EU-Institutionen müssen sich auf neue Richtlinien zur Lebensmittelverschwendung einigen

Laut Schätzungen werden in Großbritannien jährlich 15 Millionen Tonnen Nahrung verschwendet, während rund 41 Millionen Tonnen in Läden und auf Märkten gekauft werden. [Taz/Flickr]

Am gestrigen Mittwoch setzten der Europäische Rat, die Kommission und das Parlament die Gespräche über ihre Politik der nächsten 14 Jahre zum Thema Lebensmittelverschwendung fort. Aktivisten rufen die Institutionen auf, „die Latte hoch“ zu legen. Ein Bericht von EURACTIV-Medienpartner edie.net.

Die Verhandlungen über die zukünftige EU-Politik gegen Lebensmittelverschwendung werden vermutlich weitere zwei Monate andauern. In ihnen wird sich entscheiden, ob es bindende Regeln für die Menge an Nahrung geben wird, die vom Erzeuger bis zum Verbraucher gelangen muss. Die Kommission und der Rat werben allerdings für lockere Gesetze.

Im März 2017 hatte das Parlament für eine Einführung solcher Sätze für Lebensmittel, die den Endverbraucher erreichen müssen (engl.: “farm-to-fork”), gestimmt. Dadurch soll die Lebensmittelverschwendung in der EU um 30 Prozent bis 2025 und um 50 Prozent bis 2030 gesenkt werden. Diese Entscheidung wurde auch duch eine Kampagne von This Is Rubbish beeinflusst, die von mehr als 50 Organisationen in 18 Ländern unterstützt wurde und mehr als 70000 Unterschriften sammelte.

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Das Parlament vertritt in den Verhandlungen also die Position, dass Ziele für die Lebensmittelverschwendung bis 2020 bindend werden sollen. Das muss von der Kommission angenommen werden. Außerdem will das Europaparlament eine „Lebensmittelverschwendungs-Hierarchie“ erstellen, in der Weiterverteilung und -verwertung gegenüber anderen Maßnahmen – beispielsweise dem Verbrennen von überschüssiger Nahrungsmittel zur Energiegewinnung – bevorzugt würden.

Der Rat und die Kommission fokussieren sich allerdings auf Ziele, die nicht die gesamte Lebensmittel-Wertschöpfungskette beachten und wehren sich gegen bindende Gesetze. Für This-is-Rubbish-Aktivist Martin Bowman sind die derzeitigen Verhandlungen der „finale Showdown“ zwischen den drei Institutionen. Er mahnt, sie müssten ihre Kräfte bündeln.

„Nach jahrelangen Verhandlungen nähern wir uns jetzt dem finalen Showdown, der entscheiden wird, wie die EU-Regeln zur Lebensmittelverschwendung in den nächsten 14 Jahren aussehen werden. Es geht um Alles”, so Bowman. Seine Organisation verurteile die „schwache Haltung des Europäischen Rates und der Kommission beim Thema Lebensmittelverschwendung, und wir rufen sie dringend dazu auf, die Latte höher zu legen und sich hinter die ambitionierten Ziele des Europäischen Parlaments zu stellen.“ Bindende farm-to-fork-Ziele seien dringend notwendig, um Gefahren wie den Klimawandel, Wasserverschwendung und Lebensmittelknappheit zu bekämpfen.

Während die Nahrungsproduktion für 8 Prozent der globalen Treibhausgase verantwortlich ist, entstehen laut der FAO durch Lebensmittelverschwendung wirtschaftliche Verluste von 940 Milliarden Dollar jährlich.

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Die EU-Verhandlungen werden auch weiterhin Großbritannien betreffen; nicht nur, weil die Gesetze implementiert werden könnten, bevor das Land die EU verlässt. Wenn abgeschwächte Ziele gesteckt würden, könnte das Land auch seine Verpflichtungen nach Punkt 12.3 der Sustainable Development Goals (SDGs) nicht einhalten. Aktivisten rufen ihre britischen Minister deswegen dazu auf, den Vorschlag des Parlaments zu unterstützen.

Laut Schätzungen der Organisation WRAP werden in Großbritannien jährlich 15 Millionen Tonnen Nahrung verschwendet, während rund 41 Millionen Tonnen gekauft werden. Die Verschwendung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg beträgt also fast ein Drittel der Lebensmittel, die in Läden und auf Märkten verkauft werden.

Der Kommission wurde schon häufiger vorgeworfen, sich Industrielobbyisten zu beugen und Lebensmittelverschwendung nicht konsequent genug anzugehen. Aktivist Bowman fordert daher: „Die Ziele, Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren, müssen sich auf die gesamte Wertschöpfungeskette beziehen. 59 Prozent der Verschwendung in der EU passiert nämlich, bevor die Nahrungsmittel die Supermärkte erreichen.“

Wichtig sei, dass die Ziele verbindlich sind. „Wir haben oft genug gesehen, dass freiwillige Richtlinien nicht voll umgesetzt werden und unzureichende Ergebnisse liefern, wohingegen verbindliche Verordnungen zu schnellen und dramatischen Verbesserungen führen. Jetzt ist die große Gelegenheit für den Rat und die Kommission, die ambitionierten Ziele des Parlaments zu unterstützen.“

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