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17/01/2017

Deutsche zahlen zweithöchsten Strompreis der EU

Gesundheit und Verbraucherschutz

Deutsche zahlen zweithöchsten Strompreis der EU

Nur in Dänemark sind die Strompreise höher. Foto: dpa

Die Privathaushalte in Deutschland zahlen einer neuen Statistik zufolge den zweithöchsten Strompreis in der EU. Über die Hälfte des Preises besteht aus Steuern und Abgaben.

Die Privathaushalte in Deutschland zahlen laut einer neuen Erhebung des EU-Statistikamts Eurostat den zweithöchsten Strompreis in der Europäischen Union. Im Durchschnitt mussten Haushalte hierzulande für 100 Kilowattstunden Strom im zweiten Halbjahr 2014 rund 29,30 Euro zahlen und damit nur etwas weniger als beim Spitzenreiter Dänemark mit etwa 30,40 Euro, wie Eurostat am Mittwoch in Luxemburg bekanntgab.

Über die Hälfte des Strompreises strich dabei der Staat ein: In Deutschland entfielen 52 Prozent und in Dänemark sogar 57 Prozent auf Steuern und Abgaben. Der durchschnittliche Preis für Haushaltsstrom betrug in der EU laut Eurostat in der zweiten Jahreshälfte 2014 rund 20,80 Euro. Das Niveau sei damit gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent und seit 2008 sogar um mehr als 30 Prozent gestiegen, führten die Statistiker aus.

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) warnte angesichts der Lage in Deutschland vor sozialer Ungerechtigkeit: „Hohe Energiepreise belasten vor allem ärmere Haushalte“, erklärte das ZEW in Mannheim. Dies habe auch Folgen für die Energiewende insgesamt. „Damit die Energie- und Klimapolitik in Deutschland langfristig tragfähig ist, muss deshalb in Zukunft stärker als bisher auf Kosteneffizienz und soziale Ausgewogenheit geachtet werden“, forderte ZEW-Experte Peter Heindl.

Der Gaspreis betrug im zweiten Halbjahr 2014 im EU-Durchschnitt etwa 7,20 Euro, ebenfalls umgerechnet in 100 Kilowattstunden, wie Eurostat weiter mitteilte. Hier lag Deutschland mit rund 6,80 Euro eher im Mittelfeld. Am niedrigsten war der Gaspreis pro 100 Kilowattstunden demnach in Rumänien und Ungarn (rund 3,20 Euro und 3,50 Euro), am höchsten in Schweden mit rund 11,40 Euro pro 100 Kilowattstunden.

Brüssel erlaubt weitere Rabatte auf EEG-Umlage für Industrie

Die EU-Kommission hat Deutschland weitere Rabatte auf die EEG-Umlage zugunsten der Industrie erlaubt. Das bedeutet, dass noch mehr Unternehmen die eigentlich von allen Stromkunden zu zahlende Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien nicht voll begleichen müssen, wie aus einer Mitteilung der Brüsseler EU-Kommission vom Mittwoch hervorgeht. Die neuen Rabatte betreffen demnach die metallverarbeitende Industrie, insbesondere Firmen, die Metalle formen und beschichten.

In den Genuss kommen dabei nur Unternehmen, bei denen die Stromkosten mindestens 20 Prozent der Bruttowertschöpfung ausmachen, wie die Kommission erklärte. Deutschland hatte entsprechende Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 2014 vorgeschlagen.

Das EEG sieht Reduzierungen der EEG-Umlage für bestimmte Branchen beziehungsweise Unternehmen vor. Die Ausnahmen werden damit gerechtfertigt, dass die Unternehmen im internationalen Wettbewerb stehen und nicht durch hohe Strompreise ins Hintertreffen geraten sollen. Die EU urteilte nun, dass auch die Metallverarbeiter in einer solchen Lage sind und daher von den Rabatten profitieren dürfen.

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