzt einen Abwärtstrend,“ zeigte sich Premierminister Boris Johnson in der vergangenen Woche dennoch zuversichtlich.

Er wies auch die Behauptung zurück, man habe bei der Einführung von Lockdown-Maßnahmen zu spät reagiert. Johnson sagte: „Wir haben im Großen und Ganzen die richtigen Dinge zum richtigen Zeitpunkt getan.“

Frühe Warnungen

Das in Schweden ansässige ECDC hat die Aufgabe, die EU auf die Bekämpfung von Infektionskrankheiten vorzubereiten.

Dr. Ammon verteidigte gestern beim Gespräch mit den EU-Abgeordneten die Reaktionsgeschwindigkeit der Agentur bei der Beratung der EU-Kommission angesichts der Bedrohung durch das Coronavirus. Das ECDC sei frühzeitig auf „eine unerklärliche Häufung von Lungenentzündungsfällen“ in der chinesischen Region Wuhan aufmerksam geworden.

Bereits am 9. und 17. Januar habe man daher die ersten Bedrohungs- und Risikobewertungen für das neuartige Virus veröffentlicht.

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Ammon warnte auch davor, die „Leistung“ der einzelnen Regierung während der Pandemie nach der Zahl der nationalen Todesopfer zu beurteilen. Man gehe davon aus, dass die erhobenen Todesfallzahlen nicht sonderlich verlässlich sind: „Ich würde sagen, dass [Todeszahlen] kein sehr zuverlässiger Ansatz zur Klassifizierung von Ländern ist,“ so die ECDC-Direktorin.

Es sei jedenfalls davon auszugehen, dass die Zahl der Coronavirus- und Todesfälle in ganz Europa deutlich zu niedrig angegeben wird: „Wir müssen uns bewusst sein, dass viele Menschen an COVID-19 gestorben sind, ohne dass sie getestet wurden.“

Lockdown & Lockerungen

Desweiteren sei es den Lockdown-Maßnahmen in allen EU-Staaten zu verdanken, dass die Übertragungen des Virus im Vergleich zum 8. April um 45 Prozent zurückgegangen sei.

Bis gestern waren in der EU/EWR und im Vereinigten Königreich insgesamt 1.164.912 bestätigte Coronavirus-Fälle gemeldet worden.

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Da die meisten Mitgliedstaaten sinkende Infektionsraten verzeichnen, sind die Regierungen nun dazu übergegangen, die Eindämmungsmaßnahmen schrittweise zu lockern.

Ammon warnte mit Blick darauf allerdings, dass das Tragen einer Gesichtsmaske „den Menschen ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln könnte“. Sie betonte: „Es gibt nicht viele Hinweise dafür, dass das Tragen einer Gesichtsmaske das Infektionsrisiko tatsächlich verringert; und [eine Maske] kann definitiv nicht als alleinige Maßnahme eingesetzt werden.“ Das Tragen einer Schutzmaske dürfe nur als weitere Maßnahme – zusätzlich zum Social Distancing, zum Händewaschen und zur allgemeinen Kontaktvermeidung – angesehen werden.

Ammon warnte auch vor jeglicher Selbstgefälligkeit von Regierungen und Einzelpersonen und unterstrich, dass „die Menschen daran erinnert werden müssen, dass dieses Virus nicht verschwinden wird, solange wir keinen Impfstoff haben“.

Ebenso warnte sie, man könne nach wie vor nicht unbedingt davon ausgehen, dass eine Infektion mit dem Coronavirus zu zukünftiger Immunität führt.

(Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins)

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