Europaabgeordnete: „EU verschweigt Gefahren durch ‚böses‘ Cholesterin“

Falsche Ernährung ist die Hauptursache für zunehmende Werte schlechten Cholesterins bei jungen Menschen. Foto: [jeffreyw/Flickr]

Immer mehr Europäer sind von einem erhöhten Cholesterinspiegel betroffen. Europaparlamentarier schlagen Alarm: Sie werfen der EU und den Mitgliedsstaaten vor, nicht genug zum Schutz der Bürger vor den Gefahren hoher Cholesterinwerte zu unternehmen.

Die beiden Europaabgeordneten Roberta Metsola von der Europäischen Volkspartei (EVP) und die Sozialdemokratin Marlene Mizzi (S&D) schickten kürzlich schriftliche Anfragen an die EU-Kommission. Darin fordern sie Informationen zu europäischen Strategien zur Bekämpfung von schlechtem Cholesterin.

Immer mehr Europäer sind von einem erhöhten Cholesterinspiegel betroffen. Gesundheitsprogramme übersehen diese gefährliche Erkrankung jedoch oft.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden 133,3 Millionen Menschen allein in den fünf bevölkerungsreichsten Ländern der EU (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Vereinigtes Königreich) an hohen Cholesterinwerten. 54 Prozent der Männer und Frauen in ganz Europa sind davon betroffen. Und die Zahlen steigen weiter an.

Europaabgeordnete sind besorgt

In ihren Fragen an die Kommission äußern Metsola und Mizzi ihre Sorge darüber, wie schnell sich erhöhte Cholesterinwerte in Europa ausbreiten und über die daraus entstehende Gefahr für EU-Bürger. Sie werfen der EU und den Mitgliedsstaaten vor, nicht genug zum Schutz der Bürger vor den Gefahren hoher Cholesterinwerte zu unternehmen.

Die Kommission habe keine speziellen Programme zur Bekämpfung schlechten Cholesterins, aber es gebe mehrere Initiativen, die sich auf die Erforschung der Erkrankung und die Schärfung des Bewusstseins dafür konzentrieren, schreibt Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis in seiner Antwort auf die Anfrage Metsolas.

Einige Forschungsprojekte zur Analyse der Behandlungskosten und Verringerung des akuten Koronanzsyndroms erhalten Fördermittel aus Horizon 2020 – dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation und aus EUROTRACS.

Diese EU-Programme verteilen 30 Millionen Euro auf zwölf Forschungsprojekte, bei denen es um die künstliche Herstellung „bösen“ Cholesterins und mögliche Behandlungen geht.

Nicht genug Entdeckungen, nicht genug Informationen

Alberto Catapano zufolge, der Professor für Pharmakologie in Mailand ist, werden die Informationen rund um das Thema schlecht kommuniziert.

Hohe Werte schlechten Cholesterins hängen für gewöhnlich mit der Ernährung zusammen. Allerdings können sie auch erblich bedingt sein.

Das ist die „Familiäre Hypercholesterinämie“. Viele Europäer würden nie auf die Erkrankung untersucht werden und keine Behandlung bekommen, erklärt Catapano. Damit seien sie ihr ganzes Leben lang einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten ausgesetzt. Ihm zufolge muss die EU mehr in Bildung, Vorbeugung und die Erforschung chronischer Krankheiten investieren.

Junge Menschen immer mehr betroffen

Nach Angaben des Französischen Kardiologenverbandes (FCC) gingen 2008 in Frankreich 28 Prozent aller vorzeitigen Todesfälle auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück.

Medizinische Eingriffe sind bei jungen Menschen selten. Ihre Ernährungsgewohnheiten führen in zunehmendem Maße zu Problemen mit überhöhten, schlechten Cholesterinwerten. Zur Bekämpfung dieses Trends muss die EU die Bürger dazu ermutigen, sich von klein auf ausgewogen zu ernähren.

Experten fordern auch die Verbesserung der Informationen und Früherkennungsprogramme, um bestmögliche Behandlungsmethoden zur Verfügung stellen zu können.

Im weltweiten Vergleich leiden die Europäer am meisten unter zu hohen Cholesterinwerten. 54 Prozent aller Europäer sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) davon betroffen.

Einem Bericht der Cardiovascular Resource Group von 2011 zufolge leiden in den fünf größten EU-Mitgliedsstaaten (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich) 133,3 Millionen Menschen an erhöhten LDL-Cholesterinwerten. In den USA sind 135,1 Millionen Menschen davon betroffen.

Die Statistiken in dem Bericht zeigen einen kontinuierlichen Anstieg der Zahlen in den letzten Jahren.

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