Gesichtserkennung in Spielhallen

Face-Check, eine biometrische Gesichtskontrolle an den Eingängen von Spielhallen, soll Spielsüchtigen helfen. [chombosan/shutterstock]

Es klingt zunächst wie ein Vorschlag, der von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem Verfassungsschutz gemeinsam erarbeitet wurde: Face-Check, eine biometrische Gesichtskontrolle an den Eingängen von Spielhallen, mithilfe derer diejenigen Spieler erkannt und am Spielen gehindert werden, die sich vorher selbst als Spielsüchtige angezeigt haben.

Die Software stammt aber aus der Hand eines Unternehmens, das recht viel Geld verdient mit Spielsüchtigen: Der Gauselmann Gruppe aus dem nordrhein-westfälischen Espelkamp, die im In- und Ausland nach eigenen Angaben rund 500 Merkur-Spielotheken betreibt. Nachweislich lassen nämlich vor allem die schwer Spielsüchtigen die Kassen der vielen Casinos und Spielhallen in Deutschland klingeln, nicht die Gelegenheitsspieler.

Glücksspielsucht in Deutschland rückläufig

Der süchtige Glücksspieler ist 30, männlich und sozial eher schwächer. Doch seine Zahl nimmt in Deutschland trotz tausender Spielautomaten ab.

Funktionieren soll dieser Sicherheitsmechanismus so, dass Spieler am Eingang in eine Kamera blicken, die ein biometrisches Bild erstellt, wie man sie von Flughäfen bei der automatisierten Passkontrolle kennt. Innerhalb weniger Sekunden soll das Gesicht des Spielers mit einer Datenbank von Spielsüchtigen abgeglichen werden, die sich freiwillig sperren ließen. Außerdem sollen die Kameras auffällig junge Gesichter erkennen und dabei helfen, den schwer durchsetzbaren Jugendschutz in den Spielhallen zu gewährleisten. Wer unter 18 ist, für den geht die Tür erst gar nicht auf, er wird von einer roten Ampel abgewiesen. Spieler und Spielerinnen unter 25 Jahren sollen so jedenfalls die Theorie gezielt in den Casinos angesprochen und über die Risiken des Spielens aufgeklärt werden.

Daten werden nicht gespeichert, nicht abgeglichen

In Baden-Württemberg, teilweise in Thüringen sowie in Bielefeld oder Düsseldorf sind die Eingangskontrollen schon in den Merkur-Casinos installiert, nun sollen auch die anderen Filialen damit ausgestattet werden. Entwickelt wurde die Software von der Gauselmann-Gruppe gemeinsam mit dem Dresdner Unternehmen Cognitec. 

Man stehe voll hinter Einlasskontrollen, sagte David Schnabel, Präventionsbeauftragter bei Gauselmann zuletzt der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Die Präventionsmaßnahme lässt sich Gauselmann dann auch ordentlich etwas kosten, rund 25.000 Euro pro Spielhalle. Bei bundesweit etwa 250 Spielhallen sind das Kosten von mehr als 6 Millionen Euro.

Glücksspiel: Spielhallen wehren sich gegen neues Gesetz

Mit Inkrafttreten des neuen Glücksspielgesetzes können sich Spielhallen bald nicht mehr auf den Bestandsschutz berufen. Doch viele Betreiber legen gegen die Verfügungen Widerspruch ein – und könnten ihre Schließung so erheblich aufschieben.

Neben der löblichen Sorge um die Spielsüchtigen stellt sich jedoch die Frage, wie Face-Check sich datenschutzrechtlich lesen lässt. Von der NRW-Datenschutzbeauftragten habe man das OK erhalten, sagte der Präventionsbeauftragte Schnabel der WAZ. Denn man speichere keine Daten. Nur digitale Gesichtsmuster, sogenannte Templates, würden erfasst und mit der Datenbank abgeglichen, die die Bilder gesperrter Spieler umfasst. Gleich danach, innerhalb von 30 Sekunden, würden die Daten wieder gelöscht, es erfolge weder eine Weitergabe an Dritte noch eine Verknüpfung mit anderen Daten.

