EU-Gesundheitsagentur: Legionellen-Ausbruch kann mit besseren Kontrollen reduziert werden

Legionellen-Bakterien entwickeln sich vor allem in warmem, stehendem Wasser. [SHUTTERSTOCK]

Ein erneuter Ausbruch des Legionella-Bakteriums in der belgischen Region Flandern hat die sogenannte „Legionärskrankheit“ einmal mehr ins Rampenlicht gerückt. Nach Angaben der EU-Agentur für die Kontrolle von Infektionskrankheiten breitet sich die Krankheit in Europa rasch aus.

Nach Angaben der regionalen Gesundheitsbehörden Belgiens sind in Evergem, einer zum Hafen von Gent gehörenden Gemeinde, 32 Menschen mit Legionellen infiziert worden. Zwei Patienten seien bereits an den Folgen der Legionärskrankheit gestorben.

Erste Krankheitssymptome traten bei einigen Patienten zwischen dem 29. April und dem 6. Mai auf, während eine zweite Gruppe zwischen dem 7. und dem 10. Mai Symptome der Legionärskrankheit zeigte.

Die Staatsanwaltschaft in Ostflandern hat inzwischen eine eigene Untersuchung eingeleitet, während die belgischen Bundesbehörden nun für die Bewältigung des Ausbruchs, einschließlich der Durchführung von weiteren Kontrollmaßnahmen, zuständig sind.

Wissenschaftler und Kommission streiten sich über die Erkennung des Legionellenrisikos

Einige Forscher und Wissenschaftler haben den Ansatz der Europäischen Kommission zur Bewertung des Risikos von Lungenentzündungen verursachenden Bakterien in der Trinkwasserrichtlinie (DWD) während Veranstaltung im Europäischen Parlament scharf kritisiert.

Nach Angaben der flämischen Agentur für Versorgung und Gesundheit in Belgien könnte die lokale Papierfabrik des Zellstoffunternehmens Stora Enso Ursprung des jüngsten Legionellenausbruchs in Flandern sein. „Das Werk hat in enger Zusammenarbeit mit den Behörden und mit internationalen und nationalen Legionellenexperten Maßnahmen wie Probenahme und Desinfektion ergriffen,“ erklärte Werksleiter Chris De Hollander in einer Pressemitteilung.

Er fügte auch hinzu, dass das Unternehmen beschlossen habe, den werkseigenen Kühlturm für eine gründliche, einmalige Reinigung und Desinfektion mit der Genehmigung der flämischen Gesundheitsbehörde abzuschalten.

Nach der Kontamination mit Legionellen hat die Gemeinde Evergem bereits eine Beschwerde eingereicht. Die Stadt werde auch die potenziellen Gerichtskosten der Anwohnerinnen und Anwohner übernehmen, die um Rechtsbeistand bitten. Außerdem haben die Betroffenen der Epidemie angekündigt, eine Sammelklage gegen das angeblich verantwortliche Unternehmen einzureichen.

EU-Kontrollzentrum warnt

Für das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ist die Überwachung von Ausbrüchen – beispielsweise der Legionärskrankheit – Teil der täglichen Routinearbeit. Dazu gehören auch Aktivitäten zur Aufklärung und Überwachung von Epidemien und der Betrieb des „Krankheitsnetzes“ ELDSNet, das über alle reisebedingten Fälle berichtet.

Die neuesten Informationen über den Ausbruch der Legionärskrankheit sind in der wöchentlichen Zusammenfassung der Agentur zu finden. Dort werden alle Aktivitäten zur Aufklärung von Epidemien in Bezug auf übertragbare Krankheiten, die für die EU von Bedeutung sind, zusammengefasst.

„‚Die Legionärskrankheit nimmt in der Europäischen Union und im Europäischen Wirtschaftsraum zu,“ bestätigt Johanna Takkinen, Leiterin des Krankheitsprogramms Lebensmittel- und wasserbedingte Krankheiten und Zoonosen bei der EU-Agentur, gegenüber EURACTIV.com.

„Die meisten gemeldeten Fälle sind punktuell, aber auch Ausbrüche in ganzen Kommunen werden jedes Jahr an das ECDC gemeldet“, fügt sie hinzu.

