EU-Parlament mit neuen Vorgaben für Müllverwertung

Die EU Abfallvermeidung durch Kreislaufwirtschaft stärken.

Das EU-Parlament will mehr Recycling und weniger Plastikmüll in den Meeren. [Martin Abegglen/Flickr]

Etwa 100.000 Tonnen Plastik landen jährlich in den europäischen Meeren, ganze Berge von Hausmüll auf Deponien. Zur Beendigung dieser Missstände hat das EU-Parlament am gestrigen Mittwoch vier Gesetze verabschiedet, die das Recyceln von Abfällen deutlich ankurbeln sollen.

Den vom EU-Parlament verabschiedeten Gesetzen zufolge müssen bis zum Jahre 2030 mindestens 60 Prozent der Haushaltsabfälle recycelt werden, bis 2035 muss die Quote 65 Prozent betragen. Von allen Verpackungen müssen bis 2030 zudem 70 Prozent wiederverwendet werden, wobei für Pappe, Kunststoffe, Glas, Metall und Holz unterschiedliche Zielvorgaben gelten. Deutschland erfülle diese Quoten bereits.

Den neuen Vorschriften zufolge müssen Textilien und „gefährliche Abfälle“ aus Haushalten, etwa Batterien oder Akkus, ab 2025 getrennt gesammelt werden. Biologisch abbaubare Abfälle müssen ebenfalls in Spezialcontainern entsorgt oder zu Hause kompostiert werden.

Bis 2035 soll zudem der Anteil von Hausmüll, der auf Deponien landet, auf maximal zehn Prozent reduziert werden. Deutschland, Belgien, Dänemark und Österreich verzichten bereits seit 2014 auf diese für die Umwelt besonders schädliche Entsorgung. In Griechenland, Lettland, Malta, Kroatien und Zypern hingegen landen noch mehr als drei Viertel der Abfälle auf Müllkippen.

„Abfalldeponien sollten zum Auslaufmodell werden, Recycling zum lohnenden Geschäftsmodell“, betonte der SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen. Bei den Verhandlungen mit dem Rat der EU-Staaten habe das Parlament durchgesetzt, Abfälle in den Meeren und Nahrungsmittelabfälle bis 2030 zu halbieren. Ziel sei es, möglichst viele Rohstoffe so lange wie möglich zu verwenden, erläuterte CDU-Umweltexperte Karl-Heinz Florenz. Die EU könne es sich nicht leisten, weiterhin jährlich 2,5 Milliarden Tonnen Rohstoffe zu verlieren, weil diese nicht wiederverwendet werden.

Studie: Plastikverpackungen dämmen Lebensmittelverschwendung nicht ein

Laut einer neuen Studie könnten Plastikverpackungen das Problem der Lebensmittelverschwendung in Europa eher anheizen als bekämpfen.

Die EU will auch die Berechnungsmethode für die Recycling-Quote vereinheitlichen: Aktuell gilt in vielen Ländern – darunter auch Deutschland – schon das als recycelt, was zur Wiederverwertung gesammelt oder vorsortiert wird. Mit der neuen Regulierung würden Abfälle nur als recycelt gelten, wenn sie die Sortierbetriebe tatsächlich wieder als Rohstoff verlassen. Unter diesen Voraussetzungen würde die deutsche Quote von 66 Prozent auf 52 bis 47 Prozent fallen, wie es in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) heißt.

Auf die neue Abfallrichtlinien hatten sich Unterhändler des Parlaments und der EU-Staaten bereits im Dezember geeinigt. Die Vorschriften können daher in Kürze in Kraft treten.

Laut IW-Analyse nimmt die Müllmenge in Europa generell ab – zwischen 2005 und 2016 um vier Prozent. Deutschland ist allerdings eine Ausnahme: Hier stieg der Müllberg in dem Zeitraum um elf Prozent. Jeder Deutsche produzierte 2016 im Schnitt 626 Kilo Müll. Damit war Deutschland EU-weit auf Platz vier. Spitzenreiter sind die Dänen mit 777 Kilogramm pro Kopf.

Hintergrund

Die Europäer erzeugen jedes Jahr 25 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle. Wie mit Plastik in der EU künftig umgegangen werden soll, hat die EU-Kommission hat die EU-Kommission im Januar bei der Vorstellung einer europäischen Plastikstrategie dargelegt. „Wenn wir nicht die Art und Weise ändern, wie wir Kunststoffe herstellen und verwenden, wird 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische“, sagte damals der Erste Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans. „Die einzige langfristige Lösung besteht darin, Kunststoffabfälle zu reduzieren, indem wir sie verstärkt recyceln und wiederverwenden. Mit der EU-Strategie für Kunststoffe treiben wir ein neues, stärker kreislauforientiertes Geschäftsmodell voran. Wir müssen in innovative neue Technologien investieren, die unsere Bürger und unsere Umwelt schützen und gleichzeitig unsere Industrie wettbewerbsfähig halten.“ Mit der Vorlage der Kommissionsstrategie lag es nun am EU-Parlament sich mit dem Thema zu befassen und eine Position zu entwickeln.

Weitere Informationen

Katainen: Wir müssen den Plastikmarkt verändern

Die EU-Kommission denkt über Anreize zur Steigerung der Nachfrage nach recyceltem Plastik nach, sagt Vizepräsident Jyrki Katainen im Interview.

Oettinger: Mit Plastiksteuer und Emissionshandel gegen das Brexit-Finanzloch

Die EU-Kommission will mit einer Plastiksteuer und einer Reform des Emissionshandels nach dem Brexit das entstandene Haushaltsloch stopfen.

Subscribe to our newsletters

Subscribe