Hausinterne Gesichtserkennung soll Anonymität der Spieler wahren

Ginge es nach Schnabel, soll die Gesichtserkennung samt Ampelsystem zur Sperre in den Automaten selbst installiert werden. Daran werde bereits gearbeitet und das sei technisch machbar. Die meisten Spieler wollten anonym spielen. Müssten sie am Eingang ihren Ausweis zeigen, würde man bis zu 20 Prozent der Kunden verlieren, ist sich Schnabel sicher. Mit der hausinternen Datenbank Face-Check wolle man lediglich sicherstellen, dass niemand mehr spielt, der nicht mehr spielen will.

Die Behörde von Helga Block, Datenschutzbeauftragte in NRW, hatte die Installation der biometrischen Gesichtserkennung an den Eingängen der Merkur-Spielhallen genehmigt, so lange die Löschfristen eingehalten, Gesichter lediglich in Templates verwandelt würden und keine Weitergabe an Dritte oder Abgleiche mit polizeilichen oder anderen Datenbanken erfolgte.

Pilotprojekt zur Gesichtserkennung am Südkreuz

Vielen Datenschützern gehen diese Vorgaben nicht weit genug, sie sorgen sich darum, was mit den Daten passiert, im allgemeinen und auch, sofern sie in falsche Hände geraten. Eine unabhängige Kontrollinstanz gibt es nicht, die die Einhaltung der Vorgaben sicherstellt.

Gerade hatte das Innenministerium bekannt gegeben, dass am Berliner Bahnhof Südkreuz ein Pilotprojekt mit automatischer Gesichtserkennung und automatischer Alarmierung getestet wird. Während eines halben Jahres sollen Datenbanken mit freiwilligen Testpersonen erstellt werden.

Noch kann man diesen Kameras leicht ausweichen. Das Ministerium verwies in einer Pressemitteilung auf die „umfassenden Hinweise auf den Test und leichte Ausweichmöglichkeiten für Bahnreisende.  

Zocken bis der Arzt kommt

Trotz rückläufiger Zahlen bleibt Spielsucht ein gesellschaftliches Problem in Deutschland – bis zu 676.000 Menschen gelten als „pathologische Spieler“. Vor allem junge Männer zieht es in Spielhallen – und mit steigender Tendenz an Börsen für illegale Sportwetten.

Datenschützer sind dennoch alarmiert, unter anderem die Berliner Datenschutzbeauftragte, Maja Smoltczyk. Die Freiheit, sich in der Öffentlichkeit anonym zu bewegen, sei durch solche Maßnahmen nicht mehr gegeben, kritisierte sie die Pläne des Innenministeriums. Daten können in die Hände der Falschen geraten.

Nun verhält es sich mit der biometrischen Gesichtserkennung in Spielhallen etwas anders, diese sind kein öffentlicher Ort wie ein Bahnhof. Hausrecht hat der Inhaber, er kann Überwachungsmaßnahmen einführen, sofern er für diese rechtlich zulässige Gründe anführt.

Das gilt jedoch nur für die in solchen Orten geläufige Videoüberwachung zum Schutz vor Betrug, Vandalismus oder Diebstahl. Die Einführung von Face-Check soll nun vorrangig dazu dienen, Spielsüchtige vor sich selbst zu schützen, so zumindest begründet Gauselmann die Installationen.

Das ist an sich löblich. Für Datenschützer bleibt ein solches Verfahren dennoch problematisch, auch wenn es sich um eine Präventionsmaßnahme zum gesundheitlichen Schutz handeln soll. Gesammelte Daten an sich sind weder gut noch böse, sie sind einfach nur Daten. In den Händen der Falschen können sie großen Schaden anrichten. Und auch die Gauselmann-Gruppe kann nicht zu 100 Prozent ausschließen, dass die gesammelten Daten durch Datenleaks oder dem gezielten Diebstahl in ebensolche falschen Hände geraten.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.