Entscheidend ist, was hinten rauskommt: EU-Parlament, ADAC und TÜV sind sich jedoch nicht einig, wie sinnvoll es ist, Schadstoffmengen direkt an Auspuffen zu messen, oder ob die sogenannte digitale Eigendiagnose von Fahrzeugen ausreicht.
Das EU-Parlament stimmte jüngst für die verpflichtende Messung von Abgasen im Rahmen der Abgasuntersuchung. Diese sogenannte Endrohrmessung steht dem Beschluss des Verkehrsministerrates vom Januar 2013 entgegen, der für moderne Kraftfahrzeuge die Abgasuntersuchung auch durch Onboard-Diagnose-Systeme (OBD) vorsah.
Laut "ADAC Motorwelt" plant das EU-Parlament, bei der Abgasuntersuchung (AU) die generelle Messung am Auspuff-Endrohr wieder einzuführen. Der Autofahrerclub rechnet mit Mehrkosten für die Autofahrer von rund 200 Millionen Euro pro Jahr.
Diese Endrohrmessung sei heute nicht mehr bei allen Fahrzeugen erforderlich. Nach Ansicht des ADAC sei diese "antiquierte Methode" bereits im Jahr 2006 durch die digitale Eigendiagnose der Fahrzeuge ersetzt worden, die Fehler im Abgassystem zuverlässig erfasse. Das bestätige auch eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).
ADAC-Vizepräsident für Technik Thomas Burkhard kritisierte: "Die geplante zusätzliche Abgasmessung am Auspuff ist technischer Stand der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts und völlig sinnlos. Wieder einmal versuchen die Prüforganisationen im Verbund mit der EU, den Autofahrern noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen."
Die Angesprochenen sehen das anders. "Aus unserer Erfahrung reicht die digitale Eigendiagnose nicht aus", kontert Johannes Näumann, Sprecher des Verbandes der TÜV e.V. (VdTÜV). "Wir halten daher die zusätzliche Endrohrmessung zur tatsächlichen Erfassung der Schadstoffmenge sehr wohl für notwendig."
Darüber hinaus stimmte das EU-Parlament für die Messung der Stickoxide bei der Abgasuntersuchung (NOx). Problem laut ADAC: Es gebe kein geeignetes Verfahren, da Stickoxid-Emissionen nur bei hoher Motorbelastung entstehen. Um realistische Ergebnisse zu erhalten, müsste somit jede Prüfstelle in Europa mit einem Lastprüfstand und neuer Abgasmesstechnik ausgerüstet werden, was immense Kosten verursachen würde.
Der Autofahrerclub hält den Stand der Technik bei der Abgasuntersuchung moderner Kraftfahrzeuge, also das Auslesen und Bewerten der OBD-Daten aus dem Motorsteuergerät, für ausreichend. "Es kann und darf nicht sein, dass alle Autofahrer in Europa für eine auf falschen Informationen beruhende und unverhältnismäßige Entscheidung der EU bezahlen müssen."
Deshalb fordere der ADAC die drei beteiligten EU-Organe – Kommission, Parlament und Ministerrat – auf, in den anstehenden Verhandlungen über die regelmäßige technische Überwachung zwei Punkte zu beschließen, nämlich die Abgasuntersuchung durch Auslesen und Prüfung der ordnungsgemäßen Funktion der bordeigenen Diagnosesysteme der Fahrzeuge (OBD), sowohl bei Otto- als auch bei Dieselmotoren, oder aber die Endrohrmessung, und zweitens Verzicht auf die Messung der Stickoxide (NOx). Entsprechend diesem Mindeststandard könnte dann jeder EU-Mitgliedsstaat ein geeignetes Verfahren für die Abgasuntersuchung festlegen.
Eine weitere Verschärfung der TÜV-Untersuchungen ist jedoch vom Tisch. Vor einigen Monaten hatte die Kommission Aufsehen erregt, weil sie Autos mit mehr als 160.000 Kilometern oder ab dem siebenten Betriebsjahr jedes Jahr zum TÜV schicken wollte.
ekö
