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18/01/2017

Foodwatch will Energydrinks für Jugendliche verbieten

Gesundheit und Verbraucherschutz

Foodwatch will Energydrinks für Jugendliche verbieten

Energydrinks seien vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt, erklärte Foodwatch. Durch den süßen Geschmack und die gezielte Werbung mit Extremsportlern seien die kalten Getränke nicht vergleichbar mit stark koffeinhaltigem Kaffee.

[reynermedia/Flickr]

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat Ernährungsminister Christian Schmidt  zu einem Verkaufsverbot von Energydrinks für Jugendliche aufgefordert. Anstoß ist eine aufrüttelnde Studie der Europäischen Lebensmittelbehörde efsa.

Eine am Mittwoch veröffentlichte Untersuchung der Europäischen Lebensmittelbehörde efsa über die schädlichen Wirkungen von zu viel Koffein zeigt, dass Jugendliche durch den übermäßigen Konsum von Energydrinks ihrer Gesundheit schaden.

Experten der Weltgesundheitsorganisation würden schon länger eine Altersbeschränkung für den Verkauf der Wachmacher empfehlen, erklärte Foodwatch am Donnerstag in Berlin. Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung lehne dies aber bislang ab. Minister Schmidt ignoriere „beharrlich alle Warnungen“, kritisierte Oliver Huizinga von Foodwatch.

Laut efsa liegt die Unbedenklichkeitsschwelle bei Heranwachsenden bei rund drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht. Dies sind beispielsweise zwei koffeinhaltige Limonaden mit insgesamt 150 Milligramm für einen 50 Kilo wiegenden Jugendlichen.

Die im italienischen Parma ansässige Behörde hat für ihre Einschätzung bereits existierende Studien und Daten in großem Maßstab ausgewertet. Mehrere EU-Staaten hatten sie dazu aufgefordert, weil sie Bedenken zu möglichen schädlichen Wirkungen von Koffein insbesondere für Herz und Gefäße sowie das zentrale Nervensystem hatten.

Energydrinks seien vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt, erklärte Foodwatch. Durch den süßen Geschmack und die gezielte Werbung mit Extremsportlern seien die kalten Getränke nicht vergleichbar mit stark koffeinhaltigem Kaffee. „Hochverzehrer“ seien besonders gefährdet, Nebenwirkungen wie Herz-Rhythmus-Störungen, Krampfanfälle oder Nierenversagen zu erleiden. Die Verbraucherorganisation fordert das Verkaufsverbot seit Sommer 2013.

Die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg) hält ein Verbot für „unverhältnismäßig“. Der Anteil von Energydrinks an der gesamten täglichen Koffeinaufnahme sowohl bei Kindern wie auch bei Jugendlichen liege in Deutschland unter einem Prozent. Damit sei der Beitrag von Energydrinks zur Koffeinaufnahme auch in dieser Altersgruppe gering, erklärt die Vereinigung.

Der Bund muss laut wafg statt den Verkauf an Jugendliche zu verbieten, das Verständnis der Verbraucher für die ihnen bereits angebotenen Informationen stärken – das gelte besonders mit Blick auf Einzelfällen, in denen der Konsum von Koffein übliche Mengen überschreite,

Über vier Espressi täglich können Gesundheit schaden

Eine weitere Erkenntnis der efsa-Studie: Wer täglich mehr als vier starke Espressi oder andere Getränke mit ähnlich viel Koffein trinkt, kann seiner Gesundheit schaden. So können über 400 Milligramm Koffein pro Tag für erwachsene Menschen gesundheitsschädliche Folgen haben. Ein Espresso enthält rund 70 bis 100 Milligramm Koffein.

„Die Gefahr für die Gesundheit ist nicht riesig, aber sie existiert“, sagte ein Efsa-Sprecher. „Die wichtigste Botschaft ist, dass die Verbraucher die verschiedenen Quellen von Koffein neben dem Kaffee berücksichtigen müssen“, sagte er. Außer Kaffee enthalten beispielsweise Tees, Cola-Getränke und Energy-Drinks Koffein.

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