„Gefährlicher Kobalt-Abbau im Kongo“

Die Demokratische Republik Kongo deckt rund die Hälfte der weltweiten Kobalt-Förderung ab. Das Erz steckt auch in Notebooks. Foto: berlin-pics / pixelio.de.

Bei der Förderung von Kobalt im Kongo sind tödliche Unfälle und Kinderarbeit an der Tagesordnung, so das Ergebnis einer Studie des Öko-Instituts. Hilft die EU den Arbeitern im Kleinstbergbau, den Wert des begehrten Erzes richtig einzuschätzen?

"Die Arbeitsbedingungen in der Kobaltproduktion im Kongo müssen verbessert werden", forderte Öko-Institut-Experte Andreas Manhart bei der Vorstellung der Studie am Montag. "Dafür sind sowohl die kongolesische Regierung, die (…) neu gewählt wird, als auch die großen Abnehmer des wertvollen Metalls in Europa mitverantwortlich."

Zwischen 67.000 und 108.000 Arbeiter fördern laut Studie im Kongo in zumeist nicht registrierten Minen Kobalt. "Jährlich sterben mehr als einhundert Menschen durch Hangrutschungen, Schachteinstürze oder Wassereinbrüche." Auch Kinderarbeit sei weit verbreitet. "19.000 bis 30.000 Kinder unter 15 Jahren bauen das Erz ab oder waschen und sortieren die geförderten Mineralien."

Kobalt steckt unter anderem in Batterien für Elektroautos, Smartphones und Notebooks. Mit jährlich 45.000 Tonnen des Metalls deckt die Demokratische Republik Kongo etwas mehr als die Hälfte der weltweiten Kobaltförderung ab. Mindestens 60 Prozent dieser Menge wird laut Studie von Arbeitern des Kleinstbergbaus mit einfachsten Mitteln abgebaut, gewaschen, sortiert und über Zwischenhändler an den Weltmarkt verkauft.

"Europäische Abnehmer sind gefragt"

Das Öko-Institut empfiehlt neben stärkeren Sicherheitsvorkehrungen in den Minen, den Arbeitern einen besseren Zugang zu Marktinformationen zu verschaffen. "Denn heute sind sie häufig in den Preisverhandlungen systematisch benachteiligt, da sie oft den wahren Wert der von ihnen geförderten Erze nicht kennen", heißt es in einer Erklärung. "Für solche Maßnahmen sind neben der Regierung im Kongo auch die europäischen Abnehmer von Kobalt oder kobalthaltigen Produkten gefragt."

Hilft die EU bei der Preistranzparenz?

Die Afrikanische Union (AU) kommt in der "African Mining Vision" (2009) zu dem Schluss, dass die Länder Afrikas ihren Wettbewerbsvorteil bei natürlichen Ressourcen bislang nicht nutzen konnten. Das EU-Parlament hält daher "die Prüfung von Maßnahmen für erforderlich, mit denen dafür gesorgt wird, dass der Ressourcenreichtum der Bevölkerung ressourcenreicher Länder zugute kommt", wie es in der Entschließung "Eine erfolgreiche Rohstoffstrategie für Europa" (September 2011) heißt.

Der grüne EU-Industriepolitiker Reinhard Bütikofer, der den Rohstoff-Initiativ-Bericht des EU-Parlaments ausgearbeitet hat, erläutert im Interview mit EURACTIV.de (19. September 2011): "Wenn wir diesen Ländern ermöglichen zu wissen, welche Rohstoffe sie haben und was diese Rohstoffe wert sind, zeigen wir Fairness." Dieser Ansatz zahle sich für die Europäer aus. 

Das EU-Parlament drängt in seiner Entschließung außerdem auf die Förderung nachhaltiger Bergbauverfahren. Die EU und Afrika sollen "bewährte Verfahren in den Bereichen verantwortungsvolles Regierungshandeln, Bergbausanierung, Gesundheit und Sicherheit, Arbeitnehmerschutz und Beseitigung der Kinderarbeit" austauschen.

