Frankreich stellt Antrag auf EU-weites Pestizidverbot in Gärten

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In Frankreich dürfen keine Pestizide in öffentlichen Gärten verwendet werden. [Guillaume Baviere/Flickr]

In Frankreich ist die Nutzung von Pestiziden außerhalb der Landwirtschaft verboten. Der dafür verantwortliche Senator hofft nun, die Vorschriften auch EU-weit durchzusetzen. EURACTIV Frankreich berichtet.

„Wir haben es in Frankreich geschafft. Es gibt keinen Grund, weshalb wir das Verbot nicht auch auf den Rest Europas ausweiten könnten.“ Für den Senator der französischen Grünen, Joël Labbé, entspricht es dem allgemeinen Menschenverstand, Pestizide aus Gärten zu verbannen. Daher habe er einen EU-Entschließungsantrag eingereicht, mit dem in ganz Europa die Nutzung von Pestiziden außerhalb der Landwirtschaft verboten werden soll, verkündete er am 28. März bei einer Pressekonferenz. Seine unverbindliche Entschließung fordert die EU dazu auf, die Möglichkeit zu erwägen, Privatverbrauchern und lokalen Behörden den Einsatz von Pestiziden zu untersagen.

Mit dem Labbé-Gesetz vom Januar 2014 wurde Frankreich zu ersten EU-Land, das einen solchen Schritt wagte. In der ersten Phase des Gesetzes ist es zunächst nur dem französischen Staat, Lokalbehörden und öffentlichen Einrichtungen nicht gestattet, Pestizide zu nutzen. Für Friedhöfe und Sportplätze gelten Ausnahmeregelungen.

Weniger Pestizide

Ab Januar 2019 wird es in Frankreich auch verboten sein, Amateurgärtner mit Pflanzenschutzmitteln zu versorgen. Da die große Mehrheit der landesweit verkauften Pestizide in der professionellen Landwirtschaft zum Einsatz kommt, wird das Gesetz die allgemeine Nutzung der Chemikalien um etwa zehn Prozent senken. „Frankreich ist ganz klar führend bei der Verringerung des Pestizideinsatzes, auch wenn andere Länder inzwischen ebenfalls beginnen, Maßnahmen zu ergreifen“, betont Sophie Bordères von Générations Futures.

Belgien, Luxemburg und die Niederlande setzten sich bereits ähnliche Ziele außerhalb der Landwirtschaft. „Wallonien zum Beispiel ist seit 2015 pestizidfreies Gebiet – mit einigen Ausnahmen, die jedoch bis 2019 auslaufen“, erklärt Bordères.

Auf EU-Ebene einigten sich die 28 Mitgliedsstaaten darauf, nationale Strategien zu entwerfen, um den nicht-landwirtschaftlichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu senken.

„In der Praxis ist Frankreich jedoch das einzige Land, dass seinen Aktionsplan bereits in die Tat umgesetzt hat.“

Einst der größte Pestizidnutzer in der EU – gefolgt von Spanien – bietet Frankreich mit seiner „Ecophyto“-Strategie einen klaren Fahrplan für die weitere Verringerung des Gebrauchs von agrochemischen Produkten. Von der Ausarbeitung des Plans 2008 bis zum Inkrafttreten war der Pestizideinsatz laut Daten des französischen Umweltministeriums stark angestiegen. Insbesondere in der Landwirtschaft kletterte er von 2013 bis 2014 um 9,4 Prozent nach oben. „Zwischen 2015 und 2016 ging die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln außerhalb der Landwirtschaft jedoch wieder um 14 Prozent zurück. Das ist bisher vielleicht der einzig wahre Erfolg des Ecophyto-Plans“, so die Vertreterin von Générations Futures.

Stärkeres Bewusstsein

„Die Menschen in Frankreich machen sich immer mehr bewusst, welche gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen Pestizide haben können“, so Labbé. „Jetzt muss der Text von den Ausschüssen überprüft werden und sollte dann spätestens in zwei bis drei Monaten soweit sein.“

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Für die EU sind Pestizide eine besonders heikle Angelegenheit. Am 15. März erklärte die Europäische Chemikalienagentur (ECHA), dass die vorliegenden Nachweise nicht ausreichen würden, um den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat als krebserregend einzustufen, der unter anderem in Monsantos Kassenschlager RoundUp enthalten ist. Diese Einschätzung könnte die Entscheidung der EU-Kommission beeinflussen, ob die chemische Substanz eine neue Marktzulassung erhält oder nicht. Viele NGOs und Mitgliedsstaaten, darunter Frankreich, bevorzugen ein Verbot.

Das EU-Zulassungsverfahren für Pestizide erntete bereits wiederholt Kritik, insbesondere von der Bürgerbeauftragten Emily O’Reilly. Das Vorsorgeprinzip werde nicht konsequent angewendet, so der Vorwurf.

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Weitere Informationen

Frankreich

EU-Kommission

 

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