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22/01/2017

Das Gift in der Verpackung

Gesundheit und Verbraucherschutz

Das Gift in der Verpackung

Wenn es nach dem Europaparlament geht, soll bald alle sogenannten Lebensmittelkontaktmaterialien auf Giftstoffe analysiert werden.

Foto: aerogondo2/shutterstock

Für Verpackungen von Lebensmitteln, Kochutensilien oder auch Geschirr werden zahlreiche Materialien verwendet – und viele wurden bisher nie auf mögliche Giftstoffe geprüft.

Wenn es nach dem Europaparlament geht, soll dies nun nachgeholt werden. In einer Entschließung forderte die Volksvertretung heute die EU-Kommission auf, so genannte
Lebensmittelkontaktmaterialien zu analysieren – also alle Dinge, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen.

Nach Angaben aus dem Parlament existieren Schätzungen zufolge bis zu 100.000 solcher Materialien, von denen die meisten nicht auf ihre Auswirkungen auf die Gesundheit hin untersucht wurden. Problematisch seien auch die vielen unterschiedlichen nationalen Vorschriften und Kontrollmethoden, stellte das Parlament fest.

Weichmacher in Verpackungen machen dick

Die meisten Lebensmittel sind heute in Plastik eingeschweißt. Doch Weichmacher können aus der Verpackung über die Nahrung in den Körper gelangen – und dick machen, wie deutsche Forscher nun zeigen. Die EU-Kommission ist unterdessen weiter im Verzug mit einer Definition von hormonwirksamen Chemikalien, die bereits im Jahr 2013 fertig sein sollte.

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EU-weite Regelungen gibt es bisher nur für Keramik, Zellulose, Kunststoffe sowie für so genannte aktive und intelligente Materialien. Diese esagt nthalten bestimmte Substanzen, die freigesetzt werden, um etwa die Haltbarkeit von Nahrungsmitteln zu verlängern.

Das Europaparlament fordert nun einheitliche Vorschriften auch für Papier und Karton, Beschichtungen, Druckfarben und Klebstoffe. Auch die Untersuchungsmethoden dieser Materialien sollen vereinheitlicht werden.
Außerdem soll die Europäische Lebensmittelbehörde (Efsa) eine stärkere Rolle bei der Risikobewertung der fraglichen Stoffe spielen. Sie soll auch untersuchen, wie verschiedene Chemikalien zusammenwirken.

„Wir brauchen mehr Forschung über die Auswirkungen, wenn mehrere Chemikalien wie in einem Cocktail zusammengemixt werden“, betonte die SPD-Abgeordnete Susanne Melior.

Deutschlands Gift-Grenzwerte für Spielzeug vorerst bestätigt

Deutschland darf seine nationalen Grenzwerte für Antimon, Arsen, Quecksilber, Barium und Blei in Spielzeug vorläufig beibehalten. Der Europäische Gerichtshof bestätigte einen entsprechenden Eilantrag Deutschlands.

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Auch die Rückverfolgbarkeit von Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, muss dem Europaparlament zufolge gesichert sein – selbst wenn es sich um Importe aus Drittstaaten handelt. Dazu sollen alle Unternehmen, die beispielsweise Verpackungen oder Kochutensilien herstellen oder importieren, von den nationalen Behörden registriert werden.

Schließlich fordert das Europaparlament auch mehr Forschung über die Wirkung von Nanopartikeln – also winzige Teilchen, die unter anderem durch die Haut in den menschlichen Körper gelangen können. Sie werden derzeit oft in Verpackungen eingesetzt, weil sie zum Beispiel den UV-Schutz verbessern.
Mit der Entschließung fordert das Europaparlament die EU-Kommission auf, Vorschläge für eine bessere Bewertung und Kontrolle aller Lebensmittelkontaktmaterialien vorzulegen. Die Brüsseler Behörde ist aber nicht verpflichtet, dem nachzukommen.