Klimawandel führt zur Ausbreitung von Lungenentzündung verursachenden Bakterien

Ein wärmeres Klima und die alternde Bevölkerung Europas schaffen einen günstigen Nährboden für Legionella-Bakterien, die eine Art Lungenentzündung verursachen, die als Legionärskrankheit bekannt ist, wie Professor Martin Exner in einem Interview erklärte.

Der steigende Trend bei der Gesamtzahl der Fälle seit 2013 und insbesondere seit 2017 wird laut ECDC wahrscheinlich durch mehrere Faktoren angetrieben, darunter eine verbesserte Überwachung, eine alternde Bevölkerung, das veränderte Reise- und Mobilitätsverhalten sowie Änderungen der Klima- und Wetterfaktoren.

Die medizinischen Berater der EU sind sich außerdem sicher, dass regelmäßige Kontrollen auf das Vorhandensein von Legionellenbakterien und geeignete Kontrollmaßnahmen für technische Wassersysteme das Auftreten der Legionärskrankheit in Touristenunterkünften und Krankenhäusern, Einrichtungen der Langzeitversorgung oder anderen Einrichtungen, in denen größere Bevölkerungsgruppen mit höherem Risiko ausgesetzt sein könnten, wohl verhindern oder zumindest einschränken dürften.

Die tödliche Variante

Das Legionellen-Bakterium entwickelt sich hauptsächlich in warmen, stehenden Gewässern. Die Legionärskrankheit wiederum entsteht durch Einatmen von Aerosolen, die das Legionellenbakterium tragen, wobei die Infektion zu einer Lungenentzündung führen kann.

Es gibt mehr als 60 offiziell beschriebene Legionella-Arten. Nach Angaben der wichtigsten Gesundheitsbehörden wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem ECDC selbst werden jedoch 96 Prozent oder mehr Fälle durch nur eine bestimmte Art, Legionella pneumophila, verursacht. Diese kann auch zur schlimmstenfalls tödlichen Form der Lungenentzündung führen.

„Kliniker sollten sich der Krankheit bewusst sein, insbesondere wenn eine atypische Lungenentzündung bei Personen mit erhöhtem Risiko diagnostiziert wird“, so Takkinen vom ECDC.

„Erhöhtes Risiko“ bestehe für Menschen im Alter von über 50 Jahren und Menschen mit vorherigen Erkrankungen.

Europäer bekommen Recht auf sauberes Trinkwasser

Die EU-Bürgerinitiative Right2Water war eine der erfolgreichsten, seit dieses Instrument 2009 eingeführt wurde. Gestern hat die Kommission auf den Erfolg der Kampagne reagiert.

Derweil wird die Frage der Überwachung auf die Legionärskrankheit auch in Anhang III der neuen Trinkwasserrichtlinie der EU angesprochen, einem wichtigen Gesundheitsdossier für die anstehende finnische EU-Ratspräsidentschaft.

Die Verhandlungen zwischen den zuständigen Ministerinnen und Ministern mit dem Europäischen Parlament zur Annahme eines gemeinsamen Textes für die Richtlinie, die die vor mehr als 20 Jahren festgelegten Standards für die europäische Wasserqualität aktualisieren soll, dürften noch vor Ende dieses Jahres beginnen.

Die derzeitige Position des Rates hat jedoch bereits zu einiger Kritik geführt, insbesondere mit Blick auf die Regelung der mikrobiologischen Parameter für Legionella pneumophila. Die Haltung der EU-Staaten stehe offenbar nicht mit dem sogenannten risikobasierten Ansatz zur Überwachung der Wasserqualität in Einklang.

Dieser Ansatz besteht darin, die Kosten für die Überwachung zu senken und gleichzeitig die höchstmögliche Qualität des Trinkwassers zu gewährleisten, wobei der Schwerpunkt auf die Parameter gelegt wird, die der menschlichen Gesundheit am ehesten schaden könnten.

So soll die Überwachung idealerweise „rationalisiert“ und im Falle schwerer Gesundheitsgefährdungen Zeit eingespart werden.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Samuel Stolton]

Grundwasser: „Nitratbelastung wird noch über Generationen ein Problem sein“

Heute ist Weltwassertag. Da lohnt sich ein Blick auf unser Grundwasser – und warum die EU-Kommission Deutschland deswegen verklagt hat. Besserung ist erst einmal nicht in Sicht.

Unterstützt durch

IDEXX

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN