Coronavirus: Wie Geflüchtete das deutsche Gesundheitssystem stärken

In der Corona-Krise zeigt sich, wie Deutschland von der Zuwanderung der letzten Jahre profitiert. [EPA-EFE/ROLEX DELA PENA]

In Deutschland herrscht seit Jahren Ärztemangel. Noch im vergangenen Jahr warnte die Bundesärztekammer vor „erheblichen Engpässen in der medizinischen Versorgung“. In der Corona-Krise zeigt sich, wie Deutschland von der Zuwanderung der letzten Jahre profitiert.

Viele der Maßnahmen, die die Bundesregierung in den vergangenen Wochen ergriffen hat, um die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland einzudämmen, dienten einem Ziel: das Gesundheitssystem vor einer Überlastung zu schützen. Eine Gruppe, die in den vergangenen Wochen gezielt zur personellen Unterstützung im Gesundheitsbereich aufgerufen wurde, umfasst ausländische ÄrztInnen, deren Zulassung noch aussteht. Die Sächsische Landesärztekammer war einer der Vorreiter solcher Initiativen.

„Wir haben den Aufruf vor allem über Facebook getätigt“, erzählt Knut Köhler, Sprecher der Sächsischen Landesärztekammer im Gespräch mit EURACTIV Deutschland. Rückmeldungen würden in einer Datenbank gesammelt, die den Behörden zur Verfügung gestellt wird. Das zusätzliche Personal bedeute eine „erhebliche Entlastung“, auch wenn es aufgrund der noch ausstehenden Zulassung nur unter Aufsicht von approbierten ÄrtzInnen eingesetzt werden könne, sagt Köhler.

Rund 130 ausländische ÄrztInnen ohne abgeschlossenes Approbationsverfahren haben sich bereits auf den Aufruf gemeldet. „Wir hatten in Sachsen den großen Vorteil, dass die Fallzahlen nie so groß waren, dass es externen Personals bedurft hätte“, sagt Köhler. Man sei jedoch froh, im Falle einer zweiten Welle auf die Adresslisten als Reserve zurückgreifen zu können.

Aufrufe in mehreren Bundesländern

Gut zwei Wochen später folgte die bayerische Landesärztekammer dem sächsischen Beispiel. Bisher haben sich bereits mehr als 660 ausländische ÄrztInnen ohne deutsche Approbation auf den Aufruf gemeldet (Stand 6.5.2020). Wenig später erleichterte die Landesregierung Nordrhein-Westfalens die Berufserlaubnis für ausländische ÄrztInnen, um angesichts der Corona-Pandemie zusätzliche Personalressourcen zu schaffen und das Krankenhauspersonal zu entlasten. 

Auch das bundesweite Online-Portal “match4healthcare”, das von Studenten entwickelt wurde, und Pflege- und Gesundheitskräfte sowie Medizinstudenten an Kliniken und Pflegeheime im ganzen Land vermittelt, ging Ende März online. Voraussetzung ist überall, dass die Fachkräfte über gute Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen.

Sprachkenntnisse oft größte Hürde auf dem Weg zur Approbation

„Die sprachliche Hürde ist häufig die höchste Hürde im Prozess der Approbation“, sagt Andreas Weber, Leiter der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW), gegenüber EURACTIV Deutschland. Das Institut betreut ausländische ÄrztInnen sowie Pflege- und Gesundheitskräfte auf dem Weg zur Approbation, indem es neben allgemeinen auch Fachsprachkurse anbietet. „Ideal ist es, wenn die Teilnehmer nebenbei schon im medizinischen Bereich arbeiten“, sagt Weber. Um dies zu ermöglichen, arbeitet das Institut eng mit verschiedenen Partnern zusammen, die den TeilnehmerInnen Praxiseinsätze ermöglichen.

Zuwanderung stärkt besonders den Gesundheits- und Pflegebereich

Im September 2019 waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund 356.000 Personen aus den sogenannten “Asylherkunftsländern” in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt, mehr als 4 Prozent davon im Gesundheitswesen. Zu den Ländern zählen Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien. 

Laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft ist die Zahl der im Gesundheitswesen und im Pflegebereich beschäftigten Ausländer zwischen 2014 und 2019 deutlich gestiegen. 

„Die positiven Effekte der Migration sollten nicht vollständig aus dem öffentlichen Diskurs verschwinden“, mahnt Wido Geis-Thöne, Senior Economist für Familienpolitik und Verfasser der Studie. Die Zuwanderer würden insbesondere in der aktuellen Krise einen großen Beitrag zur Verbesserung der Lage leisten.

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