Öko-Institut gegen Boykott

Das Öko-Institut rät trotz der schlechten Arbeitsbedingungen von einem Boykott des kongolesischen Kobalts ab. "Den Bergleuten vor Ort (…) würde ein wichtiger Absatzmarkt wegfallen, sodass sie entweder noch abhängiger von anderen Teilmärkten wären oder ihr Einkommen ganz verlieren würden", so Manhart. Zudem wäre ein genereller Boykott logistisch sehr aufwändig, da viele Glieder der Verarbeitungs- und Handelskette zertifiziert und regelmäßig überprüft werden müssten.

Hintergrund

Das Öko-Institut ist nach eigenen Angaben eine der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungseinrichtungen für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann.

awr

Links


Dokumente zum Artikel

Öko-Institut: Social impacts of artisanal cobalt mining in Katanga, Democratic Republic of Congo (November 2011)

Öko-Institut: Was Notebooks und Elektroautos mit dem Kongo zu tun haben – Kobaltproduktion verbessern. Pressemitteilung (28. November 2011)

Afrikanische Union: "African Mining Vision" (2009)

EU-Parlament: Bericht über eine erfolgreiche Rohstoffstrategie für Europa
(2011/2056(INI)). Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE). Berichterstatter: Reinhard Bütikofer. Angenommen am 13. September 2011.
(25. Juli 2011)

EU-Kommission: Mittelung über die Festigung der Beziehungen zwischen der EU und Afrika. COM (2010) 634 (10. November 2010)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de:

Metallmangel bremst CO2-arme Energietechnologien (31. Oktober 2011)

China verknappt Hightech-Metalle: "Weckruf für Europa"
(21. Oktober 2011)

Deutschland braucht ein Bergbauunternehmen – mit Bundesbeteiligung (18. Januar 2011)

EU: Ressourceneffizienz vs. Wettbewerbsfähigkeit? (30. September 2011)

Ressourceneffizienz: Wirtschaftliche Aktivitäten unter Öko-Vorbehalt? (20. September 2011)

Ressourcenschonendes Europa. LinkDossier

Bütikofer zur EU-Rohstoffpolitik: "Recycling, Effizienz, Fairness" (19. September 2011)

Dokumente zur EU-Ressourcen- und Rohstoffpolitik

EU-Wettbewerbsrat: Conclusions on a competitive European economy: Industrial competitiveness in the light of resource efficiency (29. September 2011)

EU-Kommission: Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa (20. September 2011)

EU-Kommission: Questions and answers on the Resource Efficiency Roadmap (20. September 2011)

EU-Kommission: "Grundstoffmärkte und Rohstoffe: Herausforderungen und Lösungsansätze". Mitteilung. KOM (2011) 25 (2. Februar 2011)

EU-Kommission: Bericht "Critical Raw Materials for the EU" (Für die EU kritische
Rohstoffe) der Ad-hoc-Gruppe der Gruppe Rohstoffversorgung der Generaldirektion
Unternehmen und Industrie
(30. Juli 2010)

EU-Kommission:
Ressourcenschonendes Europa – eine Leitinitiative innerhalb der Strategie Europa 2020. Mitteilung. KOM (2011) 21 (26. Januar 2011)

EU-Kommission:
"Fahrplan für den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen CO2-armen Wirtschaft bis 2050". Mitteilung. KOM (2011) 112 (8. März 2011)

EU-Kommission: Die Rohstoffinitiative — Sicherung der Versorgung Europas mit den für Wachstum und Beschäftigung notwendigen Gütern. KOM (2008) 699 (4. November 2010)

EU-Parlament: Bericht über eine erfolgreiche Rohstoffstrategie für Europa
(2011/2056(INI)). Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE). Berichterstatter: Reinhard Bütikofer. Angenommen am 13. September 2011.
(25. Juli 2011)

JRC:Internetseite

JRC: Report on Critical Metals in Strategic Energy Technologies. Pressemitteilung (26. Oktober 2011)

JRC: Report on Critical Metals in Strategic Energy Technologies (Oktober 2011)

NABU:Schwacher EU-Plan zur Ressourceneffizienz (19. September 2011)

BMWi: Rohstoffstrategie der Bundesregierung (Oktober 2010)

BMWi: Deutschen Rohstoffagentur

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