EU-Gesundheitskommissar: E-Zigaretten sind nicht „cool“

EU Europa Nachrichten

Royal College of Physicians: "Die Öffentlichkeit kann sich sicher sein, dass E-Zigaretten um Einiges sicherer sind als [normale] Zigaretten." [Vaping360/ Flickr]

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis stellt sich gegen Werbekampagnen für E-Zigaretten. Sie verleiten junge Menschen zum Rauchen und sollten ihm zufolge Warnhinweise enthalten. EURACTIV Brüssel berichtet.

Immer mehr junge Briten geben das traditionelle Rauchen auf. Stattdessen greifen sie zur E-Zigarette – und das um Einiges schneller als sonst wer in Europa, so das Ergebnis eines aktuellen Ernst&Young-Berichts im Auftrag von British American Tobacco. Den Experten zufolge wechselte in den letzten vier Jahren alle vier Minuten ein Brite zum sogenannten Vaping.

2,2 Millionen Menschen in Großbritannien nutzen inzwischen E-Zigaretten. Das entspricht einem Anstieg von 55 Prozent in nur drei Jahren. In Frankreich greifen 1,5 Millionen Raucher zur E-Zigarette, in Italien 760.000 und in Deutschland 750.000.

„Die Anzahl von Polen, die E-Zigarette rauchen, ist in den letzten drei Jahren um fast 250 Prozent in die Höhe geschossen und liegt derzeit bei 756.000 Personen“, heißt es im Bericht. Dieser hebt außerdem hervor, dass 850.000 Briten mithilfe der E-Zigarette komplett mit dem Rauchen aufgehört haben. In Frankreich gaben etwa 50 Prozent das traditionelle Rauchen auf.

Dies könnte mit den Aussagen der Exekutivagentur Public Health England des britischen Gesundheitsministeriums zusammenhängen. Gemeinsam mit anderen Quellen hatte sie bekräftigt, E-Zigaretten seien 95 Prozent weniger schädlich als normale Zigaretten. Vapers, wie sich die Nutzer von E-Zigaretten nennen, setzen eigenen Angaben nach auf die neue Option, weil auch sie sie für weniger schädlich halten und sie ihnen dabei geholfen hätten, das Rauchen zu reduzieren oder ganz aufzugeben.

Vergangenen April veröffentlichte auch das Royal College of Physicians, ein britischer Berufsverband für bessere Arbeitspraktiken in der Medizin, einen Bericht zu E-Zigaretten. Dieser argumentiert, dass die neuen Glimmstängel der öffentlichen Gesundheit in Großbritannien zuträglich seien. „Raucher können daher versichert und ermutigt werden, sie zu nutzen. Auch die Öffentlichkeit kann sich sicher sein, dass E-Zigaretten um Einiges sicherer sind als [normale] Zigaretten“, so der Bericht.

Britische Studie: E-Zigaretten sind eine gesündere Alternative zum Rauchen

Eine Studie von Public Health England kommt zum Ergebnis, dass Elektronische Zigaretten 95 Prozent harmloser sind als normale Zigaretten. EURACTIV Frankreich berichtet. 

Andriukaitis: „Inakzeptabel“

Auf Nachfrage EURACTIVs reagierte Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis entrüstet. „Ich bin dagegen, E-Zigaretten als neue coole Sache für junge Leute zu bewerben. Das ist einfach inakzeptabel“, warnt er. „Es ist unsere Aufgabe, sicherzustellen, dass Kinder nicht mit dem Rauchen anfangen und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um dieser Botschaft Gehör zu verschaffen.“

Wie auch bei anderen Tabakprodukten müsse man die gesundheitlichen Folgen elektronischer Glimmstängel genau im Auge behalten, betont der EU-Gesundheitschef. „Daher haben wir im EU-Recht besondere Sicherheitsstandards für E-Zigaretten vorgesehen. Sie müssen Warnhinweise aufweisen. Wenn sie verkauft werden, um beim Tabakentzug zu helfen, muss das in ordnungsgemäßer Weise geschehen und ihr Konsum sollte von einem Spezialisten mitverfolgt werden.“

EU-Kommission

Ernst & Young

Royal College of Physicians

Erster "Nanny-Staat"-Index: Finnland an der Spitze

Finnland ist in Sachen Alkohol, E-Zigaretten, Tabak, Lebensmittel und Getränke das am stärksten regulierte Land Europas. Dicht dahinter liegen Schweden, Großbritannien und Irland – so die Ergebnisse eines neuen Kindermädchenstaat-Indexes. EURACTIV Brüssel berichtet.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.