Daimler trotzt EU-Vorgaben: Sanktionen möglich

Daimler will seine neuen Autos weiterhin mit Klimaanlagen ausstatten, die das inzwischen verbotene Kältemittel R134a verwenden. Foto: dpa

Der deutsche Autobauer Daimler muss sich auf Sanktionen der EU-Kommission einstellen. Die Frist zur Umstellung auf ein umweltfreundlicheres Kältemittel in Klimaanlagen ist abgelaufen. Daimler verweist auf Sicherheitsbedenken und will eine verlängerte Übergangsfrist aushandeln.

Seit dem Jahreswechsel müssen die Klimaanlagen neuer Fahrzeuge das Kältemittel R1234yf verwenden. Die Chemikalie ist deutlich klimaverträglicher als das bisher eingesetzte Kältemittel R134a und wurde als sicher eingestuft. Das hatten zahlreiche Labor- und Crashuntersuchungen ergeben, die von internationalen Autoherstellern sowie unabhängigen Instituten vorgenommen wurden.

Daimlers Crashtest

Alle europäischen Autobauer haben die Umstellung akzeptiert, einzig der deutsche Autobauer Daimler lehnt den Einsatz des neuen Kältemittels ab. Daimler verweist dabei auf Sicherheitsbedenken, die während eines hauseigenen Prüfverfahren festgestellt wurden. Demnach könne sich das neue Kältemittel bei einem sehr schweren Frontalaufprall in Verbindung mit einem Bruch der Kältemittelleitung in einem heißen Motorraum als zündfähig erweisen. Vergleichbare Tests mit dem aktuell verwendeten Kältemittel R134a hätten dagegen keine Entflammung ergeben.

"Aufgrund der neu gewonnenen Erkenntnisse und seiner hohen Sicherheitsmaßstäbe schließt Mercedes-Benz den Einsatz dieser Chemikalie in seinen Produkten aus. Deshalb will das Unternehmen seine Fahrzeuge weiterhin mit dem bewährten und sicheren Kältemittel R134a ausstatten", hatte Daimler bereits Mitte September 2012 angekündigt.

Allerdings riskiert Daimler damit Sanktionen von Seiten der EU-Kommission. Die bereits 2006 angenommene Richtlinie über Emissionen aus Klimaanlagen in Kraftfahrzeugen (2006/40/EG) sieht vor, dass der Einsatz von Klimaanlagen, die Kältemittel mit fluorierten Treibhausgase mit einem Treibhauspotenzial von über 150 enthalten, verboten werden. Das bisher eingesetzte Kältemittel, der teilfluorierte Kohlenwasserstoff 134a (HFKW-134a bzw. R134a ) hat ein Treibhausgaspotenzial von 1.300.

Drohende Sanktionen

"Unsere grundsätzliche Auffassung ist, dass EU-Gesetze respektiert werden sollten", sagte Carlo Corazza, Sprecher von EU-Industriekommissar Antonio Tajani, kurz Mitte Dezember zu EURACTIV. "Wir kennen Daimlers Position. Wir werden abwarten, was sie im Januar unternehmen und was unsere Bewertung ihrer Begründung ist und dann werden wir [über Sanktionen] entscheiden", so der Kommissionssprecher.

Falls sich Daimler und die EU-Kommission nicht einigen, drohen dem deutschen Autobauer Strafzahlungen oder gar der Entzug von Genehmigung für bestimmte Fahrzeugtypen. Das betrifft bei Daimler konkret die neue A- und B-Klasse und das neue Modell des Sportwagens SL, die für das neue Kältemittel zertifiziert wurden.

Daimler beharrt derweil weiter auf seiner Position. "Wir gehen davon aus, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als das neue Mittel nicht einzusetzen", sagte ein Daimler-Sprecher am Mittwoch in Stuttgart, berichtet Welt Online. Der Konzern stehe in Gesprächen mit den EU-Behörden und dem Kraftfahrtbundesamt (KBA). "Die Gespräche verlaufen gut", so der Sprecher.

EURACTIV.de

Links

EURACTIV Brüssel: Daimler faces legal action threat over green air conditioning (18. Dezember 2012)

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